Opfer bricht in Tränen aus

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Frasdorf/Traunstein - Den Messerangriff durch ihren Ex-Lebenspartner hat die 36-Jährige bis heute noch nicht verarbeitet. Das wurde bei ihrer Aussage vor Gericht deutlich.

Vor dem Landgericht in Traunstein begann am Dienstag der Prozess gegen einen 56-jährigen Mann aus Aschau. Er soll im am 16. Juli 2012 versucht haben, seine ehemalige Lebensgefährtin zu erstechen. Nach einer dramatischen Flucht konnte er in einem Waldstück festgenommen werden

UPDATE (16 Uhr): Aussage des Opfers

Die 36-jährige Ex-Lebenspartnerin des Angeklagten machte am Dienstagnachmittag ihre Angaben zur Tat. Bereits vor dem Vorfall, am 15. Juli 2012, habe sie den 56-Jährigen als "immer unberechenbarer" erlebt. Darüber hinaus habe er ihr nach der Trennung des öfteren vor dem Haus aufgelauert und habe sie verfolgt. Daher habe sie auch das Kontaktverbot beim Amtsgericht beantragt. Die Tat selbst schildert die 36-Jährige sehr drastisch: Als sie vom Kindergarten nach Hause gekommen sei, habe ihr der 56-Jährige bereits hinter der Hecke aufgelauert. "Er ist dann auf mich zugekommen. Dabei hat es ihm schon vor Wut die Augen rausgedrückt; das Bild sehe ich heute noch in meinen Alpträumen vor mir."

Die Geschädigte war daher auch bei ihrer Aussage merklich mitgenommen. Unter Tränen verließ sie den Gerichtssaal, da sie die Ereignisse bis heute nicht verarbeiten konnte. "Jedesmal, wenn ich an meiner Garage vorbeigehe, sehe ich wieder alles vor mir." Das überrascht nicht, wenn man sich ihre weiteren Beschreibungen des Angriffs anhört: Der Angeklagte habe sofort angefangen, sie zu würgen und sie in die Garage gezerrt. Danach habe er die Messer aus seiner Jackentasche geholt und ihr auf die Brust gedrückt. "Ich habe Panik gekriegt und nach ihm getreten und geschlagen", so das Opfer. Bei der Rangelei habe sie sich an den Händen verletzt. Dann habe sie probiert, ruhig auf ihn einzureden, woraufhin er versucht habe, sie ins Haus zu zerren. Auf dem Weg dorthin habe sie dann bemerkt, wie ihr Handwerker in seinem Auto angefahren kam. "Ich habe mich umgedreht und nach ihm gerufen. Dabei hat mein Ex-Freund nur gemeint: 'Jetzt kommt auch noch der daher.' Und dann hat er mir in den Rücken gestochen." Anschließend sei der 56-Jährige geflohen.

UPDATE (13:45 Uhr): Der Prozessauftakt

Der 56-jährige Angeklagte räumte beim Prozessauftakt am Dienstag die Vorwürfe nur teilweise ein. Seiner Aussage zufolge, habe er die beiden Messer eingepackt, um sie nach dem Besuch bei der ehemaligen Lebensgefährtin zum Schleifen zu bringen.

Im späteren Verlauf der Vernehmung relativierte er aber seine Angaben: "Ich hatte keine Absicht, sie zu verletzen. Ich wollte sie mit den Messern nur einschüchtern. " Als er am Vortag das Schreiben mit dem Kontaktverbot für seinen Sohn und seine ehemalige Freundin vom Amtsgericht Rosenheim bekommen habe, sei er sehr aufgewühlt und verärgert gewesen.

So schilderte der Angeklagte den Messerangriff:

"Daher wollte ich sie am nächsten Tag besuchen, um mit ihr zu sprechen", so der Lkw-Fahrer. Als sie nach dem Kindergartenbesuch nach Hause gekommen sei, habe er sie sofort kräftig an beiden Armen gepackt. "Das hätte ich nicht tun sollen." Die 20 Jahre jüngere Frau habe sich daraufhin heftig gewehrt. Als er sie dann in Richtung des Gartens zerren wollte, sei er gestolpert und beide seien anschließen hingefallen. Als er sich wieder aufrichten wollte, habe er die Messer gezogen.

"Sie hat mir dann auf die Hand geschlagen und sich dabei verletzt." Danach habe sie zum Angeklagten gesagt, er könne seinen Sohn wieder sehen.

Auf dem Weg zum Haus - er hatte immer noch die Messer in der Hand - habe er versucht, das Gartentor zu öffnen. Als die Frau währenddessen nach ihrem Handwerker "Klaus" gerufen habe, habe er sich umgedreht und sie dabei erneut mit dem Messer verletzt. Anschließend sei er geflüchtet und habe sich später der Polizei gestellt.

Richter: Hanebüchende Geschichte

Der Vorsitzende Richter Erich Fuchs bezeichnete die Aussage des Angeklagten als "Hanebüchen". Auch der Staatsanwalt Andreas Miller schenkte der Geschichte des 56-jährigen keinen Glauben: "Der hellste sind sie ja nicht. Aber wo kommt den jetzt das mit dem Messerschleifen her?"

Anschließend machten drei Ermittlungsbeamten ihre Angaben zum Fall. Auch sie bestätigten, dass in der ersten Vernehmung des Angeklagten keine Rede davon gewesen sei, dass er die Messer dabei gehabt hatte, um sie nach dem Besuch schleifen zu lassen. Allerdings habe er damals zu Protokoll gegeben, dass er nicht die scharfen Messer mitgenommen hätte.

Der Prozess soll am Donnerstag und am 26. Februar abgeschlossen werden.

Fotos von der Festnahme:

Großfahndung und Festnahme nach Messerangriff

Blutiger Angriff und Festnahme am Samerberg 

Das Paar war seit 2006 liiert und hatte ein gemeinsames Kind. Anfang Juni 2012 trennte sich die 20 Jahre jüngere Frau jedoch von dem mutmaßlichen Täter und untersagte ihm nach diversen Nachstellungen, bei denen die Polizei schon einschreiten musste, den Umgang mit dem Sohn.

Nachdem die 36-Jährige gegen 8.30 Uhr vom Kindergarten nach Hause gekommen war, soll er sie dann nach bisherigen Erkenntnissen mit mehreren Messerstichen massiv verletzt haben. Sie setzte sich gegen ihren Angreifer allerdings heftigst zur Wehr. Zudem beobachtete ein unbeteiligter Passant die Attacke und eilte der Frau zur Hilfe. Vermutlich rettete er damit der Frau das Leben, denn der Angreifer ließ von seinem Opfer ab und flüchtete.

Die Wunden der Frau mussten klinisch versorgt und teilweise genäht werden. 

Umgehend wurde durch die Polizeiinspektion Prien eine Großfahndung eingeleitet. Schnell wurde festgestellt, dass der Flüchtende den von ihm benutzten Lieferwagen seiner Firma an der Rastanlage Samerberg abgestellt hatte. Nach weiteren Zeugenaussagen stellte sich heraus, dass er in ein angrenzendes Waldstück geflüchtet war.

Kurz vor Mittag des selben Tages gab der Flüchtende schließlich dem enormen Fahndungsdruck nach und zeigte sich einer Hubschrauberbesatzung. Zuvor hatte er offenbar versucht, sich das Leben zu nehmen und fügte sich Schnittverletzungen zu. Er ergab sich widerstandslos und wurde nach der Behandlung seiner Verletzungen ins Gefängnis gebracht.

Patrick Steincke / Radio Charivari / red

 

Quelle: chiemgau24.de

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