Traunsteiner Notversorgung in Gefahr

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Das Druckkammerzentrum in Traunstein ist nicht mehr bereit, allein mit eigenen Mitteln die Rund-um-die-Uhr-Versorgung im Raum Südostoberbayern zu leisten.

Traunstein - Dem gerade 15 Jahre alt gewordenen Druckkammerzentrum Traunstein geht die Puste aus: Wegen fehlendem Kostenersatz kann die in früheren Jahren auf eigene Rechnung vorgehaltene Notfallbereitschaft seit Anfang des Jahres nicht mehr in vollem Umfang fortgesetzt werden.

"Die für die Notfallversorgung der Bevölkerung zuständigen Stellen in Bayern wissen von dem Organisationsdefizit seit Jah-ren, ohne dass eine Regelung herbeigeführt wurde", kritisiert Dr. Manal Heiden, die Leiterin des Traunsteiner Druckkammerzentrums. Bilanz: Immer wieder konnten Opfer von Rauchgasvergiftungen dort nicht notfallmäßig behandelt werden. Erst kürzlich starb ein Unfallopfer aus Prien, weil es aufgrund langwieriger Kostenübernahmeverhandlungen zwischen Krankenkasse und Krankenhäusern erst mit zeitlicher Verzögerung - zu spät - in der Druckkammer behandelt worden war.

Bei einer Rauchgasvergiftung kann die rasche Behandlung in einer Druckkammer lebensrettend sein. Zur Vermeidung von Spätschäden ist sie unerlässlich. Doch die gesetzlichen Krankenkassen weigern sich, die Kosten für die 24-Stunden-Bereitschaft und die Behand-lung zu tragen, obwohl nach Beurteilung der für die Zulassung von Behandlungs-verfahren zuständige Bundesausschuss die Anwendung von hyperbaren Sauer-stoff (HBO) für erforderlich hält.

Hat ein Mensch, zum Beispiel in Folge eines Wohnungsbrandes, eine Rauchgasvergiftung (Kohlenmonoxidvergiftung) erlitten, ist höchste Eile bei der Behandlung geboten, denn Kohlenmonoxid blockiert innerhalb der Zellen den Sauerstofftransport. Wird die Vergiftung überlebt, können noch nach Wochen und Monaten Spätfolgen wie Lähmungen, Gedächtnisstörungen, Verhaltensänderungen, Kopfschmerz oder Schwindel auftreten.

Um dies zu verhindern, werden Patienten mit einer Rauchgasvergiftung in der Druckkammer mit medizinisch reinem Sauerstoff behandelt. Das giftige Kohlenmonoxid wird so schneller aus dem Körper des Patienten "ausgewaschen". Das Verfahren der Druckkammerbehandlung wird von den gewerblichen Berufsgenossenschaften bei Vorliegen einer Rauchgasvergiftung als zwingend erforderliche Therapie angesehen. Auch bei den Vergiftungszentralen wird die Druckkammertherapie nach Rauchgasvergiftung als medizinisch notwendig erachtet.

Krankenkassen zahlen nicht

Die Krankenkassen zahlen für die Behandlung von Rauchgasopfern nicht. "Dabei weiß man dort ganz genau, dass neurologische Spätkomplikationen ohne Druckkammerbehandlung in bis zu 40 Prozent der Fälle auftreten. Das verursacht sehr hohe Folgekosten, die deutlich über den Behandlungskosten der Druckkammertherapie liegen. Nach einer Druckkammerbehandlung ist nur noch in rund 1,6 Prozent der Fälle mit Komplikationen zu rechnen", betont Dr. Heiden. Die Medizinerin klagt, dass die Kassen nicht bereit seien, diese Heilmethode in ihren Leistungskatalog aufzunehmen. Ebenso wirft Dr. Heiden staatlichen Stellen vor, die Kassen auf gesetzlichem Weg dazu zu zwingen.

"Bis Ende 2010 haben wir die Notfallversorgung für Rauchgasvergiftungen, Gasbrände und Tauchunfälle an 24 Stunden und 365 Tagen im Jahr sichergestellt. Die Kosten dafür wurden vom Druckkammerzentrum getragen. Wir können es uns aber einfach nicht mehr leisten, umsonst zu arbeiten", erklärt Dr. Heiden. "Auch für Feuerwehrleute, Polizisten und Rettungsdienstmitarbeiter im Einsatz steht zurzeit keine Rund-um-die-Uhr-Versorgung zur Verfügung". Entsetzt ist Dr. Heiden über die Konsequenzen für die Patienten. "Der jüngste Fall in Prien zeigt erneut, dass ohne Regelung Todesfälle zu beklagen sind. Patienten hätten bei einer sofortigen Behandlung in der Druckkammer eine reelle Überlebenschance", so die Ärztin.

bjr/Chiemgau-Zeitung

Quelle: chiemgau24.de

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