Bürgerentscheid: "Wir müssen jetzt dazu stehen"

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Harald von Knoerzer (Moderator), Engelbert Schweiger (Stadionchef Chiemgau Arena), Christian Hümmer (Sprecher Initiative OlympiJa2022), Matthias Schöner (Planungsbüro), Claus Pichler (Bürgermeister)

Ruhpolding - Bürgermeister Claus Pichler hat bei einer Info-Veranstaltung der Gemeinde zur Olympiabewerbung 2022 von einem Großereignis gesprochen und viele Zahlen präsentiert.

Bis fast auf den letzten Platz gefüllt war der Saal des Ruhpoldinger Kurhauses bei einer Info-Veranstaltung der Gemeinde zur Olympiabewerbung 2022. Auf dem Podium standen Engelbert Schweiger, als Leiter der Chiemgau Arena und Matthias Schöner vom Planungsbüro AS&P und erläuterten den Besuchern ausführlich die Konzeptstudie zur Bewerbung von München, Garmisch Partenkirchen sowie den Landkreisen Traunstein und Berchtesgadener Land.

In seiner Einführung sprach Ruhpoldings Bürgermeister Claus Pichler von einem Großereignis, das Sinn mache. Der anberaumte Bürgerentscheid für den 10. November zu Olympia sei eine basisdemokratische Entscheidung. „Wir müssen jetzt dazu stehen. München hat aus der Bewerbung 2018 gelernt und die Chiemgau Arena jetzt ins Boot geholt. Die Abstimmung kann nur auf den heutigen Stand des Konzeptes passieren.“

100 Wettkämpfe an 13 Sportstätten

Engelbert Schweiger verwies eingangs auf die Dimension der Spiele mit 100 Wettkämpfen an 13 Sportstätten. Dazu würden 1,6 Millionen Tickets verkauft, gerechnet wird mit 1,6 Milliarden Fernsehzuschauer weltweit. Matthias Schöner erklärte das „3Standorte-Konzept“ durch das vor allem Garmisch entlastet würde. Verwiesen wurde auf die Einmaligkeit des Münchner Olympiaparks der nach 1972 fünfzig Jahre später wieder im Mittelpunkt stehen könnte.

In den Diskussionen um die Inzeller Max Aicher Arena zur Nutzung als Pressezentrum sagte Schweiger: Durch die Zusammenlegung der Eisbewerbe in München werde es in der Landeshauptstadt für den Eisschnelllauf eine temporäre Halle für 8.000 Zuschauer geben. Diese würde nach den Spielen wieder abgebaut. Damit würde an dem Status eines Bundesleistungszentrums in Inzell nach 2022 nicht gerüttelt. Hätte man Inzell für die Wettkämpfe vorgesehen, hätte dort eine zweite Halle errichtet werden müssen.

Ruhpolding zunächst nur für Biathlon vorgesehen

Ruhpolding war nach dem Konzept zunächst nur für Biathlon vorgesehen. Langlaufen war ursprünglich in Reit im Winkl angedacht. Nach einem längeren Findungsprozess war man jedoch der Meinung, Langlaufen in Ruhpolding durchzuführen. Entscheidend dafür war auch die Tatsache der Ansiedlung des möglichen Olympischen Dorfes in Inzell und die damit verbundenen Fahrzeiten der Sportler zu den Wettkämpfen.

Außerdem wären in Reit im Winkl bauliche Veränderungen notwendig gewesen. Auch der Standort Inzell wurde untersucht, letztendlich hätte sich das Areal am Ruhpoldinger Unternberg als bestens erwiesen. „Das Gelände ist ideal, es gibt eine westliche und östliche Runde und wir konnten die Vorgabe von zwei jeweils fünf Kilometer lange Strecken erfüllen“, sagte Schweiger.

Wichtig sei es gewesen, dass sich alle 15 Grundstückseigentümer in diesem Bereich bereit erklärten, ihre Flächen zur Verfügung zu stellen. „Wir haben alle 15 Landwirte gemeinsam an einen Tisch gebracht. Alle haben die Absichtserklärung für Olympia 2022 und den vorher stattfindenden Weltcup 2021 unterschrieben“, gab Schweiger den Besuchern bekannt.

Entstehen soll in diesem Bereich ein temporäres Stadion für 6.000 Besucher, das nach den Spielen zurückgebaut wird. Danach besteht die Chance für eine touristische Nutzung der Loipen. „Es wird auf keinen Fall dort eine neue Chiemgau Arena geben“, trat Schweiger Gerüchten entgegen. „Auch die Fläche der Chiemgau Arena wird nicht vergrößert. Natürlich muss im Laufe der nächsten neun Jahre was verbessert werden. Wir müssen auf der Höhe der Zeit bleiben.“ In Inzell sieht das Konzept ein Olympisches Dorf für 1.700 Sportler vor.

Standort wäre das Areal am Außerfeld. Dort könnte ein Teilbestand bereits genutzt werden, der Rest würde in einer temporären Anlage untergebracht. Zum Kritikpunkt Nutzung der Max Aicher Arena als Medienzentrum verwiesen die Referenten auf die 2.000 Journalisten die täglich aus Inzell berichten würden.

Keine Olympic-Lanes

Im Verkehrskonzept setzen die Planer auf die vorhandene Infrastruktur und der Umsetzung bereits geplanter Projekte. Der Schwerpunkt des Zuschauertransportes liegt bei Bahn und Bussen. In Traunstein, an der A8 und in Siegsdorf gibt es das sogenannte Park & Ride System. Als ein heikles Thema erwiesen sich im Verlauf des Abends auch die sogenannten „Olympic-Lanes und Routs“.

„Im Chiemgau wird es definitiv keine solchen Olympic-Lanes geben, denn es gibt hier keine dreispurigen Straßen“, bemerkte Matthias Schöner. Diese hatten zuletzt in London für Aufregung gesorgt. Olympic-Lanes sind exklusive Fahrspuren für Sportler und IOC-Mitglieder. Bei den sogenannten „Olympics-Routs“ werde der Hahn auch nicht abgedreht. Es werde vereinzelt Zufahrtsbeschränkungen im erträglichen Rahmen geben.

Flächenverbrauch ein halber Fußballplatz

Im Rahmen des Umweltkonzeptes sollen Eingriffe in die Natur generell vermieden werden oder mit Bedacht erfolgen. Letztendlich werde eine Fläche von 3.000 Quadratmeter versiegelt, das entspreche einem halben Fußballplatz. Die Kosten für die Spiele 2022 wurden mit einem Veranstalter-Budget von 1,5 Milliarden Euro beziffert, dieses soll am Ende ausgeglichen sein. Die Ausgaben der öffentlichen Hand und von privaten Investoren liegen bei 1,8 Milliarden. Die Bewerbungskosten liegen derzeit für den Landkreis Traunstein bei 394.000 Euro und kommen aus dem Budget des Chiemgau Tourismus.

Nach diesen Ausführungen hatten die Besucher Gelegenheit, Fragen zu stellen. Hier ein Auszug davon:

Bürgermeister Claus Pichler zu Sicherheitskonzept: "Großveranstaltungen haben generell ein Sicherheitskonzept. Er sei bei den Spielen in London gewesen und die Kontrollen seien kein Problem gewesen. Man sei sehr freundlich behandelt worden. Große Städte hätten andere Vorgaben als ein Dorf wie Ruhpolding."

Christian Hümmer, Sprecher OlympiJa2022 zu Rolle IOC: "Unser tolles Konzept müsse im Interesse des IOC sein, um es umzusetzen. Das IOC könnte sich damit schmücken."

Paralympicssieger Martin Braxenthaler zu seiner Unterstützung der Bewerbung: "Ich habe die Bewerbung 2018 schon unterstützt, jetzt bin ich wieder dabei. Meine ursprünglichen Zweifel habe ich weggeräumt. Hier in Deutschland sind acht Prozent der Mitbürger behindert. Deutschland ist, was die Barriere-Freiheit betrifft, ein Entwicklungsland. Wir haben durch die Paralympics die Chance was zu verändern. Ich kreuze am 10. November ein “Ja“ an. Wir sollten auch nicht alles kaputtreden. Wir blamieren uns als Zauderer und Bedenkenträger."

Claus Pichler zur Bewerbung allgemein: "Wir haben das Rüstzeug für Olympia. Es bleibt ein Risiko, aber es ist reizvoll."

Hans Hallweger, einer der 15 Grundstücksbesitzer am Unternberg: "Es ärgert mich, dass sich andere Leute Gedanken über unsere Grundstücke machen. Wir wissen schon was wir tun und hätten nicht unterschrieben, wenn wir nicht dahinter stehen würden. Wenn wir die Chance jetzt für Olympia nicht nutzen, wann dann?"

Claus Pichler auf den Vorwurf, die Schulden der Gemeinde kämen von den Sportstätten: "Nein, die Verschuldung kommt von der Renovierung des Wellenhallenbades und der neuen Ortsumfahrung."

Fritz Fischer, Biathlonlegende zu Olympia 2022: "Wir sollten die Chance nutzen. Die Verantwortlichen im Chiemgau arbeiten hart daran, das sollte belohnt werden."

Engelbert Schweiger, Stadionchef Chiemgau Arena zur Schneesicherheit: "Es gibt keine hundertprozentige Garantie. Bisher ist aber noch nie ein Weltcup ausgefallen. Die Beschneiungsanlagen zum Langlaufen am Unternberg sind bereits vorhanden. Übrigens ist in diesem Bereich auch der kälteste Punkt von Ruhpolding."

SHu

Quelle: chiemgau24.de

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