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Für Nußdorfer Spedition quer durch Europa

„Für mich ist‘s Freiheit“: Was Fernfahrer Mani nach vier Millionen Kilometern schon alles erlebt hat

Mani Flatscher mit seinem aktuellen Lastwagen der Spedition Zitzlsperger: Ein 40-Tonner, Baujahr 2018, mit 500 PS und einem 890-Liter-Tank.
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Mani Flatscher mit seinem aktuellen Lastwagen der Spedition Zitzlsperger: Ein 40-Tonner, Baujahr 2018, mit 500 PS und einem 890-Liter-Tank.

Er sitzt auf 500 PS und hat in seiner Karriere schon knapp vier Millionen Kilometer heruntergespult: Mani Flatscher kommt als Fernfahrer einer Nußdorfer Spedition in ganz Europa herum. Wir haben mit ihm über seine Erlebnisse, seinen Beruf und die Licht- und Schattenseiten davon gesprochen - und was wir Autofahrer besser machen könnten.

Nußdorf im Chiemgau - Ein überdimensionaler Stapler greift sich schnaufend einen braunen Schiffscontainer und hievt ihn in die Höhe. Ganz langsam sinkt er dann auf den Auflieger von Mani Flatscher. „Mein nächster Auftrag“, sagt der Lkw-Fahrer beim Besuch von chiemgau24.de. Flatscher muss den 13-Meter-Container von einem Traunreuter Industriebetrieb nach Giengen, nördlich von Ulm, bringen. Dann kommt die Ladung auf die Schiene und so an einen Nordseehafen. Eine solche Fahrt ist für den 63-Jährigen aber ein Katzensprung - denn wenn man ihn nach seinen „bereisten“ Ländern fragt, muss Mani Flatscher eine Zeit lang überlegen.

Portrait eines Fernfahrers: Oft „einsame Stunden“ in 13 Ländern

Von Kroatien bis Holland, von Spanien bis Tschechien - in 13 Ländern hat es Flatscher mit seinen Lastwägen schon geschafft. 26 Jahre ist er Fernfahrer, 24 davon bei der Spedition Zitzlsperger mit Sitz in Nußdorf. „Ich komme auf ungefähr 150.000 Kilometer im Jahr“, sagt der gebürtige Unkener stolz - macht also knappe vier Millionen Kilometer, seit er in großen Sattelzugmaschinen hoch über den Straßen sitzt. Wie also sieht das Leben eines Fernfahrers aus, der oft viele Tage und Nächte auf oder neben Autobahnen verbringt?

Für eine Fahrt nach Spanien ist man schon mal zehn Tage außer Haus - und trotzdem ist Mani Flatscher seit glücklich verheiratet.

„Ja, es sind schon oft auch einsame Stunden. Das ist nicht immer einfach“, denkt Flatscher nach. Für eine Fahrt nach Spanien ist man schon mal zehn Tage außer Haus. Doch in der Liebe klappt es trotzdem. 40 Jahre ist er schon verheiratet, „und darauf bin ich wirklich stolz“. Und wenn es in den sonnigen Süden ging, konnte der Fernfahrer seine Frau auch schon mal mitnehmen. Aber auch so fände man immer mal wieder wen zum ratschen - auch wenn‘s früher unterhaltsamer zugegangen sei: „Wegen dem Zoll hatte man viel Zeit an den Grenzen, vor allem an den Wochenenden. Da wurde auch schon mal ein Bier getrunken unter den Lastwagenfahrern. Heute geht‘s schneller und es ist alles multikulti.“

Mit Holz nach Italien und mit Marmor wieder zurück

Was hat er nicht schon alles durch Europa kutschiert: Holz oder Kunstdünger nach Italien hinunter, dafür Wein, Marmor oder Nudeln wieder herauf nach Bayern. Inzwischen sind es meist Maschinen oder Produkte der Industrie im Landkreis Traunstein, die Mani Flatscher transportiert - zu anderen Betrieben oder an die großen Containerhäfen: „Es steht zwar irgendwo in den Unterlagen, aber in den Regel geht‘s mich nichts an, was in den Containern drin ist. Außerdem sind die verplombt und gehen auch gar nicht auf.“

Im 40-Tonner von Mani Flatscher sitzt man auf etwa 1,80 Meter Höhe.

In seinen 26 Jahren auf der Straße hat Flatscher schon einiges erlebt. In Jesolo kam er in einen Tornado, in Hamburg wurde ihm mehrmals die Plane aufgeschlitzt und in Italien waren die Spritdiebe schon öfters am Werk. Und mit einem fast neuen Lkw erlitt der 63-Jährige einen Motorschaden - „aber das war Gott sei Dank in Landshut“, lacht Flatscher. Richtig stressig wurde es auch vor drei Jahren in der Schweiz: Auf den 100 Metern von einem Polizei-Kontrollpunkt zum nächsten hatte Mani Flatscher seine Brille nicht auf. „Dann wurde mir gedroht: Entweder 1000 Euro Strafe zahlen, jetzt sofort, oder der Lastwagen wird beschlagnahmt.“

Was Autofahrer im Umgang mit Lkw oft falsch machen

Autofahrer und Lkw-Kapitäne - immer wieder mal kommen sie sich in die Quere. „Auf Landstraßen unterschätzen viele beim Überholen die Länge von so einem Lastwagen“, gibt Flatscher zu bedenken. Wird nach dem Überholen dann zu knapp eingeschert, wird es ungemütlich für die Lkw-Fahrer - dann greift der Abstandstempomat und „haut den Stachel hinein“. Apropos Überholen: Vor allem bei Wind ist es für Lastwagen schwieriger, die Spur zu halten. „Da sollte man dran denken, wenn man sich auf der Autobahn bei Baustellen vorbeiquetscht.“ Ohnehin habe der Verkehr in den letzten Jahrzehnten um ein Vielfaches zugenommen, schätzt Flatscher: „Es gibt keinen Wochentag mehr, an dem es spürbar weniger ist.“

Inzwischen wird vor allem im Fernverkehr händeringend Personal gesucht. Zwei Drittel von Flatschers Arbeitskollegen sind selbst schon über 50 Jahre alt. Und für den Lkw-Führerschein müssen - alles in allem - rund 6000 Euro hingelegt werden. In Verbindung mit den oft tagelangen Ausfahrten scheint das viele abzuschrecken. Mani Flatscher macht seinen Job aber gerne. „Man sieht viel und kommt weit herum“, lächelt er. Von „Freiheit“ spricht Flatscher, wenn er von seiner Arbeit erzählt. Und die riesigen Gefährte hätten ihn schon als Buben fasziniert. „Ich hab‘s immer gern gemacht und könnte mir nichts anderes vorstellen.“ Und so ganz nebenbei hat Flatscher auch noch halbwegs Italienisch gelernt.

xe

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