Fachkräftemangel: Sozialraumanalyse des Landkreises Traunstein zeigt umfangreichen Handlungsbedarf

Qualifizierten Zuzug gefordert

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Traunstein - Der Ausschuss für Landkreisentwicklung, Energie und Verkehrsfragen stimmte über Konsequenzen, die sich aus den Ergebnissen der Sozialraumanalyse ergeben, ab.

Mit eingeladen wurden eine Reihe von Vertretern aus der regionalen Wirtschaft, den Verbänden und Banken, um behörden-, organisations- und wirtschaftsübergreifend über Lösungsmöglichkeiten zur Stärkung der Region zu beraten.

Weitgehend einig waren sich alle Anwesenden beziehungsweise Diskussionsteilnehmer, dass die Region auf der wirtschaftlichen Ebene einen bereits jetzt spürbaren Fachkräftemangel durch einen "qualifizierten Zuzug" von Menschen aus anderen Regionen beziehungsweise Ländern entgegenwirken müsse. Die Bewältigung der Folgen des demographischen Wandels mit einer immer älterwerdenden Bevölkerung sei eine der wichtigsten Zukunftsaufgaben auf der kommunalen Ebene, wie Landrat Hermann Steinmaßl unter Zustimmung der Anwesenden ausführte.

Die künftige Entwicklung sei regional wie überregional von einer Zunahme der Senioren, dem Rückgang der Geburten, der Zunahme der Alleinerziehenden und einem erhöhten Fachkräftebedarf geprägt.

Einwohnerzahl langfristig stabil

Anhand aufgezeigter Statistiken sagte der Landrat, dass für den Landkreis Traunstein auch langfristig mit einer stabilen Einwohnerentwicklung gerechnet werde. Insgesamt werde aber für Bayern wie im bundesweiten Schnitt ein Bevölkerungsrückgang erwartet, wobei es zu einem Wegzug aus peripären Regionen hin zu den großen Zentren kommen werde. "Das wird eine mittlere Völkerwanderung."

Absehbar und bereits jetzt spürbar sei der Fachkräftemangel für die Region, die insbesondere im produzierenden Gewerbe und darüber hinaus im Dienstleistungsbereich ihre Stärken habe. Dabei werde der Landkreis seiner Überzeugung nach nur dann auch künftig seine relative Stärke behalten können, wenn es gelinge, für die Menschen Wohnen und Arbeiten in der Region gleichermaßen attraktiv zu gestalten. Die demographische Entwicklung im Landkreis mache dabei zunehmend zu schaffen, der Zuzug von älteren Menschen sei defakto nicht positiv. "Überlegt euch gut, ob ihr noch ein Seniorenheim baut", sagte er an die anwesenden Bürgermeister gerichtet.

Im Nachgang zu den Ausführungen des Landrats fand eine umfangreiche Aussprache statt. Sein Stellvertreter Sepp Konhäuser machte deutlich, dass er bei der regionalen Landwirtschaft den Weg zur Direktvermarktung als zukunftsträchtig und notwendig ansehe, der Breitbandausbau müsse weiterhin Priorität für den Mittelstand wie auch für Privathaushalte haben.

Robert Aigner forderte eine betriebsübergreifende Kommunikation zwischen den Unternehmen, um Facharbeiter-Engpässe beziehungsweise -Überhänge bekannt zu machen, abzustimmen und für alle beteiligten Firmen zu nutzen. Er äußerte sich besorgt über die abnehmenden Schülerzahlen im Mittelschulbereich, die insbesondere für das Handwerk die überwiegende Zahl an Auszubildenden stellt.

Fürsorge für Mitarbeiter erhöhen

Kreisrat Hans Schupfner gab zu bedenken, dass Mitarbeiter immer mehr am "Burn-out-Syndrom" leiden würden und appellierte an die Firmenvertreter, die Fürsorge für ihre Mitarbeiter zu erhöhen.

Das stellvertretende Ausschussmitglied Ernst Ziegler kritisierte, dass "vor dem Hintergrund eines nicht ausreichenden übergeordneten Straßennetzes die Planungen bis zur Verwirklichung neuer Verkehrsprojekte viel zu lange dauern".

Konrad Sterflinger, Leiter Personalwesen der Firma Heidenhain forderte: "Wir brauchen einen qualifizierten Zuzug und müssen die vorhandene Intelligenz in der Region halten." Stefan Rauschhuber von der IG Metall warnte: "Wir haben zukünftig zu wenig junge Menschen." Es müsse weiterhin alles daran gesetzt werden, qualifizierte junge Menschen auszubilden und für einen Zuzug junger Menschen zu sorgen.

Annette Farrenkopf von der Agentur für Arbeit Traunstein erklärte, dass sie für die Akquisition in anderen EU-Ländern offen sei: "Wir müssen das Projekt gemeinsam angehen."

Den vom stellvertretenden Ausschussmitglied Martin Czepan eingebrachten Kritikpunkt, dass die Wirtschaftskammern ausländische Abschlüsse oft nicht anerkennen würden, wollte der Traunsteiner IHK-Vorsitzende Werner Linhardt so nicht gelten lassen. Die Kammern könnten die Qualität einer ausländischen Ausbildung oft schwer beurteilen.

Stellvertretendes Ausschussmitglied Sebastian Röckenwagner sagte offen heraus: "Das Kinderkriegen muss wieder in Mode kommen." Er forderte eine gesellschaftliche Anerkennung, wenn Frauen Kinder gut aufziehen würden. Sein Ausschusskollege Hans Gnadl machte deutlich, dass man in Fragen der Wohnraumbeschaffung nicht nur an Ingenieure denken dürfe. "Wir müssen auch für die arbeitende Bevölkerung sorgen."

Marina Schmidt vom bfz Traunstein sagte, dass die Qualifikation von Facharbeitern oft nicht mehr ausreichen würde. Es sei nötig, eine zusätzliche Möglichkeit vor Ort zu schaffen. In ihrem Hause trage man sich mit konkreten Plänen eine Fachschule in Traunstein zu gründen.

wz/Chiemgau-Zeitung

Quelle: chiemgau24.de

Rubriklistenbild: © dpa

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