Diplom-Forstwirt geht in Ruhestand

Ein Leben für den Staatswald - Peter Renoth verabschiedet sich

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"Es war für mich das Höchste, in der Heimat mit einem tollen Team arbeiten zu dürfen“: Seit über 30 Jahren war Peter Renoth stellvertretender Leiter des Forstbetriebs Berchtesgaden.

Berchtesgaden – Über 30 Jahre lang war Peter Renoth der stellvertretende Leiter des Forstbetriebs Berchtesgaden der Bayerischen Staatsforste. Der Diplom-Forstwirt, der lange Jahre Zweiter Bürgermeister Berchtesgadens war, als ausgewiesener Experte für Forstrechte gilt und wesentlich am Erfolg des Forstbetriebs beteiligt war, geht nun in Ruhestand.

Natürlich fällt Peter Renoth der Abschied nicht einfach. „Immerhin hatte ich den schönsten Beruf, den man sich vorstellen kann“, sagt er. Gewissermaßen ist Renoth mit „Holz und Salz im Blut“ geboren, sein Vater war Bergknappe, sein Großvater Haumeister. In jungen Jahren arbeitete der gebürtige Berchtesgadener, der in Maria Gern wohnt, als Waldarbeiter. Seine Heimat kannte er damals schon wie seine Westentasche. Ein Fakt, der ihm später zum Vorteil werden sollte. „Holz hat mich immer interessiert.“ Und deshalb stand für Renoth schnell fest, dass er studieren wollte. Nach dem Abitur 1973 verschlug es ihn an die LMU in München. Ein Studium der Forstwissenschaften folgte. 

Die Staatsprüfung legte er als einer der Besten seines Fachs ab. Renoth durchlief Stationen in Altötting, Amberg und Augsburg, arbeitete im Forstamt Füssen, in Mindelheim, ebenso an der Forstdirektion Augsburg. Bis ihn schließlich der persönliche Ruf des damaligen Staatsministers für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, Dr. Hans Eisenmann, ereilte. Renoth schrieb Ministerreden, war schließlich das Bindeglied zwischen dem Ministerium und der damaligen Staatsforstverwaltung. „Im Frühjahr 1987 erfuhr ich, dass in Berchtesgaden eine Stelle frei wird“, erzählt Renoth. Für ihn war das eine Chance. „Eine, die ich womöglich nie wieder bekommen hätte“, sagt er rückblickend. Eine Leitungsposition in der Heimat. Renoth bewarb sich, wurde genommen, „der Minister gab mich frei.“

Dr. Daniel Müller attestiert Renoth „beeindruckendes Detailwissen“

Wer sich mit Peter Renoth unterhält, trifft auf einen, der sämtliche Entwicklungen der nun als Bayrische Staatsforsten bekannten Behörde miterlebt hat. Etwa, als in den 70er-Jahren die Forstämter zusammengelegt worden war, war das schon bedeutsam, deutlich einschneidender war aber die große Forstreform 2005, als die Bayerische Staatsforstverwaltung in die Bayerischen Staatsforsten und die Bayerische Forstverwaltung geteilt wurden. Für Renoth war der Forst schon seit jeher ein wichtiges Thema, für das er großes Interesse zeigte.

Der jetzige Forstbetrieb Berchtesgaden betreut 28000 Hektar Fläche, die sich über das Berchtesgadener Land, den Rupertiwinkel und das östliche Chiemgau erstreckt. „Das ist ein großes Gebiet“, sagt Renoth. 22000 Hektar davon bestehen aus Wald. Renoths Zuständigkeit lag die vergangenen Jahrzehnte über bei den Forstrechten, komplizierten Liegenschaftsfällen und der Verkehrssicherung. Forstbetriebsleiter Dr. Daniel Müller attestiert ihm „beeindruckendes Detailwissen“, er sagt: „Peter Renoth war wesentlich am Erfolg der Bayerischen Staatsforsten im Bereich des Forstbetriebs Berchtesgaden beteiligt. Von seinem großen Erfahrungs-Schatz profitierten nicht nur andere Forstbetriebe in Bayern, sondern regelmäßig auch die Rechtsabteilung der Bayerischen Staatsforsten in Regensburg.“ 

"Das meiste spielt sich hinter dem Schreibtisch ab“

Blickt man hinter die Kulissen des Aufgabengebiets von Renoth, wird schnell klar, dass Detailwissen vonnöten ist. 1700 bestehende Verträge werden derzeit vom Forstbetrieb Berchtesgaden gepflegt. So befinden sich etwa sämtliche Skigebiete auf Staatsforstgrund, etwa 70 Prozent der Jennerbahn oder die Rossfeldlifte. „Das ist alles vertraglich geregelt“, sagt Renoth, der seinen Beruf durchaus als Bürojob bezeichnen würde. Früher sei das anders gewesen, „Hälfte, Hälfte“, sagt er. „Natürlich muss man auch heute immer wieder raus und sich die Projekte vor Ort anschauen, das meiste spielt sich aber hinter dem Schreibtisch ab.“ 

Fast wöchentlich werden im Forstbetrieb Berchtesgaden neue Verträge abgeschlossen. Ob Wegebau, Grundbesitz oder Neubauprojekte: Auf Renoths Schreibtisch landet jeder Vertrag. So wurden etwa in den vergangenen 13 Jahren 20 Millionen Euro in den Wegebau im Zuständigkeitsgebiet investiert. „Unser Ziel war immer, das Wegenetz für Automobilseilkräne zu optimieren“, sagt er. 460 Kilometer Lkw-befahrbare Wege betreut der Forstbetrieb, 260 Kilometer sind als Radwege ausgewiesen. Ob Verwaltungsverfahren, Naturschutzaufgaben oder Renaturierungen: Herausforderungen gab es für Peter Renoth immer. Fragt man ihn aber nach der größten während seiner gesamten Laufbahn, sind es in jedem Fall die Naturkatastrophen, die das Gebiet des Forstbetriebs Berchtesgaden ereilten. Ob Jahrhundertregen oder Orkan Kyrill, ob Larosbach oder Röthelbachstraße, Sturm- und Überflutungsschäden mit gewaltigen Ausmaßen: „Das waren Situationen, in denen man an seine Grenzen kam und wo man gut koordinieren musste“, sagt Renoth. So war er etwa Teil des Teams, das damals die größte Hubschrauberbaustelle Europas leitete, als Kyrill hektarweise Bäume in der Weißwand umfegte. Der Diplom-Forstwirt sagt, dass die Gefahr ähnlicher Ereignisse eher zugenommen habe.

„Wenn man im Forstbetrieb arbeitet, kann man kein Einzelkämpfer sein"

Renoth war als Fachvorgesetzter für vier Reviere zuständig, dort, wo er sich am besten auskennt - für den gesamten Berchtesgadener Talkessel, für Bad Reichenhall, Inzell und Weißbach. Die weiteren Zuständigkeiten, „weiter draußen im Landkreis und der Traunsteiner Region“, übernahm sein Vorgesetzter Daniel Müller. Renoth sieht sich in der Rolle eines kleinen Rädchens in einem großen Werk: „Wenn man im Forstbetrieb arbeitet, kann man kein Einzelkämpfer sein.“ Ähnlich in der Politik, in der er drei Legislaturperioden Lokalpolitik mitgestaltete. Als Zweiter Bürgermeister unter dem damaligen Gemeindechef Rudolf Schaupp war er Teil des politischen Geschehens, an für den Ort richtungsweisenden Entscheidungen beteiligt. „Ich bin wirklich dankbar, dass ich politische und berufliche Dinge vereinbaren konnte“, sagt Renoth. Freizeit blieb ihm zwar nicht viel, „aber ich habe das alles nie als anstrengende Arbeit, sondern als spannende Zeit verstanden.“ 

Für Renoth endet seine Zeit bei den Bayerischen Staatsforsten offiziell Ende Mai, „ich habe aber noch Resturlaub“, freut er sich. Renoth ist mit sich im Reinen, „es war für mich das Höchste, in der Heimat mit einem tollen Team arbeiten zu dürfen.“ Bedenken, jetzt in ein Loch fallen zu können, hat er keine. „Jeder weiß, dass das Berufsleben irgendwann zu Ende geht.“ Die nächsten Monate wird er langsam angehen, „alles erst mal sacken lassen.“ Sein E-Bike wartet bereits, ein bisschen wandern wird er, am Haus hat er auch jede Menge zu tun.“ Und natürlich wird er die Entwicklung des Forstbetriebs Berchtesgaden weiterhin interessiert verfolgen. Dann allerdings nicht mehr in der Rolle des aktiven Gestalters, sondern als passiver Beobachte.

Kilian Pfeiffer

Quelle: chiemgau24.de

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