Zu wenig Zeit für "seriöse Diagnose"

Neuregelung der Notaufnahme stößt auf Unverständnis

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Landkreis Berchtesgaden/Traunstein - Seit dem 1. April gilt in den bundesdeutschen Notaufnahmen eine neue Gebührenordnung. Ihre zentrale Neuerung will ein zügiges Weiterverweisen von Bagatellfällen erreichen. Die Neuregelung stößt bei den Ärzten auf Unverständnis.

Im Notfall zählt der Mensch Kliniken Südostbayern: trotz neuer Gebührenordnung für die Notaufnahmen stets für Patienten da. "Umgerechnet bedeutet dies, dass dem Arzt in der Notaufnahme nur zwei Minuten Zeit zur Abklärung darüber bleiben, ob er einen echten Notfall vor sich habe oder nicht", so Dr. Uwe Gretscher. Der Vorstandsvorsitzende der Kliniken Südostbayern AG betont zugleich: "Wir sind natürlich weiterhin rund um die Uhr für unsere Patienten da und nehmen uns auch in Zukunft die für die sorgfältige Abklärung eines Notfalls notwendige Zeit."

Die neue Gebührenordnung für die Notaufnahmen der Kliniken wurde von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung gemeinsam mit dem Spitzenverband der Krankenkassen - und gegen die Stimme der Krankenhäuser – beschlossen.

Sie solle die Notaufnahmen von den Patienten entlasten, die gar keine akute Notfallbehandlung brauchen würden, so die Kassenärztliche Bundesvereinigung. Daher enthält die neue Gebührenordnung nun eine so genannte Abklärungspauschale, die sich auf rund ein Achtel des bisherigen Satzes beläuft. Abrechnet werden sollen nach ihr Patienten, die mangels einer schwerwiegenden Erkrankung von der Notaufnahme an den Bereitschaftsdienst oder niedergelassene Ärzte verwiesen werden. Diese Neuregelung stößt insbesondere bei den in der Notaufnahme arbeitenden Ärzten auf Unverständnis.

Zu wenig Zeit für "seriöse Diagnose"

"In zwei Minuten kann kein Patient dem Arzt seine Beschwerden so umfassend schildern oder eine adäquate Untersuchung stattfinden, wie dieser sie als grundlegende Informationen für eine seriöse Diagnose braucht", sagt Dr. Maximilian Wiedemann, Komm. Chefarzt der Zentralen Notaufnahme des Klinikums Traunstein.

Dr. Wiedemann hat den Aufbau der Bereitschaftspraxis im Klinikum Traunstein als Pilotprojekt in Bayern von der Klinikseite begleitet - und nach dem Überführen des viermonatigen Probebetriebs in den regulären Betrieb seit 1. März diesen Jahres eine positive Bilanz ziehen können. Erfolgreich hat auch die Anfang März an den Start gegangene Bereitschaftspraxis an der Kreisklinik Bad Reichenhall ihre Arbeit aufgenommen. Kurze Wege zwischen Notaufnahme und Bereitschaftspraxis sehen die Klinikärzte und ihre niedergelassene Kollegen in den Bereitschaftspraxen als einen Gewinn für die Patienten.

Neuregelung stößt auf Unverständnis

Für nicht sinnvoll halten die Ärzte jedoch die Neuregelung der Gebührenordnung für die Notaufnahmen, die eine Diagnosenstellung in Höchstgeschwindigkeit verlangt. Dr. Stefan Paech, Medizinischer Direktor der Kliniken, sieht die neue Maßnahme im Kontext vieler anderer Jahr für Jahr von den Krankenkassen zu Lasten einer qualitativ anhaltend hochwertigen Versorgung der Bürgern in den bundesdeutschen Kliniken eingeführter Neuregelungen kritisch. "Wir sind rund um die Uhr und gerne für unsere Patienten da – und werden dafür bestraft", bedauert er diesen neuen Schritt.

Pressemeldung Kliniken Südostbayern AG

Quelle: chiemgau24.de

Rubriklistenbild: © picture alliance / Holger Hollem (Symbolbild)

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