42 neue Gesundheits- und Krankenpflegekräfte

Mehr Pflegekräfte braucht das Land

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42 Schüler der Berufsfachschule für Krankenpflege in Traunstein bestanden das Staatsexamen als Gesundheits- und Krankenpfleger/in auf Anhieb.

Ruhpolding - Rupert Übelherr begrüßt 42 neue Pflegekräfte im Kurhaus in Ruhpolding. Die Gesamtleistung der Gruppe kann sich mit einem Notendurchschnitt von 2,3 mehr als sehen lassen.

In der Examensfeier im Kurhaus begrüßte der Leiter des Bildungszentrums für Gesundheitsberufe der Kliniken Südostbayern AG, Rupert Übelherr, 42 neue frisch examinierte Gesundheits- und Krankenpflegekräfte im Landkreis Traunstein. Mit dem sehr guten Notendurchschnitt von 2,3 hätten sie eine tolle Gesamtleistung erreicht. Für herausragende Leistungen wurden Martha Szpaczko aus Trostberg, Sonja Puziewicz aus Ruhpolding, Barbara Sichler aus Grassau, Romana Wörndl aus Kirchanschöring, Christine Staufer aus Surberg und Stefanie Wiesenegger aus Waging mit dem Staatspreis der Regierung von Oberbayern ausgezeichnet. Staufer und Wiesenegger schafften einen Notendurchschnitt von 1,0. Die fünf Teilnehmer, die das Ziel der Examensprüfung nicht erreicht haben, haben die meisten der sieben Prüfungsteile bestanden. Sie können die noch fehlenden Teile im Frühjahr nachholen. Ihr Ausbildungsvertrag werde in der Regel bis dahin verlängert, so Übelherr. Das Kurhaus Ruhpolding habe man für die Examensfeier ausgewählt, weil der Ort ein Klinikstandort sei, in dem auch ausgebildet werde, sagte er. Von den 26 Gesundheits- und Krankenpflegern, die von der Kliniken Südostbayern AG übernommen würden, würden vier ihre Arbeit im Vinzentinum Ruhpolding aufnehmen.

Mehr Pflegekräfte braucht das Land 

Die Themen seiner Abschlussreden seien in den vergangenen Jahren immer die gleichen gewesen: Bezahlung, Arbeitsbelastung, Bildung, wirtschaftlich schwierige Situation der Trägerschaften von Pflegeeinrichtungen und Krankenhäusern, Warnung vor Fachkräftemangel und jetzt zusätzlich Bewerbermangel. Übelherr zitierte dabei Prof. Frank Weidner, Direktor des Deutschen Instituts für angewandte Pflegeforschung. Demnach wird es in zehn Jahren in Deutschland 3,4 Millionen pflegebedürftige Menschen geben. Die neue Bundesregierung müsse daher Kommunen, Länder und Krankenversicherung an einen Tisch bringen, um die Arbeitsbedingungen in Pflegeberufen zu verbessern. Es werde mehr Personal benötigt, aber auch eine angemessene Bezahlung. Im Vergleich mit anderen Ländern habe Deutschland einen viel stärkeren demografischen Wandel vor der Brust, gebe aber verglichen mit den Niederlanden, Skandinavien, Großbritannien und Frankreich erheblich weniger Geld für die Pflege aus, so Weidner.

„Der Pflegebereich wartet in Deutschland nach wie vor auf bessere Bezahlung, weiterentwickelte Bildungsmöglichkeiten einschließlich geregelter Weiterbildungsmöglichkeiten, Fortbildungsverpflichtung und mehr Selbstbestimmung“, erklärte der Leiter des Bildungszentrums. Der Druck steige, aber es gebe keine durchgreifenden Ergebnisse. Den Examinierten wünschte er, dass sie dort, wo sie arbeiten würden, gut behandelt, geführt, bezahlt und weitergebildet würden. „Wenn nicht, setzt Euch dafür ein, dass sich etwas ändert“, gab er ihnen mit auf den Weg. Sie hätten viel lernen müssen, aber das Ziel der Bildung sei nicht wissen, sondern handeln. „Siebengescheite, die viel wissen, aber es nicht schaffen, das Wissen in Handlung für den Menschen, in Nutzen für den Menschen und in Hilfe für den Menschen umzusetzen, laufen genügend herum“, sagte er. Als Gesundheits- und Krankenpflegefachkräfte hätten sie jetzt die Chance, ihr gelerntes Wissen, ihre Erfahrungen, praktischen Fertigkeiten und sozialen Fähigkeiten professionell für kranke und hilfsbedürftige Menschen in Handlung umzusetzen.

Ein verantwortungsbewusster Umgang mit den Patienten ist das a und o

Examen bedeutet getestet und geprüft, sagte Ruhpoldings Bürgermeister Claus Pichler. Es gebe ihnen hoffentlich das Rüstzeug für ihre große herausfordernde Aufgabe. „Ihr werdet alle noch gebraucht und kriegt noch eine Stelle“, machte er ihnen Mut, denn die Region würde qualifizierte und examinierte Kräfte noch brauchen. Die Patienten müssten sich in einer oft schwierigen Lage gut betreut und aufgehoben fühlen. Er forderte, dass sie sich für ihre Klinik einsetzen und gut einbringen sollen. Zudem appellierte er an ihr Verantwortungsbewusstsein im Berufsalltag gegenüber den Patienten, die ihnen anvertraut würden. Der Vorstand der Kliniken Südostbayern AG, Stefan Nowack, freute sich über das Bildungszentrum im ehemaligen Annette-Kolb-Gymnasium. „Es ist Geschenk und Wertschätzung des Landkreises Traunstein, dem die Krankenpflegeschule und die Bildung so wichtig sind.“

Verärgert zeigte er sich über die Äußerung von persönlichen Meinungen in offenen Briefen, weil dadurch die sehr gute Arbeit der Kliniken in der Öffentlichkeit schlecht wegkomme. „In den Kliniken wird hervorragende Arbeit geleistet“, betonte Nowack. Die Gesundheitspolitik könne man nicht ändern, sich aber jedes Jahr aufs Neue auf neue Situationen einstellen. Deshalb bat er die neuen Krankenpflegefachkräfte, sich mit der gegebenen Situation aktiv auseinanderzusetzen und sich einzubringen. Wenn ein Patient ins Krankenhaus komme, gebe er seine ganze Autonomie auf. Er verdiene daher ihre Achtsamkeit im Umgang mit ihm. „Jeder von uns sollte einmal die Erfahrung machen, wie die Perspektive im Bett liegend sich ausschaut. Dies ist eine Ausnahmesituation“, so der Klinik-Vorstand.

Von einem in der Öffentlichkeit äußerst geschätzten Beruf, der alle Möglichkeiten für die künftige berufliche Entwicklung beschert, sprach der Pflegedirektor der Kliniken Südostbayern AG, Jürgen Bacher. „Der erfolgreiche Abschluss des Examens ist dadurch auch der Einstieg in ein spannendes Berufsbild, das neben der grundlegenden engagierten und fürsorglichen Pflege viele Spezialisierungen und Weiterbildungen ermöglicht“, fuhr er fort. Was in den Zeugnissen nicht zu finden sei, seien die Kompetenzen, die sie sich in den vergangenen drei Jahren in der Berufsfachschule für Krankenpflege erworben hätten: Pflege zu planen, Menschen zu begleiten, Probleme zu lösen, reflektiert zu handeln, aber ganz besonders in Gruppen und Teams zu arbeiten, zu kommunizieren und Ziele abzusprechen.

Bjr

Quelle: chiemgau24.de

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