Professor Schmude aus München erwartet Ende des Skitourismus - Referenten fordern neue Strategien

Klimatische Verhältnisse wie in Italien

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Professor Jürgen Schmude von der Ludwig-Maximilians-Universität München sagte, dass sich das Klima bis 2090 voraussichtlich im Durchschnitt um drei bis vier Grad erwärmen werde. Die Folge: In München werde man dann Verhältnisse haben wie in Verona.

Traunstein - Die Folgen des Klimawandels für die Region war das Thema einer Regionalkonferenz der Industrie- und Handelskammer im Landratsamt in Traunstein.

Die Folgen des Klimawandels für die Region war das Thema einer Regionalkonferenz der Industrie- und Handelskammer für München und Oberbayern (IHK) am Donnerstagnachmittag im Landratsamt in Traunstein.

An der Veranstaltung beteiligten sich viele Firmenvertreter und Kommunalpolitiker. Die Kernaussage der Referenten war eindeutig: Der unumkehrbare Klimawandel hat massive Auswirkungen für Gesellschaft, Tourismus, Verkehr und Energie, denen sich auch die bayerischen Landkreise nicht entziehen können.

Moderator Manfred Hoke machte deutlich, dass es auch für die regionalen Unternehmen wichtig sei, sich mit den Folgen des Klimawandels in Bayern zu befassen. Die Wirtschaft müsse Strategien entwickeln, sich an den Klimawandel anzupassen.

Ein Bild dramatischer Veränderungen zeichnete Professor Dr. Jürgen Schmude von der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU): Er halte es für einen Unsinn, die politisch motivierte Diskussion um eine Zwei-Grad-Klimaerwärmung hochzuhalten. "Wir müssen zu einer regionalisierten Beobachtung der Entwicklungen kommen", forderte er. Unverkennbar sei aber eine beschleunigte, deutliche, erwartete Zunahme zwischen 3,3 und 5,2 Grad bis zum Jahr 2090. Hier gäbe es verschiedene Szenarien, die aber allesamt wesentliche Veränderungen für die Region bringen würden. "Wir werden in München klimatische Verhältnisse wie in Verona haben."

Für den Landkreis Traunstein rechne er mit einer Zunahme der Durchschnittstemperaturen um vier Grad. Dieser Anstieg würde insbesondere Folgen mehr im Winter und weniger im Sommer nach sich ziehen. Hitzetage mit deutlichen Auswirkungen auf den Tourismus und die Gesundheit der Menschen würden zunehmen, Frosttage deutlich abnehmen. Auch für den Wasserhaushalt im Landkreis hatte er nichts Gutes zu berichten: "Zukünftig wird weniger Wasser zur Verfügung stehen."

Auch die Niederschläge in Form von Schnee würden deutlich abnehmen - mit verheerenden Folgen für die Wettbewerbsfähigkeit der regionalen Wintersportgebiete. Seine düstere Prognose: "In 30 bis 50 Jahren ist kein Skigebiet außer der Zugspitze wirtschaftlich zu betreiben."

Für die Hochwasserproblematik in der Region gab er eine Teilentwarnung: Sie werde sich kaum verschärfen. Gleichzeitig betonte der Professor auf die vielen Rückfragen zu seinem Vortrag, dass die Starkregenereignisse deutlich zunehmen würden. Auf die Frage, ob er für den verstärkten Einsatz von Schneekanonen plädiere, sagte er, man müsse sich Investitionen jetzt zunutze machen, um wirtschaftlich nach dem Schneetourismus überleben zu können.

Ruth Berkmüller vom bifa-Umweltinstitut Augsburg machte deutlich, dass das "neue Klima" neue Strategien für Verkehr, Tourismus und Energieversorgung mit sich bringe und erforderlich mache. Exemplarisch sagte sie, man müsse sich in dem Szenario im Tourismus auf einen Gästerückgang in der Gruppe über 60 Jahre einstellen. Extremwetterereignisse wie Starkregen, Überschwemmungen und Hagel werden ihren Angaben zufolge zu Schäden an Gebäuden führen, auch die Erreichbarkeit von Urlaubsdestinationen erscheine unter Umständen gefährdet. Stichworte der Anpassungsstrategien im Tourismus seien "Wellness, Gesundheit, Kulinarik und Erlebnisinszenierungen am Berg."

Die im 19. Jahrhundert beliebte "Sommerfrische" in der Region werde eine Renaissance erfahren. Zu erwarten sei, so die wissenschaftliche Assistentin, dass dann vor allem verstärkt Urlauber aus dem Süden über die Alpen kommen - weil die Hitze in diesen Teilen Europas schlicht und ergreifend zunehmen wird.

Dirk Vogt, "Energiecoach" der IHK, machte deutlich, dass Prognosen davon ausgehen, dass der Weltenergiebedarf in den kommenden 20 Jahren um 45 Prozent steigen werde. Vor diesem Hintergrund sei es wichtig, die Energieversorgung zu sichern, effizient zu wirtschaften und für die Unternehmen weiterhin bezahlbare Energiepreise zur Verfügung zu stellen.

wz/Chiemgau-Zeitung

Quelle: chiemgau24.de

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