Prozess um Serie von Blitzeinbrüchen geplatzt

Traunstein/Rosenheim (ch-z) - Der Prozess um eine Serie von Blitzeinbrüchen, bei der ein Gesamtschaden von fast 75 000 Euro entstand, ist gestern in Traunstein geplatzt.

Der Grund: Gegen einen 26-jährigen Angeklagten aus Rumänien muss weiter ermittelt werden. Wann der Prozess neu aufgerollt wird, ist offen.

Angeblich wollten zwei 29 und 26 Jahre alte Rumänen bei ihrer ersten Fahrt nach Deutschland im März 2007 in Augsburg Arbeit suchen. Als sie keinen Job fanden und mangels Geld im Freien übernachten mussten, verlegten sie sich auf Blitzeinbrüche und Einbruchsdiebstähle. Dabei kamen sie zwischen 2007 und 2009 in Bayern weit herum, wurden in Rosenheim, Prien, Traunstein, München, Augsburg und Nürnberg aktiv. Den geständigen älteren Mann verurteilte das Landgericht Traunstein im November 2008 zu fünf Jahren Freiheitsstrafe. Der jüngere Rumäne musste sich gestern vor der Zweiten Strafkammer am Landgericht Traunstein mit Vorsitzendem Richter Karl Niedermeier verantworten. Der Prozess platzte gegen Mittag. Der Grund: Weitere Ermittlungen sind erforderlich. Außerdem soll ein Gutachten der Rechtsmedizin zu an einigen Tatorten gefundenen DNA-Spuren angefertigt werden. Der Angeklagte wies gestern alle Vorwürfe zurück, beteuerte seine Unschuld und sagte ansonsten wenig. Der rechtskräftig verurteilte 29-Jährige belastete jedoch seinen Mittäter gestern größtenteils erheblich im Sinne der Anklage von Staatsanwalt Georg Baumann. Vor der ersten Reise nach Bayern im Jahr 2007 saß der 26-Jährige im Gefängnis. Nach seiner Entlassung Anfang 2007 soll ihn der 29-Jährige aufgefordert haben, mit ihm nach Deutschland zu fahren. Gestohlen habe er gar nichts, beharrte der Angeklagte trotz eindringlicher Worte des Gerichts über den strafmindernden Wert eines Geständnisses.

DNA-Spuren an zwei Tatorten

 Die nächste Fahrt nach Deutschland habe er mitgemacht, sagte der Angeklagte, weil der 29-Jährige ein Auto kaufen wollte. Dass er bei der Festnahme des 29-Jährigen - der wurde auf frischer Tat ertappt - in dessen Auto gesessen hatte, konnte der Angeklagte nicht plausibel erklären. Das galt auch für seine DNA-Hinterlassenschaften an zwei Tatorten am 14. Juli 2007 in Augsburg und am 12. September 2009 in München.

Der Zeuge, der seine Strafe in einer bayerischen Justizvollzugsanstalt verbüßt, schilderte gestern die Ankunft in Augsburg: "Wir hatten keine Arbeit, keine Wohnung, kein Geld." Tagelang habe man im Freien übernachtet, gefroren und gehungert. Die Vernehmung des Zeugen verlief gestern äußerst zäh. Unter dem Strich bestätigte er seine früheren belastenden Angaben. Der 29-Jährige wies von sich, zu einer rumänischen Blitzeinbruchbande zu gehören, die eigens zu Straftaten einreisen und danach sofort wieder aus der Bundesrepublik verschwinden. Er habe Frau und Kinder, nicht mal ein Auto. Außerdem sei die Beute nicht so hoch gewesen, wie in seinem Prozess und im jetzigen Verfahren beziffert. Laut Anklage betrug die Beute insgesamt 40 690 Euro, der angerichtete Sachschaden 33 200 Euro. Ziele der vollendeten und versuchten Einbrüche waren in Augsburg eine Diskothek, ein Einkaufszentrum und ein Café. In Rosenheim wurden zwei Gaststätten, ein Reisebüro und dreimal die gleiche Videothek heimgesucht, in Prien ein Juweliergeschäft. Am Bahnhof Seiboldsdorf in Traunstein scheiterte das Vorhaben, den Fahrscheinautomaten mit einer Flex aufzuschneiden. In München wählten die Täter einen Juwelier und ein Imbisslokal aus. Nächste Station war Nürnberg mit drei Gaststätten und einem Juwelier. Bei ihm kassierten sie die höchste Einzelbeute - Schmuck für mindestens 26 000 Euro.

Wann der Prozess von vorne beginnt, ist offen. Die Kammer bat den Staatsanwalt, dafür zu sorgen, dass der Zeuge als "wichtigstes Beweismittel nicht ver- schwindet".

kd

Quelle: chiemgau24.de

Rubriklistenbild: © dpa

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