Pressemitteilung BRK Kreisverband Traunstein

"Ohne Strom geht nichts mehr"

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Hardy Häusler sprach im Rotkreuz-Zentrum über einen großflächigen Stromausfall in Berlin-Köpenick.

Landkreis Traunstein - Was passiert bei einem großflächigen, langandauernden Stromausfall und vor welche Herausforderungen stellt ein solch unerwartetes Ereignis die Hilfs- und Rettungsorganisationen?

Über dieses Thema sprach Hardy Häusler, der Katastrophenschutzbeauftragte des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) für Berlin, bei einem Vortrag im Traunsteiner Rotkreuz-Zentrum.

Rund 70 Gäste, darunter zahlreiche Vertreter des Landratsamtes, der Rotkreuz-Gemein-schaften Bereitschaften, Wasserwacht und Bergwacht sowie von Polizei, Feuerwehr, DLRG und THW folgten gespannt den Ausführungen Häuslers zu seinen Erfahrungen mit einem rund 31 Stunden andauernden Stromausfall in Berlin-Köpenick im Februar 2019. Damals hatte ein Baggerfahrer versehentlich eine 110 kV-Hauptleitung inklusive Redundanzleitung durchtrennt und dadurch die Stromversorgung für rund 65.000 Einwohner in 31.000 Haushalten dauerhaft unterbrochen. "Wir hatten Glück", sagte Häusler vorweg in Bezug darauf, dass der Stromausfall in einem vergleichsweise dünn besiedelten Teil von Berlin aufgetreten war. In anderen Teilen der Hauptstadt wären die Folgen noch viel gravierender gewesen. Zudem war es ein vergleichsweiser milder Februartag mit Plusgraden.

Intensivpatienten mit Muskelkraft beatmet 

Häusler und seine Kollegen mussten in Köpenick schnell erkennen, wie abhängig unsere moderne Zivilisation von einer kontinuierlichen Stromversorgung ist. Als ein Erkundungstrupp in ein vom Stromausfall betroffenes Krankenhaus geschickt wurde, fanden die Helfer dort im Dunkeln eine unübersichtliche Lage vor, welche auch nach mehreren Stunden noch schwer zu bewerten war. "Und es war nicht nur ein Krankenhaus zu erkunden", berichtete Häusler. In dem betroffenen Gebiet gibt es unter anderem noch zwei weitere Krankenhäuser, vier Seniorenheime mit rund 850 Bewohnern und verschiedene andere Einrichtungen mit vulnerablen Personengruppen. In einem der Krankenhäuser begann nach ein paar Stunden das Notstromaggregat zu schwächeln."Auf der Intensivstation stand dann eine Krankenschwester zwischen zwei Betten und musste die Patienten mit Muskelkraft beatmen", schilderte Häusler den Ernst der Lage. Die 46 Intensivpatienten des Krankenhauses wurden dann im Laufe der Nacht vom Roten Kreuz in andere Kliniken verlegt.

Fast die gesamte Infrastruktur lag lahm 

Vom Stromausfall waren aber nicht nur Krankenhäuser und Seniorenheime betroffen. "Ohne Strom geht nichts mehr", sagte Häusler und nannte als Beispiele Licht, Heizungen, Geldautomaten, Kochherde, Kühlschränke, Fahrstühle und Internetverbindung. Auch die Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln sei ein Problem. "Bei den Nahrungsmitteln ist man schnell am Ende, wenn wirklich großflächig der Strom ausfällt, da auch Supermärkte und ihre Zuliefersysteme ohne Strom nicht funktionieren", erklärte Häusler. "Hätte der Stromausfall noch 12 oder 24 Stunden länger gedauert, wäre es richtig schwierig geworden", antwortete Häusler auf die Frage, wie lange man die Versorgung der Bevölkerung hätte gewährleisten können. Zudem gebe es in ganz Berlin lediglich vier notstromversorgte Tankstellen, jedoch tausende Einsatzfahrzeuge, die auf Treibstoff angewiesen sind. "Kraftstoff ist bei Stromausfall ein Riesenproblem. Diese Tankstellen muss man im Ernstfall verteidigen", sagte Häusler. Als Anlaufstellen für hilfesuchende Bürger errichteten die Helfer an zentralen Plätzen mit Einsatzfahrzeugen und Notstromaggregaten "Leuchttürme".

Lehren aus dem Köpenicker Stromausfall 

"Planen und vorbereiten lohnt sich wirklich", sagte Häusler bezüglich der Lehren, die er und seine Kollegen aus dem Stromausfall gezogen hätten. So sei es wichtig, vorab Informationen über vulnerable Punkte und Personengruppen sowie Gefahrenschwerpunkte in dem betreffenden Gebiet zu sammeln. Ein nützliches Hilfsmittel hierbei sei die Sozialraumkartierung anhand öffentlich verfügbarer Daten ("Crisis Mapping"). Auch müssten alle möglichen Kausalketten vorab durchgedacht werden, um abschätzen zu können, wer vom Stromausfall in welchem Ausmaß betroffen sei.Auf dieser Grundlage könne man dann Schutzziele definieren. Wichtig sei auch eine systematische Vernetzung zwischen Behörden, Rettungs- und Hilfsorganisationen, weiteren zivilgesellschaftlichen Akteuren und der Bevölkerung. Als Beispiel hierfür stellte Häusler die Frage, was eine Kindertagesstätte mit Katastrophenschutz zu tun habe. "Sehr viel, denn die Einsatzkraft kann im Katastrophenfall nicht mithelfen, wenn sie sich zu Hause um ihre kleinen Kinder kümmern muss", antwortete Häusler selbst.

Hilfreiche Erkenntnisse für den heimischen Katastrophenschutz 

Wie der Katastrophenschutzbeauftragte des BRK-Kreisverbandes Traunstein, Jakob Goëss, im Anschluss an Häuslers Vortrag betonte, könne man aus den Vorfällen in Köpenick auch hilfreiche Schlüsse für den heimischen Katastrophenschutz ziehen und entsprechende Vorbereitungsmaßnahmen besprechen und treffen.Wichtig sei hierbei eine intensive Zusammenarbeit der heimischen Hilfs- und Rettungsorganisationen mit den staatlichen Organen. Der Vortrag Häuslers sei zugleich eine Art Auftaktveranstaltung für produktive Gespräche mit allen beteiligtem Akteuren, um den Katastrophenschutz im Landkreis Traunstein weiter verbessern zu können

Pressemitteilung BRK Kreisverband Traunstein

Quelle: chiemgau24.de

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