München rückt bald näher

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Konkurrenz belebt das Geschäft: Zahlreiche Strecken in Bayern werden bereits von privaten Unternehmen betrieben. Wer auf den lukrativen Linien zwischen Salzburg, Rosenheim, Kufstein, Bad Aibling und München ab 2013 den Personennahverkehr abwickelt, ist noch offen. Grafik

Rosenheim/Landkreis - Mehr Tempo, mehr Züge, mehr Komfort, mehr Service: Ab 2013 sollen Pendler und Touristen vom Mangfalltal, Chiemgau und südlichen Inntal aus deutlich schneller und bequemer nach München kommen.

Das ist das Ziel eines Wettbewerbsprojektes, das der Freistaat Bayern im April startete. Jetzt geht das Verfahren in den Endspurt. Im September läuft die Bewerberfrist ab, noch vor Weihnachten soll dann feststehen, wer künftig den Rosenheimer Personennahverkehr auf der Schiene betreibt.

Mit rund 20.000 Reisenden am Tag gehört der Bahnhof Rosenheim zu den sieben größten Bahnhöfen Bayerns. Aus der Stadt und dem Landkreis Rosenheim pendeln täglich 13.000 Menschen nach München - die meisten davon mit der Bahn. Die Fahrgastzahlen zwischen Rosenheim und München sind in den letzten Jahren um 36 Prozent gestiegen. Zahlen, die belegen, dass die Strecken im Südosten Münchens zu den attraktivsten im Freistaat gehören.

Folge: Die Bewerberliste für die "Rosenheimer" Bahnstrecken könnte lang, das Tauziehen um die Betreiberlizenz für die lukrativen Linien groß sein - was dem Wirtschaftsministerium nur recht sein kann. Denn Konkurrenz belebt das Geschäft, und die Erwartungen der Staatsregierung sind groß. Verkehrsminister Martin Zeil (FDP): "Mit der Ausschreibung wollen wir den Regionalverkehr auf den Strecken München-Rosenheim-Salzburg/Kufstein sowie auf der Mangfalltalbahn von Rosenheim über Holzkirchen nach München attraktiver machen."

Kernforderungen, die der Ausschreibungssieger erfüllen muss: Stündlich geht es umsteigefrei nach München, im Berufsverkehr sogar im 30-Minuten-Takt, mit fabrikneuen Expresszügen, die bis zu 160 km/h schnell sind. Wer in Bad Endorf, Brannenburg oder Bad Aibling einsteigt, spart sich so bis zu zehn Minuten Fahrzeit - so rückt München für die Pendler näher an den Chiemgau, ans Inn- und Mangfalltal heran. Auf den Hauptstrecken soll man auch wieder im Zug beim Zugbegleiter Karten kaufen können.

Abgewickelt wird das Verfahren von der BEG, der Bayerischen Eisenbahngesellschaft. Sie wurde 1995 vom Freistaat gegründet. Seither plant und bestellt die BEG für das Wirtschafts- und Verkehrsministerium den Schienenpersonennahverkehr (SPNV) in Bayern.

Im Zuge des Wettbewerbsprojekts "E-Netz Rosenheim" könnte erstmals in der Region ein privater Betreiber die Deutsche Bahn im Regionalverkehr ablösen. Derzeit wickelt die Deutsche Bahn 85 Prozent des SPNV in Bayern ab. Was viele nicht wissen: 15 Prozent werden bereits von privaten Bahngesellschaften betrieben, beispielsweise von der Veolia, führendes privates Bahnunternehmen in Deutschland mit Sitz in Berlin, oder der britischen Gruppe Arriva, die bereits in neun europäischen Ländern lokalen Personennahverkehr betreibt (siehe Grafik).

Der Wettbewerb um den Zugverkehr in und um Rosenheim war jetzt ein großes Thema bei der Regionalkonferenz Oberbayern, zu der sich führende Kommunalpolitiker und Behördenvertreter in München trafen. Dort machten Vertreter aus Rosenheim, Traunstein, Ebersberg und Berchtesgaden zufriedene Mienen. Auch Hans Zagler, Geschäftsführer der Rosenheimer Verkehrsgesellschaft (RoVG), deren Aufgabe es seit der Gründung 1995 ist, den ÖPNV in der Region abzuwickeln, freut sich auf den Vorstoß in ein neues Bahnzeitalter.

Wieviele Kandidaten es für das "E-Netz Rosenheim" geben wird, ist zwei Monate vor Ablauf der Frist nicht einmal tendenziell abzuschätzen. Es läuft auf einen Bewerbungspoker bis zum Schluss hinaus. "Die meisten Bewerbungen kommen wohl erst am letzten Tag", spricht Peter Högl, bei der BEG zuständig für Ostoberbayern, aus Erfahrung. Fest steht aber bereits, dass der Gewinner den Zuschlag für eine Vertragslaufzeit von zwölf Jahren erhält - also bis 2025. Sicher dürfte auch sein, dass sich die Deutsche Bahn bei der Ausschreibung gewaltig strecken und die attraktiven Linien nicht kampflos einem Konkurrenten abtreten wird - etwa den Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB), die ihr Angebot schon abgegeben haben sollen.

Ludwig Simeth (Oberbayerisches Volksblatt)

Quelle: chiemgau24.de

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