Am 30. Geburtstag niedergestochen - Urteil gefallen

Traunstein/Freilassing - An seinem 30. Geburtstag wurde ein Freilassinger von einem 23-Jährigen mit einem Messer niedergestochen. Heute fiel das Urteil im Prozess.

So hatte sich der Freilassinger seinen 30. Geburtstag bestimmt nicht vorgestellt: Statt mit seinen Freunden und seiner Familie den Abend bei einem Glas Sekt ausklingen zu lassen, bekam der 30-Jährige ein Messer in den Bauch und musste ins Krankenhaus eingeliefert werden. Der 23-jähriger Täter aus Freilassinger, der das Opfer vorher weder gekannt noch jemals gesehen hatte, wurde für die Tat zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren und neun Monaten verurteilt. Doch wie war es überhaupt zu der Auseinandersetzung gekommen, die dann so massiv eskalierte?

Der Täter sagt aus

Der Angeklagte schildert die Tat folgendermaßen: Zusammen mit seinem Bruder habe er sich an dem Samstag im Mai 2012, gegen 23.15 Uhr Abends, von einem Grillfest auf den Weg zu sich nach Hause gemacht. Beide wollten dort noch Tabak holen. Der Angeklagte hatte vorher nach eigenen Angaben einiges an Alkohol und Cannabis konsumiert. Auf dem Heimweg habe er einen Streit zwischen dem Opfer und seiner Freundin bemerkt. “Die Frau hat geweint und geschrien und ihr Freund hat sie dann auch noch geschubst.” Daraufhin habe er zu dem 30-Jährigen gesagt, dass er die Frau in Ruhe lassen solle. “Er hat mich dann beschimpft. Das wollte ich mir nicht gefallen lassen”, so der Angeklagte. Als er sich dem Mann genähert habe, habe dieser sofort zugeschlagen. “Zuerst hat er mir gegen den Hinterkopf gehauen und mich anschließend gewürgt.” Nach Angaben des Sachverständigen, Dr. Helmut Pankratz, seien beim Angeklagten aber keine Zeichen für ein Würgen feststellbar gewesen.

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Der 23-Jährige aber bleibt bei seiner Geschichte. Aufgrund des Würgens habe er sein Messer gezückt und damit“herumgefuchtelt”, damit der 30-Jährige von ihm abließe. “Ich habe gar nicht gemerkt, dass ich ihn dabei so schwer verletzt habe.” Doch genau das hatte er: Insgesamt drei Stichverletzungen – in den Unterbauch, die linke Flanke und an die Schulter - erlitt das Opfer bei der Attacke. Der Angeklagte entfernte sich nach dem Zwischenfall vom Tatort.

"Du machst es eh nicht mehr lange"

Die Aussage des Opfers lässt die Angelegenheit in einem deutlich anderen Licht erscheinen: Nach seiner Schilderung habe es keinen Streit zwischen ihm und seiner Freundin gegeben. “Ich wollte mich gerade auf den Heimweg machen, als die beiden jungen Männer auf mich zukammen. Meine Freundin war zu dem Zeitpunkt schon gar nicht mehr bei mir.” Der Angeklagte habe sofort angefangen, ihn anzupöbeln und habe mit der Hand vor ihm herumgefuchtelt. Die Frage, ob er dabei ein Messer in der Hand des Angeklagten bemerkt habe, verneinte der 30-Jährige. “Er hat immer wieder ausgeholt, um mich zu schlagen. Immer in Richtung meines Halses.” Daraufhin habe er den Angeklagten niedergerungen und am Boden fixiert. “Ich habe dann zu ihm gesagt: Wenn ich dich loslasse, schaust du, dass du Land gewinnst”, berichtet das Opfer vor Gericht. Danach habe er ihn ausgelassen und der Angeklagte sei, zusammen mit seinem Bruder, weggegangen. Erst danach habe er gemerkt, dass er eine Stichwunde hat. Daraufhin habe er versucht, den Angeklagten und seinen Bruder zurückzurufen. Nach Angaben des Opfers habe der Angeklagte aber nur erwidert: “Du machst es eh nicht mehr lange.” Eine 28-jährige Augenzeugin, die sich zum Tatzeitpunkt in der Nähe aufgehalten hatte, konnte dies allerdings nicht bestätigen. Und sie wiedersprach dem Opfer auch in weiteren Punkten. Ihrer Aussage zufolge sei der Angeklagte mit seinem Bruder auf den 30-Jährigen zugekommen und sofort darauf habe die Auseinandersetzung begonnen. “Die haben sich gegenseitig die Fresse poliert.” Ein Messer habe sie aber während der Prügelei nicht bemerkt.

Die Aussage des 19-jährigen Bruders des Angeklagten, der ebenfalls Zeuge der Tat gewesen ist, konnte auch kein Licht in die Angelegenheit bringen. Er beschrieb bei seiner Aussage, dass die Freundin des Opfers weinend und schreiend auf sie zugekommen sei. Sie habe die beiden Brüder sogar um Hilfe gebeten. “Vielleicht hatte sie auch blaue Flecken im Gesicht.” Doch dem Richter Erich Fuchs erscheint diese Aussage wenig glaubwürdig. Und als er den 19-Jährigen nochmals auf die Wahrheitspflicht vor Gericht hinweist, zieht dieser umgehend seine Aussage zurück und macht dann doch von seinem Recht gebrauch, die Aussage zu verweigern.

Plädoyers und Urteil

Statt auf versuchten Totschlags, wie in der Anklageschrift gefordert, plädiert Staatsanwalt Andreas Miller am Ende auf gefährliche Körperverletzung mit zwei Varianten - mit Lebensgefahr und mit einer gefährlichen Waffe. Der Vertreter der Nebenklage, Wolfgang Schwarz, fordert hingegen einen Schuldspruch wegen versuchter Tötung. Beide sprechen sich für eine Freiheitsstrafe von vier Jahren und neun Monaten aus. Der Verteidiger Hans-Jörg Schwarzer fordert für seinen Mandanten eine Freiheitsstrafe von drei Jahren.

Das Gericht entscheidet sich am Ende aber für eine Verurteilung wegen gefährlicher Körperverletzung und einer Freiheitsstrafe von drei Jahren und neun Monaten. Bei der Urteilsverkündung meinte der vorsitzende Richter Erich Fuchs: "Positiv legen wir dem Angeklagten sein Geständnis und seine Reue aus. Allerdings kann man davon ausgehen, dass er den Steit des Opfers mit seiner Freundin als willkommenen Anlass genommen hat, um eine Auseinandersetzung zu provozieren. Und da ihm der 30-Jährige eben deutlich überlegen war, machte der Angeklagte von seinem Messer Gebrauch."

ps/red

Quelle: chiemgau24.de

Rubriklistenbild: © dpa

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