Privatschulen droht verschärfter Wettbewerb

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Traunstein - Oberbürgermeister Kösterke kritisiert die Neugründung von staatlichen Schulen in den Nachbarlandkreisen. Eingesessene Privatschulen seien unnötigem Wettbewerb ausgesetzt.

Als Verletzung des Subsidiaritätsprinzips und Angriff auf private Schulbetreiber in Traunstein hat Oberbürgermeister Manfred Kösterke die Entscheidung des Bayerischen Kultusministeriums zur Einrichtung neuer Fachschulen für Wirtschaft und Tourismus in den Nachbarlandkreisen kritisiert. „Wenn mit dem Geld der Steuerzahler in Freilassing und Altötting neue Schulangebote ausgebaut werden, ohne dass in der Region ein zusätzlicher Bedarf besteht, und dadurch private Schulbetreiber, die ebenfalls vorher mit staatlichen Zuschüssen gefördert wurden, in einen ungleichen Wettbewerb gezwungen werden, habe ich dafür nicht das geringste Verständnis“, machte Kösterke am Donnerstag im Stadtrat deutlich.

Hintergrund der Äußerungen des Traunsteiner Oberbürgermeisters ist ein Pilotprojekt des Bayerischen Kultusministeriums zur verstärkten Kooperation von Haupt- und Berufsschulen. Im Zuge des Schulversuchs werden im nächsten Schuljahr in Freilassing und Altötting Staatliche Wirtschaftsschulen eingerichtet und in Freilassing eine Staatliche Berufsfachschule für Hotel- und Tourismusmanagement. Diese Fachrichtungen werden jedoch auch von der Privatschule Dr. Kalscheuer in Traunstein angeboten, die weit über die Stadtgrenzen hinaus eine ausgezeichnete Reputation genießt und in den vergangenen Jahren auch mit Fördergeldern des Freistaates ausgebaut wurde.

Durch die Erweiterung des staatlichen Schulangebots in den Nachbarlandkreisen sieht die Privatschule Dr. Kalscheuer den Bestand dieser Ausbildungszweige massiv gefährdet und erwartet einen Einbruch der Schülerzahlen um bis zu 30 Prozent, da sie als Privatschule laut Schulfinanzierungsgesetz Gebühren erheben muss, während der Besuch der staatlichen Schulen kostenlos ist. Hinzu kommt, dass die Schülerzahlen keinen Bedarf für weitere Schulangebote in der Region erkennen lassen, wie es in einer Stellungnahme der Schulleitung heißt. Auch der Traunsteiner Oberbürgermeister befürchtet für den Schulstandort Traunstein und die Schüler aus der Region erhebliche Nachteile: „Im Zweifelsfall entscheidet über die Schulwahl der Geldbeutel und die Entfernung vom Wohnort – aber nicht die Qualität des Bildungsangebots.“ Nach den Planungen des Kultusministeriums werden an den neuen staatlichen Schulen die allgemeinbildenden Fächer wie Deutsche, Englisch und Mathematik von Lehrern der Hauptschule unterrichtet – die jedoch wegen mangelnder Qualifikation nicht an der Privatschule Dr. Kalscheuer unterrichten dürften.

 Verärgert zeigte sich Kösterke, dass die Pläne für die Neugründungen erst kurz vor der Umsetzung bekannt gemacht wurden. „Zumindest hätte man allen Betroffenen die Möglichkeit geben müssen, im Vorfeld eine Stellungnahme abzugeben.“ Nach den ersten Berichten über das Vorhaben hatten neben dem Oberbürgermeister auch Landrat Hermann Steinmaßl und der Landtagsabgeordnete Klaus Steiner versucht, den Bayerischen Kultusminister Ludwig Spaenle noch zum Umdenken zu bewegen. Kösterke erhielt auf sein Schreiben die Antwort, dass der Schulstandort Traunstein durch das Pilotprojekt „allenfalls leicht tangiert“ würde. Einen ganz anderen Eindruck vermitteln hingegen die großformatigen Anzeigen, mit denen die neuen Schulen auch in Traunsteiner Zeitungen mit dem Hinweis auf die „schulgeldfreie Ausbildung“ um Schüler werben. „Das geht ganz klar zu Lasten der bestehenden Angebote am Schulstandort Traunstein und gefährdet in Zukunft möglicherweise die Ausbildungsmöglichkeiten von Schülern, die keine vernünftige Verkehrsanbindung an die neuen staatlichen Schulen haben“, so Kösterke.

Auch wenn die Pläne für Freilassing und Altötting nicht mehr zu stoppen sein sollten, werde er die Entwicklung weiter verfolgen und nach Ablauf der Pilotphase in drei Jahren auf eine kritische Überprüfung drängen. „Ich hoffe nur, dass es dann für diesen Ausbildungszweig der Privatschule Dr. Kalscheuer in Traunstein und die Arbeitsplätze einiger Lehrkräfte, wie auch eine heimatnahe und ohne Zeitaufwand erreichbare Ausbildungsmöglichkeit für unsere Schüler, nicht schon zu spät ist.“

Pressemitteilung Stadt Traunstein

Quelle: chiemgau24.de

Rubriklistenbild: © dpa

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