Milchbauern trafen SPD-Kandidaten

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Vertreter des BDM der Kreise Berchtesgaden und Traunstein trafen sich vor dem politischen Abend beim Herbstfest Steinbrünning mit Vertretern der SPD; v. l. Georg Planthaler (BDM Kreis Traunstein), Lorenz Hagenauer (BDM Kreis BGL), SPD MdB Dr. Bärbel Kofler, SPD MdL Maria Noichl, SPD Kreisvorsitzender BGL, Roman Niederberger, Stellvertretende BDM Kreisvorsitzende BGL, Liesi Aschauer, SPD Kreisvorsitzender Traunstein, Dirk Reichenau, Stellvertretende BDM Kreisvorsitzende Traunstein, Maria Mayer und BDM Ortsobmann Teisendorf und Landesdelegierter Albert Aschauer.

Saaldorf - Ursprünglich sollte auch Christian Ude am Tisch sitzen. Doch auch ohne den Spitzenkandidaten wurde über die Situation der regionalen Milchbauern diskutiert.

Der Bund deutscher Milchbauern (BDM) der Kreise Berchtesgaden und Traunstein nahm den Besuch des Spitzenkandidaten der SPD für die nächstjährige Landtagswahl, Christian Ude, wahr um ein Treffen mit Repräsentanten dieser Partei zu arrangieren. Leider, wie MdB Dr. Bärbel Kofler, MdL Maria Noichl und die SPD Kreisvorsitzenden des BGL, Roman Niederberger und Traunstein, Dirk Reichenau, betonten konnte Christian Ude wegen eines wichtigen Termins vor seiner Reise nach Steinbrünning nicht am Treffen teilnehmen.

Milchabrechnungen zeigt rote Zahlen

Dafür zeigten sich die Anwesenden umso interessierter an den Problemen der Landwirtschaft, besonders denen der Milchbauern. Maria Mayer, stellvertretende Kreisvorsitzende für Traunstein, als Sprecherin der Milchbauern, zeigte einige der Milchabrechnungen ihrer Molkerei, woraus klar zu ersehen war, dass der Milchpreis, keineswegs die Erzeugerkosten deckt. Von Vollkostendeckung sei der jetzige Preis weit entfernt, bekundeten die Milchbauern.

Um diese zu erreichen wären auch die vom BDM lange geforderten 40 Cent nicht mehr genug. Es scheine, sagte Mayer, dass die kleinen und mittleren Milchbauernbetriebe, die für unsere Region typisch sind in den Ruin und aus dem Markt gedrängt werden sollen. Sie finde es merkwürdig, dass nur Tage nach einem Besuch des Ministerpräsidenten Horst Seehofer in der Molkerei Waging der Milchpreis von dieser Molkerei gesenkt worden ist. Jedenfalls seien Betriebe mit weniger als 20 Kühen, wie der ihre, ohne Nebenerwerb nicht mehr überlebensfähig, sagte Mayer. Auf einen Stundenlohn umgerechnet seien die zu erzielenden Erträge aus der Bewirtschaftung eines solchen Hofes geradezu „sittenwidrig“. Vor 30 Jahren seien solche Betriebe noch Gang und gäbe gewesen und mit dem damals gezahlten Milchpreis gut über die Runden gekommen. Das immerwährende „Wachsen oder Weichen“, das vom Bauernverband und der Politik gefordert werde, habe sich als desaströs für die Bauern erwiesen, sagten die BDM Vertreter. Nicht nur in Bezug auf die Erträge der Bauern, sondern auch in Bezug auf die kulturelle Entwicklung, das Familienleben und das Interesse von Jungbauern und Jungbäuerinnen den elterlichen Hof zu übernehmen. Die Entwicklung habe auch zu einer Beeinträchtigung des Gemeinwesens geführt, denn ein Wachsen ohne Verdrängung Anderer sei in unserer Gegend nicht möglich. Die Investitionen für das geforderte Wachstum machten Bauern aber auch viel abhängiger von Kreditgebern und der Politik, die hohe Subventionen zahlen müsse und diese kämen in ihrer jetzigen Form vor allem Bauern mit großen Flächen zugute.

Den Quotenauslauf in 2015 bezeichnete Mayer als „Totengräber“ für Kleinbauern, denn danach zähle nur noch das „Gasgeben“ bei der Produktion. Angeprangert wurde bei diesem Treffen auch die Entwicklung der Biogasproduktion. Das habe nichts mit „Bio“ zu tun, meinten auch Dr. Kofler und Noichl. Ursprünglich sei bei dieser Art der Energieerzeugung die Verwendung von Gülle und Restmaterial angedacht gewesen und nicht den Maisanbau endlos zu fördern und die Beförderung von Mais über weite Strecken. Besonders wenn die Abwärme nutzlos verpuffe, sagte Noichl, wäre die Biogaserzeugung in ihrer jetzigen Form untragbar. Die Bundestagsabgeordnete Dr. Bärbel Kofler stimmte Noichl zu, wie aber darauf hin, dass seit der EEG Reform im letzten Jahr Neuanlagen die anfallende Wärme nachweislich nutzen müssen, um eine Förderung über das EEG zu erhalten. Zudem seien stärkere Anreize zur Reststoffnutzung sowie ein „Maisdeckel“ beschlossen worden. Das heißt, dass die Substrate in einem Fermenter von Neuanlagen nur zu einem bestimmten Anteil aus Mais bestehen dürfen.

In Zukunft, so Dr. Kofler weiter, wolle die SPD Bundestagsfraktion noch konsequenter auf bedarfsgerechte Einspeisung hin trimmen, sowie Effizienzpotenziale nutzen. „Biomasse ist ein so kostbares Gut, dass wir die daraus erzeugte Energie so effizient wie möglich einsetzen müssen“, ist Dr. Kofler überzeugt. Der Kreisvorsitzende der SPD für Traunstein, Dirk Reichenau, fragte die Milchbauern was sie davon abhalte, die Erzeugung von Milchprodukten selbst zu übernehmen. Albert Aschauer, der Ortsobmann von Teisendorf, meinte dazu dies sei sehr kostspielig und natürlich von den meisten Molkereien ungewollt. Als Beispiel dafür nannte Aschauer die „Faire Milch“, für deren Erzeugung in ganz Bayern trotz großer Anstrengungen keine Molkerei gefunden werden konnte, obwohl die Bedingungen sehr lukrativ gewesen wären. Die Molkereien fürchten die Bündelung und den Machterwerb der Bauern, sagte Aschauer. Auch viele Genossenschaften, die ja eigentlich den Bauern gehören, seien jetzt abgekoppelt von diesen und arbeiteten nur noch nach marktwirtschaftlichen Gesichtspunkten, meinten die BDM Vertreter. Angestrebt werden müsse eine flexible Mengenregelung und eine Monitoringstelle, bei denen die Erzeuger Mitspracherechte haben, sagten die BDM Vertreter.

Sowohl die BDM-Vertreter, als auch Dr. Kofler und Noichl verwiesen in dieser Beziehung auf das kanadische System als Ausgangspunkt wie dies funktionieren könnte. Abschließend bedankten sich die BDM Vertreter für das Interesse der SPD Politiker, die sich von der Kreis- bis hinauf zur Bundesebene für diese Aussprache Zeit genommen haben. Roman Niederberger bedauerte nochmals dass es dem SPD Spitzenkandidaten Christian Ude nicht möglich gewesen sei, daran teil zu nehmen. Die SPD Leute beteuerten aber, dass dies keinesfalls auf ein Desinteresse von Ude zurückzuführen sei. Im Gegenteil, Ude wisse sehr wohl die kleinstrukturierte bäuerliche Landwirtschaft zu schätzen und wolle sich für deren Erhaltung und Förderung, zusammen mit der SPD insgesamt einsetzen. Roman Niederberger meinte abschließend, wir sollten vor allem den Wert der Dinge sehen und die bäuerliche Landwirtschaft sei es sicher wert erhalten und gefördert zu werden.

Pressemitteilung SPD

Quelle: chiemgau24.de

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