Lebenswichtige Reanimation am Telefon möglich

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Der stellvertretende Leiter der ILS, Gerhard Jäkel, informiert sich am Einsatzleitplatz über die neuen Handlungsanweisungen zur Telefonreanimation.

Traunstein - Jedes Jahr sterben mehrere tausend Deutsche am plötzlichen Herztod. Diese Zahl soll mit der Telefonreanimation der Integrierten Leitstelle Traunstein deutlich gesenkt werden.

Jedes Jahr sterben in Deutschland mehrere tausend Menschen am plötzlichen Herztod. Ein nicht unerheblicher Teil dieser Patienten könnte gerettet werden, wenn Maßnahmen zur Wiederbelebung möglichst schnell eingeleitet würden. Dies soll mit der Telefonreanimation der Integrierten Leitstelle (ILS) Traunstein erfolgen, einem Vorreiterprojekt in Bayern.

In den ersten Minuten nach Erleiden eines Herzkreislaufstillstandes ist es von größter Bedeutung, dass Erste-Hilfe-Maßnahmen, besonders die Herzdruckmassage, so früh wie möglich begonnen werden, macht ILS-Geschäftsführer Josef Gschwendner in einer gestern veröffentlichten Mitteilung deutlich.

"Schon nach drei Minuten wird das Gehirn nicht mehr mit Sauerstoff versorgt und es kann zu bleibenden Schäden kommen. Nach zehn Minuten ohne Maßnahmen zur Wiederbelebung ist es in den meisten Fällen aussichtslos, den Patienten erfolgreich ins Leben zurückzuholen. Wird dagegen sofort eine Herzdruckmassage eingeleitet, sind die Chancen dem Patienten das Leben zu retten sehr gut."

Untersuchungen hätten gezeigt, dass eine sofortige Herzdruckmassage die Überlebenswahrscheinlichkeit nach einem Kreislaufstillstand erheblich steigere. Untersuchungen hätten aber auch gezeigt, dass viele Passanten, die einen Kreislaufstillstand beobachtet haben und diesen Notfall der Leitstelle melden, anschließend nur sehr selten Maßnahmen zur Wiederbelebung ergriffen. Dabei wären die meisten Beobachter sofort bereit, dem Patienten zu helfen. Die Angst etwas falsch zu machen oder die Unsicherheit ob Wiederbelebungsmaßnahmen eingeleitet werden müssen, hielten sie aber von einer Herzdruckmassage ab.

Hier setzt die neue Strategie der Telefonreanimation der Integrierten Leitstelle Traunstein an:

Gemeinsam mit den Ärztlichen Leitern Rettungsdienst (ÄLRD) des Rettungsdienstbereiches Traunstein (Landkreise Altötting, Berchtesgadener Land, Mühldorf am Inn und Traunstein) ist ein Konzept entwickelt worden, das es dem Leitstellendisponenten am Telefon ermöglicht die Diagnose Herzkreislaufstillstand zu stellen und anschließend dem Anrufer zu erklären ob und wie er die Herzdruckmassage durchführen soll.

Dazu stellt der Disponent dem Anrufer nach einem festgelegten Schema verschiedene Fragen, aus deren Antworten sich die Diagnose Herzkreislaufstillstand ergibt. Falls es sich um einen beobachteten Kreislaufstillstand handelt, ermutigt der Disponent den Anrufer unverzüglich - also deutlich vor Eintreffen des Rettungsdienstes - mit der Herzdruckmassage zu beginnen. Hierzu leitet er den Anrufer nach einem festgelegten und sicheren Algorithmus telefonisch an und erklärt ihm die Technik der Herzdruckmassage. Eine zusätzliche Mund-zu-Mund Beatmung ist in den ersten zehn Minuten von nachgeordneter Bedeutung, für den Ungeübten nur sehr schwer zu bewerkstelligen und schwierig zu erklären. Daher fokussiert sich die Telefonreanimation ganz auf die Herzdruckmassage. Der geübte Ersthelfer sollte aber wie erlernt Herzdruckmassage und Beatmung durchführen.

Nach umfangreichen Praxistests wird das neue Konzept ab Dienstag, 9. August, in die Routinearbeitsabläufe der ILS integriert. Bei einem Notfalleingang in der Leitstelle über die Rufnummer 112 wird zunächst, wie gewohnt, der Notfall über die fünf "W-Fragen" (Wer ruft an, Wo ist es passiert, Was ist passiert, Wieviele Personen sind betroffen?, Warten Sie auf Rückfragen) aufgenommen. Idealerweise soll der Anrufer sich in der Nähe des Patienten befinden und über ein Telefon verfügen, das auf "Lautsprecher" gestellt werden kann. Aber auch ohne diese Voraussetzungen ist die Telefonreanimation möglich, heißt es weiter. Wenn ein Kreislaufstillstand vorliegt, soll unter Anleitung so lange ununterbrochen Herzdruckmassage durchgeführt werden, bis der Rettungsdienst eintrifft. Falls mehrere Helfer vor Ort sind, sollten diese sich in der Herzdruckmassage abwechseln und dafür Sorge tragen, dass der Rettungsdienst eingewiesen wird.

re/Chiemgau-Zeitung

Quelle: chiemgau24.de

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