Schmuddel-Wirt ließ Prozess platzen

Traunstein - Mit Terminen scheint ein Gastwirt so seine Schwierigkeiten zu haben. Ebenso mit Lebensmitteln:  Kontrolleure fanden in seinem Betrieb abgelaufene und schimmelige Ware.

Viele Lebensmittel aus seinem Betrieb im nördlichen Landkreis Traunstein hatten das Mindesthaltbarkeitsdatum schon weit überschritten oder waren aufgrund von Schimmelbildung nicht mehr für den Verzehr geeignet. Deswegen sollte sich der Gastwirt nun vor dem Amtsgericht Traunstein wegen des Verdachts mehrerer Verstöße gegen die Lebensmittelhygiene-Verordnung verantworten. Doch der Angeklagte blieb dem Gerichtstermin unentschuldigt fern, obwohl er form- und fristgerecht geladen war.

Ob er den Termin nun einfach nur vergessen hatte oder vorsätzlich fernblieb, konnte am Verhandlungstag nicht geklärt werden. Fest steht, dass er zum nächsten Gerichtstermin, notfalls auch per Haftbefehl, von Polizeibeamten vorgeführt wird.

Hygiene sollte oberste Priorität haben

Hygiene sollte im Gastgewerbe oberste Priorität haben, doch der Kontrollbericht der Lebensmittelüberwachung des Landratsamts Traunstein über den Landgasthof zeigte, dass die Realität auch anders aussehen kann. Bei einer Kontrolle des Betriebs am 18. November des vergangenen Jahres offenbarten sich den Mitarbeitern der Lebensmittelüberwachung eklatante Reinigungsdefizite und viele verdorbene Lebensmittel. Demnach zogen sich die Mängel vom Flaschenweinlager, dem Gastraum mit Theke, über die Kühl- und Lagerräume im Haupt- und Nebengebäude bis hin zur Küche und zum Bierkeller mit schimmeliger Tür und innen verunreinigten Getränkeleitungen.

Die Kontrolleure beanstandeten beispielsweise den Unterbau der Schanktheke, der stark verschmutzt und mit weißen Schimmelbelägen behaftet war. Im Küchenkühlraum waren die Regale verschmutzt, eine Reihe von Lebensmittel verdorben oder mit Schimmelbelägen belegt. Unter anderem wurden in einem verschlossenen Eimer völlig verschimmelte Ketchup-Reste und ein Löffel gefunden, der Inhalt von zwei geöffneten Gläsern Sauerkirschen gärte bereits. Zudem wurden kühlpflichtige Lebensmittel ohne Kühlung aufbewahrt, bei einigen Lebensmittel war das Mindesthaltbarkeitsdatum, wie beispielsweise bei einer Packung Orangeat (04.2004), Kokosmilch (05.2008) oder Lachskaviar (10.2009) deutlich abgelaufen.

Zwangsversteigerung steht ins Haus

Laut den Mitarbeitern der Lebensmittelüberwachung waren die nicht mehr verwendbaren Lebensmittel im Betrieb des Angeklagten zur Abgabe an Kunden bereitgehalten. Am Tag der Kontrolle war der Gasthof für Gäste geöffnet, ebenso wie in den vergangenen Monaten und auch am Tag nach der verpassten Verhandlung. Wie lange jedoch im Gasthof noch Gäste bewirtet werden können bleibt fraglich, denn ein neuer Verhandlungstermin und auch der Termin einer Zwangsversteigerung stehen ins Haus. Damit scheint ein weiterer Wirt auf dem Traditionsgasthof gescheitert zu sein. Schon seinen Vorgänger ereilte die Zwangsvollstreckung, nachdem der Gasthof zuvor über Jahrzehnte erfolgreich im Familienbetrieb geführt und aus familiären Gründen verkauft worden war. Im Anschluss war der Gasthof einige Jahre geschlossen, ehe der derzeitige Inhaber den Betrieb 2005 erwarb.

ca/Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: chiemgau24.de

Rubriklistenbild: © dpa

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