Hells Angels-Prozess "watschn-einfach"

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Ein Mitglieder der Hells Angels sitzt auch auf der Anklagebank.

Traunstein - Der beisitzende Richter war beim Auftakt im "Hells Angels-Prozess" wenig begeistert von den Anträgen der Verteidiger. Er bezeichnete das Verfahren als "watschn-einfach".

Am Mittwoch wurde der "Hells Angels-Prozess" am Traunsteiner Landgericht neu eröffnet. Auf der Anklagebank sitzen dabei ein Arzt, ein Model-Agent und ein Mitglied der Rockerbande Hells Angels. Sie sollen gemeinsam den Überfall auf einen Geschäftsmann in Reit im Winkl geplant haben. In erster Instanz wurden die drei Männer vom Landgericht freigesprochen. Doch die Staatsanwaltschaft legte gegen das Urteil Revision ein und der Bundesgerichtshof verwies die Strafsache zurück an das Traunsteiner Landgericht.

Die Anklage

Der Fall klingt wie ein Auszug aus einem Kriminalroman: Ein rumänischer Arzt fühlte sich von einem Geschäftsmann, der für seine Frau ein Aktienpaket treuhändisch verwalten sollte, über den Tisch gezogen. Daraufhin soll er Kontakt zu einem dubiosen Model-Agenten, der bereits mehrfach vorbestraft ist, aufgenommen haben. Zusammen sollen die beiden dann ein Mitglied der Rockerbande Hells Angels engagiert haben, um den Geschäftsmann zu überfallen und einzuschüchtern. Dieser 47-jährige Hells Angel habe dann dem Geschädigten, zusammen mit einem Komplizen, im August 2009 vor einer Pension in Reit im Winkl aufgelauert haben. Mit einer Schreckschuss-Pistole und einem CS-Sprühgerät bewaffnet, sollen die beiden den Geschäftsmann überfallen und verprügelt haben. Der Geschädigte erlitt dabei eine große Hornhauterosion, eine Stauchung des Augapfels und eine Schürfwunde. Erbeuten konnten die beiden mutmaßlichen Täter allerdings nichts, weil der Geschäftsmann die Schlüssel für seinen Porsche Cayenne und seine Brieftasche nicht aus der Hand gab. Rund einen Monat nach dem Überfall soll der Arzt dem Geschädigten dann noch einen Drohbrief geschickt haben, in dem er ihn dazu auffordert, das Geld auszuhändigen.

"Hells Angels-Prozess" in Traunstein

Der erste Prozesstag

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Gleich zu Beginn des ersten Prozesstages reichten die Verteidiger von zwei der Angeklagten einen Antrag ein.Dabei forderten sie die Besetzung des Gerichts mit drei Berufsrichtern. Derzeit setzt sich die Strafkammer, vor der Verhandelt wird, aber aus drei Schöffen und zwei Berufsrichtern zusammen. Der beisitzende Richter Stefan Barthel zeigte sich wenig begeistert von den Anträgen der Verteidigung: Der Bundesgerichtshof habe in seiner Begründung über die Zurückverweisung des Verfahrens an das Landgericht mehr oder weniger klar gemacht, dass es sich um ein 'watschn-einfaches' Verfahren handle. Zwar stehe dies natürlich nicht im Wortlaut so drin, aber im Kontext sei es so zu verstehen. Das Gericht wies den Antrag der Verteidigung anschließend zurück. Bis Freitag haben die Verteidiger nun Zeit, die Besetzung der Schöffen zu überprüfen. Dann wird das Verfahren fortgesetzt.

Patrick Steinke

Quelle: chiemgau24.de

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