Noch Hoffnung für den Unternberg?

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Ruhpolding – Wie steht es um den Skibetrieb am Unternberg? Droht das Aus oder gibt es doch noch Hoffnung? Auch die Vermieterbetriebe sind in großer Sorge!

Das drohende Aus für den Skibetrieb am Unternberg bereitet auch den Vermieterbetrieben in Ruhpolding große Sorgen. Das wurde bei der Tagung der Vereinigung der Ruhpoldinger Gastgeber (VdGR) nochmals deutlich. Sie befürchten sinkende Gästezahlen, wenn sich kein Investor finden lässt. Der Knackpunkt ist die teuere Wasserbeschaffung für die Beschneiungsanlage, erklärte Stefan Wieninger im Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung. Er wollte als Investor einsteigen. Die Tür ist noch nicht ganz zugeschlagen.

Der Skibetrieb auf dem Unternberg steht auf der Kippe. Die Gemeinde Ruhpolding sieht sich nicht mehr in der Lage, das jährliche Defizit zu stemmen. Sie sucht einen Investor, der die Skianlagen weiter betreibt – bisher ohne Erfolg. Einen direkten Ausweg aus der finanziellen Zwickmühle sieht Bürgermeister Claus Pichler derzeit nicht.

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Das Problem treibt indes Ruhpoldinger Gastgebern Sorgenfalten auf die Stirn, wie bei der Tagung der VdGR deutlich wurde. Zahlreiche Anrufe bei der Gastgebervereinigung hätten gezeigt, dass der Skibetrieb am Unternberg für die Vermieter von immenser Bedeutung ist. „Wie soll ich meinem Gast, der seinen Winterurlaub bereits gebucht hat, erklären, dass er eine angepriesene Leistung plötzlich nicht bekommt?“, so VdRG-Vorsitzender Jürgen Gstatter. Die kostenlose Skikarte am Unternberg sei mit der „X.tra- Karte“ intensiv beworben und von den Gästen gut angenommen worden. Im Falle der Einstellung des Skibetriebes würde diese gebuchte Leistung ersatzlos gestrichen werden. Ruhpolding könne es sich nicht leisten, im touristischen Wettbewerb seine Gäste zu verärgern, war der gemeinsame Konsens. Vielmehr wäre es nach Meinung der VdRG erforderlich, die Leistungen der „X.tra-Karte“ jedes Jahr zu erweitern, um damit auch künftig neue sowie Stammgäste immer wieder für Ruhpolding zu begeistern.

2010 sei für den Unternberg im Gemeindehaushalt eine Verlustzuweisung von rund 370.000 Euro angefallen, berichtete der Vorsitzende weiter. Darin enthalten wäre allerdings auch ein Schuldendienst für Altlasten und Pachten von jährlich 170.000 Euro, die auch bei einer Stilllegung des Unternbergbetriebes weiterhin anfallen würden. Dazu kämen noch 80.000 Euro für angefallene Reparaturarbeiten aus dem vergangenen Jahr. „Bezieht man in die Wirtschaftskraft des Unternbergs zum Beispiel die Behördenmeisterschaften oder britischen Militärmeisterschaften mit den Übernachtungen und dem Konsum mit ein, so ergibt sich für Ruhpolding ein ganz anderes Bild über die Wirtschaftlichkeit der Unternbergbahn“, meinte Gstatter.

Voraussetzung für den weiteren, wirtschaftlichen Betrieb sei aber sicher ein „gut aufgestelltes Team von fähigen Geschäftsleuten, aber auch Personen, die vom Betrieb einer solchen Anlage fundierte Kenntnisse besitzen“, so der Vorsitzende abschließend.

Dieses Team hätte Stefan Wieninger als privater Investor auf die Beine gestellt – wenn es sich gerechnet hätte. „Ein erfahrener Skianlagenbetreiber saß als Partner bereits mit im Boot“, sagte der Siegsdorfer im Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung. Beide hatten klare Vorstellungen, wie sie den Skibetrieb am Unternberg attraktiver gestalten könnten, um damit mehr Gäste nach Ruhpolding zu bringen. Unter anderem war in dem Projekt ein Almdorf mit neun Hütten geplant, mit vier bis zwölf Betten pro Hütte.

Aber die Zahlen einer Wirtschaftlichkeitsprüfung sprachen gegen das Projekt. Wieninger: „Zwei wesentliche Problempunkte haben sich dargestellt: die Kosten für den Betrieb der Beschneiungsanlage und die wenig anfängerfreundliche Skipiste.“ Um den Unternberg für mehr Familien interessanter zu machen, müsste die Piste saniert und umgestaltet werden. Das sei aber eigentlich unmöglich, weil der Eingriff in die Natur zu teuer und zu groß wäre und sich von selbst verbiete.

Die Wasserbereitstellung für den Kunstschnee vor allem im oberen Bereich des Unternbergs könne nur durch ein genügend großen Speicherteich gewährleistet werden, erklärte Wieninger. Außerdem müsste eine effektive Wasserbeschaffung über eine längere Zulaufstrecke zur Skianlage und zum Teich aufgebaut werden. „Beides würde aber so hohe Kosten verursachen, dass die Gesamtkalkulation somit wirtschaftlich nicht mehr darstellbar ist.“

„Es gibt derzeit keine zentrale Wasserversorgung am Unternberg“, bestätigt Bürgermeister Pichler das Dilemma. „Außerdem gilt der Unternberg als sogenannter trockener Berg. Es gibt zwar eine Quelle an der Straße nach Brandt, aber die gibt bei weitem nicht genug her, um den Wasserbedarf für die Beschneiungsanlage zu decken.“ Für diesen Winter werde das Wasserproblem nicht zu lösen sein, „außer, es gibt einen Jahrhundertwinter“. Dennoch: „Wir hoffen weiterhin auf mögliche Investoren, die den Skibetrieb übernehmen und sichern“, so der Bürgermeister. Aber vielleicht lasse sich der Weiterbetrieb auch mit einer Initiative realisieren, in der Wintersportvereine, Skiclubs, Gemeinde, Vermieter und auch Investoren zusammenwirken und an einem Strang ziehen.

Das sieht auch Herbert Fritzenwenger senior, Geschäftsführer des Skiclubs Ruhpolding so. Er bemüht sich derzeit darum, Verantwortliche von Wintersportvereinen sowie Vermieter gemeinsam mit Gemeindevertretern an einen Tisch zu bekommen. „Mein Ziel ist, zumindest in diesem Winter den Betrieb der beiden unteren Schlepplifte aufrechtzuerhalten.“ Denn aufgeben will er die Saison, die schon vor der Tür steht, noch nicht. So ganz aufgegeben hat Stefan Wieninger seinen Projektgedanken offenbar auch noch nicht. „Wenn mehrere Investoren zusamenkommen, kann ich mir vorstellen, dabei zu sein.“

Ulrich Nathen, Hannes Burghartswieser (Chiemgau-Zeitung)

Quelle: chiemgau24.de

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