IHK besorgt trotz positiver Entwicklung im Landkreis Traunstein

Viele Lehrstellen frei - trotz 600 neuer Ausbildungsverträge

Landkreis Traunstein - Arbeitnehmer haben weiter damit zu kämpfen, Ausbildungsplätze zu vergeben. Aber es gibt auch Positives zu berichten.

Viele Betriebe im Landkreis Traunstein haben auch heuer große Mühe, zum Beginn des Ausbildungsjahrs am 1. September alle Ausbildungsplätze zu besetzen. Die IHK für München und Oberbayern erwartet erneut, dass Lehrstellen in den Unternehmen frei bleiben. 

185 Bewerber auf 370 Ausbildungsplätze

Über ein Viertel der seit Jahresbeginn im Landkreis gemeldeten Ausbildungsangebote waren zuletzt noch unbesetzt. Für die rund 370 freien Plätze gab es allerdings nur 185 unversorgte Bewerber, wie aus der Statistik der Arbeitsagentur hervorgeht.

Insgesamt treten laut IHK-Zwischenbilanz diese Woche 613 Jugendliche eine Lehre bei Traunsteiner Unternehmen aus Industrie, Handel und Dienstleistungen an. Gegenüber dem Vorjahr sind die neuen Ausbildungsverträge somit geringfügig 1,2 Prozent gestiegen. 

Die Top 5 der IHK-Ausbildungsberufe mit den meisten Bewerbern im Landkreis sind Kaufleute für Büromanagement, Einzelhandelskaufleute, Industriemechaniker, Verkäufer und Kfz-Mechatroniker. 

"Passende Bewerber bleiben Mangelware"

"Angesichts der starken Konjunktur setzen die Betriebe mehr denn je auf den eigenen Fachkräftenachwuchs, die passenden Bewerber bleiben aber Mangelware. Wie schon in den Vorjahren geht der Engpass in ganz Oberbayern quer durch alle Branchen. Es werden zwar nach wie vor besonders angehende Einzelhandelskaufleute, Verkäufer, Köche und Hotelfachleute gesucht, aber auch Bürokaufleute, Bankkaufleute und Lagerlogistiker fehlen", ‎erklären die Unternehmer im IHK-Regionalausschuss Traunstein unter dem Vor- sitz von Nikolaus Binder. 

Hochschul-Wahn als einer der Gründe

Die IHK führt den Bewerbermangel auf stagnierende Schulabgängerzahlen sowie den Trend zur Akademisierung zurück. Die Zahl der Absolventen der Mittelschulen (früher Hauptschulen) ist in Oberbayern seit 2005 um 28 Prozent zurückgegangen. Gleichzeitig stieg die Zahl der Abiturienten um 57 Prozent. Um das Image der Ausbildung zu verbessern, fordert Nikolaus Binder eine bessere Berufsorientierung an den Schulen

Duale Ausbildung als Erfolgsrezept

"Die duale Ausbildung ist eins der größten Erfolgs- geheimnisse unserer Zeit. Es gibt keinen besseren Start ins Berufsleben. Die Schüler und ihre Eltern können zu Recht stolz sein, wenn sie sich für eine Ausbildung und damit für eine solide Zukunftsperspektive entscheiden." 

Unklare Berufsvorstellungen problematisch

Haben Betriebe Probleme in der Ausbildung, geben laut einer IHK-Umfrage 76 Prozent von ihnen an, dass die unklaren Berufsvorstellungen der Schulabgänger ein Hindernis seien. Die Unternehmen bieten deswegen mehr Praktikaplätze an und verbessern ihr Personalmarketing. 

Die Zahl der gemeldeten Lehrstellen im Landkreis Traunstein stieg im Vergleich zum Vorjahr geringfügig um knapp zwei Prozent. Insgesamt gibt es aktuell 357 IHK-zugehörige Ausbildungsbetriebe, nahezu gleich viele wie vor einem Jahr. Bayernweit bilden die IHK-Betriebe Jugendliche in mehr als 240 Berufen aus und stehen‎für fast 60 Prozent aller Ausbildungsverhältnisse. 

Die Zahlen der Arbeitsagentur beziehen sich auf alle Ausbildungsbereiche, neben Industrie, Handel und Dienstleistung gehören dazu auch das Handwerk und die freien Berufe.

Pressemeldung der IHK für München und Oberbayern

Quelle: chiemgau24.de

Rubriklistenbild: © picture alliance/Stephanie Pil

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