Festbaum zum Vereinsjubiläum

„Augustbaum“ aufgestellt: Trachtenverein bewachte Nußdorfer Jubliäumsbaum über 28 Wochen

Nußdorfer Trachtenverein beim Aufstellen des Maibaums im August
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Bevor der Festbaum mit einem Kran in die Senkrechte gezogen wurde, montierte Sebastian Osenstätter (rechts), Vize-Vorsitzender den geschmiedeten bunten Wetterhahn an der Spritze, assistiert von einem Trachtler der Feldwieser Baumdiebe.

Nußdorf im Chiemgau - „Weil im Mai das Aufstellen des Maibaums wegen Corona nicht möglich war, stellen wir das Traditionsstangerl einfach im August auf,“ so die einhelligen Gedanken der Vorstandschaft des örtlichen Trachtenvereins.

Und dann ist der Maibaum eben kein Maibaum, sondern ein Augustbaum. Oder noch besser – ein Festbaum. Der Trachtenverein feiert in diesem Jahr seinen 100. Geburtstag. Das geplante große Jubiläumsfest an vier Tagen musste wegen der Corona-Pandemie abgesagt werden, es wird aber 2022 nachgeholt. Stattdessen fand eine kleine, bescheidene Geburtstagsfeier, nur mit den Orts- und Patenvereinen statt.


Als Zugabe zur kleinen Jubiläumsfeier im 100. Jahr der Vereinstätigkeit wurde der „Festbaum“ in Nußdorf auf dem Dorfplatz aufgestellt, allerdings nicht mit menschlicher Muskelkraft – wie gewohnt und üblich – sondern mittels eines Krans. Zuvor lieferten die Baumdiebe des Trachtenverein G.T.E.V. „Chiemgau“ Feldwies das begehrte Stück an die Nußdorfer. Eine Abordnung der Feldwieser Aktiven, angeführt von der Vereinsvorsitzenden Marianne Jauernig, brachte das 27 Meter lange Gehölz mit einem Bulldog nach Nußdorf. Auf der Fahrt zum Aufstellort wurde das gute Stück von einer Mannschaft der Freiwilligen Feuerwehr Übersee und zwei Begleitfahrzeugen abgesichert.

Vor dem Nußdorfer Rathaus wurden die Festbaumdiebe aus dem Achental schon von Stefanie Brunner und Sebastian Osenstätter, den beiden Vorsitzenden des Nußdorfer Trachtenvereins erwartet. Zugleich begannen die Verhandlungen über die Auslöse des Traditionsstangerl. Hart aber fair wurde gefeilscht, die einen boten, die anderen forderten und schließlich einigten sich die beiden Vorständinnen Jauernig und Brunner darauf, dass die Feldwieser Aktiven zu einer der Festveranstaltungen beim großen Jubiläumsfest 2022 eingeladen werden. Dabei gibt es dann Freibier für die Buam und die Dirndl dürfen in der Bar einen Abend zechfrei genießen. „Das haben sich unsere Aktiven zweifelsfrei verdient“, betonte die Feldwieser Vereinschefin Jauernig. Lange 28 Wochen, von Beginn des Jahres an, hatte die Aktivengruppe gewacht und ihr wertvolles Pfandstück fürsorglich umsorgt. Wegen der ungewöhnlich langen Zeit musste der Festbaum im geheimen Versteck regelmäßig gedreht werden, damit er sich nicht krümmt und dann ein „windschiefer“ Baum das Ergebnis ist.   


Noch ohne die Krantechnik musste das Langholz zunächst händisch in das stählerne Fundament eingepasst werden. Dazu war auch jener Stahlbolzen notwendig, mit dem der Baum am Fuß am Stahlgerüst gesichert wird. Dieses stählerne Teil zog Christina Schwaiger, die Feldwieser Vorplattlerin plötzlich hervor. Was ihr als Ablöse für das wichtige Sicherungsteil geboten wurde, bleib geheim. Das sanfte wie millimetergenaue Aufstellen des Festbaumes durch die Kranführer Dieter und Tobias Müller war dann in wenigen Minuten erledigt. Zuvor montierte Vize-Trachtenchef Sebastian Osenstätter einen schmucken geschmiedeten Wetterhahn an der Baumspitze.

Nachdem der Jubiläumsbaum in die Senkrechte gebracht war, montierten zwei Trachtler die Zunfttafeln und Wappen – ebenso wenig spektakulär, von einer am Kran hängenden Kanzel aus. Noch vor Sonnenuntergang war das Festbaumaufstellen beendet. Den Nußdorfer Dorfplatz, vor dem Rathaus und gegenüber dem Trachtenheim ziert nach fast einjähriger Abstinenz wieder ein schmucker Jubiläums(mai)baum.

pv

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