Stau auf dem Weg zur Kohleralm

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Organisator Bap Koller stand unserer Redaktion eine gute Woche nach den „24 Stunden von Bayern“ bei einem Bilanz-Gespräch Rede und Antwort.

Inzell/Berchtesgadener Land - Schon zum vierten Mal gab es die Tour "24 Stunden von Bayern". Wir haben ein Bilanz-Interview mit dem Organisator Bap Koller (50) geführt.

BGLand24.de: Herr Koller, die vierte Auflage der „24 Stunden von Bayern“ ist schon wieder über eine Woche Geschichte – doch Sie beschäftigt die Veranstaltung mit Sicherheit noch lange darüber hinaus.

Bap Koller: So ist es. Nach intensiven Aufräumungsarbeiten müssen noch wochenlang Briefe, E-Mails und SMS beantwortet werden, auch das Telefon klingelt noch häufig. Wir bekommen sehr viele Reaktionen, fast ausnahmslos positive. Das bestätigt uns natürlich in unserer Arbeit und gehört ganz einfach zum guten Service.

Was war denn nicht so positiv, worüber haben sich die Teilnehmer denn geärgert?

Zunächst einmal muss man sagen, dass bei einer Veranstaltung dieser Größenordnung nie alles reibungslos funktionieren kann und es immer auch Dinge geben wird, die nicht optimal klappen und sprichwörtlich in die Hose gehen. Bei den 24 Stunden in diesem Jahr gab es auf dem Weg zur Kohleralm eine mehr oder weniger starke Kolonnenbildung, die wir so nicht voraussehen konnten. Wir dachten, dass sich das Feld aufgrund der doch anspruchsvolleren Steigung zuvor bis dahin weiter auseinanderzieht – dem war nicht so.

Wanderevent bei Sommerwetter

War dieser Stau am Berg auch der Tatsache geschuldet, dass nicht nur die gemeldeten 444 Teilnehmer in Inzell gestartet waren, sondern auch etliche „Schwarzgeher“ einfach so mitmarschierten?

So ist es. Wir schätzen, dass zirka 150 nicht angemeldete Wanderer mitgingen. Das ist durchaus legitim beziehungsweise können wir dagegen ohnehin nichts tun – bei den Wegen handelt es sich schließlich nicht um abgesperrte Rennstrecken. Wir können es nicht überprüfen, wer da wirklich alles unterwegs ist. Letztlich kann sich in der freien Natur jeder frei bewegen. Und viele, die vielleicht bei den ersten drei Veranstaltungen dabei waren, wollten halt einfach wieder mitgehen. Auf der anderen Seite geht der Charakter der „24 Stunden von Bayern“ dadurch auch etwas verloren und kann – wenn es zu sehr ausartet – sogar das Aus der Veranstaltung bedeuten. Denn die Grenze des belastbaren ist nun definitiv erreicht. Richtig problematisch wird es, wenn der zahlende Wandergast nicht mehr frei wandern kann, sondern auf einem Almweg im Stau steht – dann ist die ursprüngliche Idee des Events stark gefährdet.

Welche Schwierigkeiten meinen Sie damit genau?

Wir verlieren irgendwann den Überblick, wissen nicht mehr, wo sich die Leute gerade befinden. 500 Wanderer zu betreuen ist praktisch nicht mehr möglich. Es ist vor allem nicht mehr zu bestimmen, wer jetzt einer von unseren angemeldeten Wanderern ist und wer einfach nur so mitgeht. Wir haben die Zahl aus all diesen Grünen auf 444 begrenzt – das ist gerade noch überschaubar. Wir wollen ja auch einen reibungslosen Shuttle-Bus-Service garantieren, die Streckenkontrolle im Blick behalten und in Notfällen rasch vor Ort sein.

Etliche Teilnehmer monierten, dass die angegebenen Streckenlängen nicht der Tatsache entsprachen und beispielsweise die erste Runde mit rund 31 Kilometern viel zu kurz angegeben wurde.

Diese Einwände haben wir Jahr für Jahr. Das ist natürlich ein schwieriges Thema. Wir müssen uns da auf örtliche Stellen verlassen, die am besten aufgestellt sein dürften. Wenn Sie zehn Leute die Strecke mit ihren GPS-Handys messen lassen, kommen Sie auf zehn unterschiedliche Längen. Wir können da nur auf eine Stütze bauen und verlassen uns auf die Angaben autorisierter Karten des Landesvermessungsamtes – das dürfte die beste und zuverlässigste Lösung sein.

Neue Fotos: 24 Stunden von Bayern-Wanderevent

Wandern Sie eigentlich noch selbst bei den „24 Stunden von Bayern“ mit?

Nein, das ist leider nicht mehr möglich, weil es rundherum zu viel zu tun gibt – eben die nicht zu verachtende Streckenkontrolle. Die Stationen sollen funktionieren, die ganze Logistik im Start- und Zielbereich und auf den natürlich auch schwierigen Nachtstrecken...

Haben Sie einen Überblick, wie viele Wanderer heuer alle vier Strecken bewältigten?

Exakt kann man das nie bestimmen, aber es müssten zirka 15 gewesen sein. Die Fitnessstrecke ist aber wirklich nur noch ein Zusatz für echte Kilometerfresser. Die drei Hauptstrecken, um die es uns in erster Linie geht, haben rund 190 Wanderer geschafft – und das ist schon eine ganz beachtliche Zahl, wenn man die hohen Temperaturen und die erstmals auch alpinen Ansprüche berücksichtigt.

Ja, da war der Charakter der diesjährigen Auflage schon weit anspruchsvoller. Wettertechnisch müssten sie ja noch heute Jubelsprünge machen – besser konnte es nicht sein.

Das stimmt, es war einfach perfekt. Drei Tage lang absolutes Traumwetter, besser ging’s nicht.

Wie sind sie mit Inzell und dem Berchtesgadener Land als Gastgeber zufrieden?

Die beiden Regionen haben sich sensationell präsentiert. Auch hier gibt es keine Beanstandungen – es war einzigartig und eine großartige Werbung für diese herrliche Urlaubslandschaft. Die ganze Infrastruktur mit dem Wandermarktplatz bei der Max Aicher Arena in Inzell war einzigartig und ist kaum noch zu toppen...samt dem Helferteam. Das war in Inzell aufgrund der vielen sportlichen Großveranstaltung bestens eingespielt und top aufgestellt.

Nachtbilder bei "24 Stunden von Bayern"

Die Bayern Tourismus Marketing GmbH und die Veranstalterorte lassen sich die ganze Sache eine Stange Geld kosten – denn ab und an gehen Sie schon mit einem Minus raus, oder?

In diesem Jahr dürften sich die Einnahmen aus der Teilnahmegebühr und dank der Unterstützung der fixen Sponsoren mit den Ausgaben in etwa decken. Für die Shuttle-Busse mussten wir diesmal mehr als gedacht veranschlagen, da sie stärker also sonst in Anspruch genommen wurden. Die Leistungen, die alle Teilnehmer genießen, übersteigen die Gebühr, die zu entrichten ist.Stimmt: Den 69 Euro Gebühr stehen zirka 140 Euro als echte Leistung gegenüber. Die Teilnehmer haben Essen und Trinken frei, können sich massieren lassen, erhalten ein Starterpaket mit vielen Geschenken der Sponsoren und einiges mehr. Ansonsten sollen die Kosten nicht im Vordergrund stehen. Wir wollen vielmehr die Wanderkompetenz Bayerns aufzeigen und hinterher nicht auf Heller und Pfennig abrechnen.

2013 steht Füssen als Austragungsort des Deutschen Wandertages im nächsten Jahr auch für die „24 Stunden von Bayern“ bereit. Wie viele Bewerbungen erhalten Sie im Jahr für Ihre Veranstaltung?

Fünf bis sechs. Einige springen auch wieder ab, wenn sie sehen, welch logistischer Aufwand hinter der ganzen Sache steckt. Mit Füssen sind wir uns rasch einig geworden. Die Allgäuer haben sich in Inzell angeschaut, wie die Veranstaltung läuft und wie hoch die Messlatte liegt – das ist dann für den Folgeort immer ein großer Ansporn, alles zu geben und womöglich noch besser zu sein. Wobei wir nicht werten, denn jede Region steht für sich und hat ihre ganz eigenen Reize.

Stände auf dem Wandermarktplatz in Inzell

Und am 4. April 2013 startet um 4.44 Uhr die Anmeldung für Füssen?

Exakt so ist es.

Herr Koller, vielen Dank für das Gespräch.

bit/red bgl24

Quelle: chiemgau24.de

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