Amtsgericht Traunstein: Drei Monate Gefängnis für 29-Jährigen

Randalierer im "Nachtexpress"

Traunstein - Unbelehrbar zeigte sich ein mehrfach und einschlägig vorbestrafter, unter offener Bewährung stehender 29-jähriger Thüringer.

Mit etwa 1,8 Promille Alkohol im Blut war er am 26. Oktober 2008 nach einem Besuch im Lokal "Villa" nachts in den Diskobus "Nachtexpress" am Bahnhofsplatz in Traunstein gestiegen.

Er stänkerte die einzigen Fahrgäste, drei Männer Anfang 20 aus Bergen, an, tatschte sie auf den Hinterkopf, schlug sich mit ihnen, als sie sich solche Dinge verbaten.

Das Amtsgericht Traunstein verurteilte den alles leugnenden Täter im Juni 2009 zu fünf Monaten Gefängnis ohne Bewährung. Wegen eines "Viertelgeständnisses" und einer nicht nachgewiesenen Körperverletzung kam er jetzt in seiner Berufungsverhandlung vor der Dritten Strafkammer am Landgericht Traunstein mit Vorsitzendem Richter Dr. Klaus Weidmann mit drei Monaten Haft davon.

Der Busfahrer wollte in jener Nacht gerade starten, als er im Fahrzeug ein Gerumpel hörte. Beim Blick in den Rückspiegel sah er ganz hinten im lediglich mit vier Personen besetzten Bus einen Fahrgast mit blutendem Gesicht. Der Fahrer rief über sein Handy die Polizei und ließ niemand mehr aussteigen. Alle Passagiere waren mehr oder weniger angetrunken, wie sich später zeigte.

Begonnen hatte alles damit, dass sich der 29-Jährige auf die Sitzbank in der letzten Reihe legte - die Füße auf dem Polster. In der vorletzten Reihe saßen die drei Zeugen. Der Fahrer rief "Füße runter". Die drei Männer schauten nach hinten. Da fing der 29-Jährige zu stänkern an, hänselte einen der Zeugen wegen dessen Mütze als "Bulle" und "Zivilpolizisten". Nach Feststellung der Kammer, so der Vorsitzende Richter im Urteil, habe der Angeklagte die drei Leute von hinten auf den Kopf geschlagen - allerdings ohne sie zu verletzen. Einer der Zeugen drehte sich damals um, bat den Angeklagten, Ruhe zu geben und erntete einen Schlag gegen den Unterkiefer. Die Prellung verursachte mehrtägige Schmerzen.

Polizeibeamte und ein Krankenwagen, vom Busfahrer zwischenzeitlich verständigt, trafen ein. Der Angeklagte wurde nach ärztlicher Versorgung im Klinikum Traunstein mit dem Sanka zur Polizeiinspektion gebracht. Dort waren die drei Bergener gerade mit ihren Zeugenaussagen fertig. Beim Verlassen der Dienststelle begegneten sie ihrem Angreifer, der ihnen "Ihr drei seid alle tot" zurief. Die Zeugen kehrten um und meldeten die Bedrohung der Polizei. Dazu Dr. Weidmann: "Der Angeklagte fürchtete um seine offene Bewährung. Das war kein Scherz, sondern bitterernst und wurde von den Zeugen ernst genommen."

Der Richter hob die volle Glaubwürdigkeit aller Zeugenaussagen heraus. Kleine Differenzen seien Zeichen, dass die Aussage nicht abgesprochen war. Der Angeklagte sei vielfach vorbestraft, unter anderem wegen Raubes, Beleidigung und vorsätzlicher Körperverletzung. Dieses Mal habe er sich dreier Beleidigungen, einer Körperverletzung und Bedrohung in drei Fällen schuldig gemacht. Positiv zu werten seien das Teilgeständnis, die eigene Verletzung und die alkoholbedingte Enthemmung. Strafschärfend sehe das Gericht die Vorstrafen, die offene Bewährung, die hohe Rückfallgeschwindigkeit und die Intensität der Taten an. Der Vorsitzende Richter wörtlich: "Eine kurzfristige Freiheitsstrafe ist unausweichlich - um dem Angeklagten klar zu machen, so geht es nicht weiter. Außerdem ist diese Strafe aus generalpräventiven Gründen erforderlich. Niemand will im Bus oder vor einer Polizeidienststelle derart angegangen werden."

Bewährung scheide aus wegen der fehlenden positiven Sozialprognose: "Er hat weder Arbeit noch einen festen Wohnsitz." Sichtlich widerwillig akzeptierte der 29-Jährige mit Verteidiger Miguel Moritz aus Traunstein zur Seite - der Anwalt hatte auf Freispruch plädiert - das Urteil. Staatsanwältin Stephanie Schulz hatte beantragt, die Berufung des Angeklagten zu verwerfen und lediglich den Schuldspruch hinsichtlich der Zahl der Körperverletzungen abzuändern.

kd/Chiemgau-Zeitung

Quelle: chiemgau24.de

Rubriklistenbild: © dpa

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