Mutter des Angeklagten bricht in Tränen aus

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Auch am zweiten Verhandlungstag schwieg der Angeklagte zu den Vorwürfen.

Traunstein – Ein 29-Jähriger soll seine Ex-Freundin getötet und anschließend in einen Schrank gesteckt haben. Am Donnerstag machte seine Mutter ihre Aussage – unter Tränen.

Die Aussage der Mutter des Angeklagten ließ keinen im Verhandlungssaal B136 kalt. Bis auf ihren Sohn. Er zeigte während der ganzen Zeit, wie auch schon am ersten Verhandlungstag, keine Regung. Die 48-Jährige sprach vor Gericht darüber, dass der Kontakt zu ihrem Sohn von Problemen geprägt war. Die Beziehung zwischen Dorena Weber und ihrem Kind habe sie als ein ständiges Auf und Ab erlebt. “Für mich war Dorena aber eine ganz Liebe.” Im September 2010 sei ihr Sohn dann plötzlich wieder in seiner Heimatstadt in Thüringen, in der die Mutter auch lebt, aufgetaucht. “Er hat zu mir damals gesagt, dass er nicht mehr zurück nach Traunstein will und sich hier ein neues Leben aufbauen will. Allerdings war ich davon nicht begeistert, weil ich schon befürchtet habe, dass ich wieder für ihn aufkommen muss.” Als er dann länger in seiner Heimat blieb, versuchte die Mutter Dorena Weber anzurufen. Allerdings ohne Erfolg.

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Der vorsitzende Richter Erich Fuchs fragte anschließend die Mutter das, was jedem im Saal unter den Nägeln brannte: “Ihr Sohn steht unter Verdacht, Frau Weber getötet zu haben. Versuchten sie seitdem einmal mit ihm über diesen Verdacht zu sprechen?” Die 48-Jährige meinte darauf, dass sie es versucht habe. “Er hat es aber komplett offen gelassen.” Auf die Frage, warum sie kein Gebrauch von ihrem Schweigerecht vor Gericht macht, brach die Mutter plötzlich in Tränen aus. “Ich habe versucht mich in die Situation von Dorenas Mutter und Oma hineinzuversetzen.”

Ihr Sohn blieb trotz ihres Gefühlsausbruches starr und regungslos. Der vorsitzende Richter fragte die Mutter daher auch, ob der 29-Jährige solche Dinge nicht an sich heranließe. “Er sitzt hier ganz steiff, schon während des ganzen Verfahrens. Und jetzt auch bei ihrer Aussage.” Die 48-Jährige meinte darauf, dass er schon emotional sei, aber es nach außen nicht zeigen würde.

Vier Zeugen wurden davor bereits zu den vorangegangenen Körperverletzungen gehört. Die 26-jährige Katja R. hatte am 29.06.2010 beobachtet, wie sich Dorena Weber mit dem Angeklagten lautstark gestritten hatte. Als sie sich, zusammen mit der Polizeibeamtin Verena W., die Sache ansehen wollte, sah sie Weber am Boden liegen. Der Angeklagte sei auf ihr gekniet und habe auf das Opfer eingeschlagen. Anschließend habe er sie gewürgt. "Als wir ihr dann zu Hilfe eilen wollten, ist der Mann plötzlich geflüchtet", so R.. Die 24-jährige Polizistin versuchte noch den Angeklagten zu verfolgen. "Allerdings war ich barfuß unterwegs, daher konnte ich ihn nicht mehr einholen."

Leiche im Küchenschrank - Mann vor Gericht

Der Polizeibeamte Manfred L. nahm an diesem Tag Webers Verletzungen zu Protokoll. "Sie hat dann aber gesagt, dass sie verlobt ist und nichts mehr sagen will", erinnert sich der Polizist. Weber erstattete auch keine Anzeige. Im September des gleichen Jahres kam es erneut zu einer handfesten Auseinandersetzunge zwischen der 28-Jährigen und ihrem damaligen Freund. Auch in diesem Fall wurde die Polizei hinzugezogen. Der Beamte Thomas H. berichtet vor Gericht, dass Weber ein blaues Auge und Rötungen im Gesicht hatte. Ihren Freund fanden die Polizisten auf einer Parkbank sitzend. "Er war völlig ruhig. Wir haben ihn dann in Sicherheitsgewahrsam genommen." Doch auch diesmal wollte die 28-Jährige keine Anzeige erstatten, mit der Begründung, dass sie sich mit ihrem Freund ausgesöhnt habe. Sogar das Kontaktverbot lehnte sie ab.

Auch drei Bekannte des Opfers erzählten vor Gericht, dass der 29-Jährige des öfteren gewaltätig gegen Weber geworden sei. Eine der Zeuginnen habe ihn auch danach gefragt, warum er Dorena schlage. “Er meinte zu mir nur, das sei doch normal."

Leichenfund in Traunstein

Anschließend verlas der Sachverständiger Dr. Bela S. sein Gutachten zu den persönlichen Verhältnissen des Angeklagten. Bereits mit 14 Jahren habe er angefangen zu trinken. Im Alter von 15 Jahren seien dann noch Drogen wie Cannabis und Ecstasy dazugekommen. Bei der Selbstbeschreibung habe der Angeklagte ihm erzählt, dass er zurückhaltend und vorsichtig gegenüber anderen Menschen wäre. Auch würde er nicht zu körperlicher Gewalt neigen. "Ich habe ihn daraufhin gefragt, wie es dann sein kann, dass es mit Weber mehrfach zu körperlichen Auseinandersetzungen gekommen ist. Aber dazu konnte er mir nichts sagen", so der Arzt.

Zum Schluss präsentierte Prof. Dr. Randolf P. das rechtsmedizinische Gutachten zur Obduktion der Leiche. Dabei seien Verletzungen des Kehlkopf bei Weber festgestellt worden. “Der Ringknorpel wies links und rechts Risse auf. Das deutet auf eine stumpfe Gewalteinwirkung hin.” Es seien aber nicht die üblichen Verletzungen, die beim Würgen auftreten. Vorstellbar sei eine Drosselung mit beispielsweise einem dünnen Seil oder Gürtel. Aber auch ein Schlag mit einem Stock oder einer Krücke auf den Kehlkopf sei denkbar. Das Bemerkenswerte daran: Der Angeklagte musste wegen eines Unfalls im Juni 2010 einige Monate auf Krücken gehen. Auch zum wahrscheinlichen Todeszeitpunkt des Opfers.

Der vorsitzende Richter Fuchs meinte nach der Verlesung des Gutachtens: “Nun kann wohl auch Körperverletzung mit Todesfolge in Betracht kommen.” Abschließend richtete er das Wort noch an den Angeklagten: “Ohne der Beweisführung vorgreifen zu wollen, aber wir haben heute viel über die Beziehung zwischen Ihnen und Frau Weber gehört. Und ihr Fingerabdruck am Klebeband zeigt, dass sie etwas mit der Verpackung des Schränkchens zu tun hatten. Vielleicht wollen sie doch einmal darüber nachdenken, ob sie sich äußern wollen. Und wenn es nur ist, um ihr Gewissen zu erleichtern.”

Patrick Steinke

Aus dem Video-Archiv

Daniela Feigl/Patrick Steinke

Quelle: chiemgau24.de

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