Aus für Seniorenheim: Betreiber wehrt sich

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Inzell - Das H&R-Seniorenheim in Inzell steht ab morgen leer. Ruhig wird es in dieser Sache aber noch lange nicht. Der Ex-Betreiber erhebt jetzt gegen das Landratsamt Vorwürfe. *NEU: Videos*

H&R-Seniorenheim: Die Räumung am Freitag

Sie wurden mit Krankenwagen geholt oder aber von ihren Angehörigen. Am Freitag, 30.9.2011, mussten die letzten Bewohner des H&R-Seniorenheims in Inzell ihre sieben Sachen packen und gehen. Für einige war es ein schwerer, tränenreicher Abschied. Der Bayerische Verwaltungsgerichtshof hatte (BayVGH) in einem am Donnerstag veröffentlichten Beschluss entschieden (Az.: Az. 12 CS 11.2022): Das Heim muss Ende September 2011 seinen Betrieb vorläufig einstellen. Als Grund wurden "schwere Mängel" im Heim genannt. Vorausgegangen war dem eine Anordnung des Landratsamtes Traunstein vom 22. August 2011 "zum Wohle der Patienten". Darin hieß es: "Leider sehen wir aufgrund der permanent vorhandenen Mängel, die der Heimträger trotz vieler vorangegangener Beratungen und Maßnahmen der Fachstelle nicht beseitigt hat, zur Schließung keine Alternative mehr."

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Mitteilung des BayVGH zum Fall

Das VG-Urteil hatte für die Bewohner (laut Landratsamt waren es 15, laut der H&R Senioren Heimbetriebsgesellschaft mbH 25 Personen) weitreichende Konsequenzen. Die H&R kündigte dem Landratsamt via Fax am Freitagvormittag an, dass bis 24 Uhr kein Personal mehr im Haus sein werde. Pflegebedürftige Senioren ohne Pfleger? Roman Schneider, Sprecher des Landratsamtes: "Wir waren wie vor den Kopf gestoßen und haben mit blankem Entsetzen reagiert. Wir hatten dem Heim schließlich versichert, dass wir Bewohner auch über den 30. September hinaus dulden würden, bis für sie ein neues Heim gefunden ist. Da sieht man, welche ethischen Grundsätze die H&R hat." Schneider war am Freitag selbst in Inzell vor Ort, um beim Umzug der Bewohner zu helfen. Ihn wurde hierbei von der örtlichen Heimleitung ein Hausverbot erteilt.

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Dr. Wolfgang Hamma von der H&R Objekteinrichtungen will die Vorwürfe von Schneider nicht auf sich sitzen lassen: "Wir hatten keine andere Wahl." Die Argumentation des Landratsamtes, die Bewohner wären weiterhin im Heim geduldet worden, weist er im Gespräch mit chiemgau24.de scharf zurück: "Diese Duldung hätte uns schriftlich vorliegen müssen. Für den dafür nötigen Schriftweg reichte aber die Zeit gar nicht. Wir hätten für jeden Bewohner, der ab 1. Oktober noch im Heim gewesen wäre, 2500 Euro Bußgeld am Tag zahlen müssen." Außerdem, so fügt er an, habe die Heimaufsicht dem Verwaltungsgericht doch vor dem Urteil versichert, dass für den Umzug der verbliebenen Bewohner alles vorbereitet sei.

Das H&R-Seniorenheim in Inzell: Am Freitag mussten es die letzten Bewohner verlassen

Hamma: "Und was war dann heute? Nichts war vorbereitet! Die hatten sich um nichts gekümmert. Die Heimaufsicht war in der Früh da und hatte überhaupt keinen Plan." Um die Verlegung der verbliebenen Patienten hätten sich schließlich deren Angehörige selbst gekümmert. Die H&R habe den Auszug der Bewohner nicht selbst in die Wege leiten können: "Wir können niemanden zum Auszug zwingen und irgendwo anders hinbringen. Die Bewohner haben Mietverträge mit uns. Diese müssen wir fristgerecht kündigen."

Der Geschäftsführer erhebt nun seinerseits sowohl gegen die Heimaufsicht als auch gegen das Landratsamt schwere Vorwürfe: "Was in Inzell passiert ist, ist eine gezielte Kampagne, um uns zu vertreiben." Hamma behauptet, das Amt habe der H&R im Prüfungsverfahren Berichte vorenthalten und sogar Dokumente und Bilder von angeblichen Mängeln gefälscht.

Er kündigte an, dass die H&R Senioren Heimbetriebsgesellschaft mbH jetzt eine Klage anstreben werde: "Wir gehen in die Hauptsache und streiten, solange es notwendig sein wird." Die erheblichen pflegerischen Mängel, die zur Schließung des Inzeller Heims geführt hatten, weist Dr. Wolfgang Hamma übrigens zurück. Man habe stets versucht, sämtliche Anforderungen zu erfüllen und objektive Mängel zu beseitigen. Dass auch das H&R-Heim in Schliersee wegen Pflegemängel in die Kritik geraten war, sieht er als Teil einer bayernweiten Kampagne: "Es gibt irgendwo die feste Absicht, uns aus Bayern zu vertreiben, weil wir Pflege so günstig anbieten."

Neben Inzell und Schliersee betreibt die H&R noch ein Seniorenheim in Augsburg und hat bundesweit Heime an 18 Standorten. Geschäftsführer der H&R Senioren Heimbetriebsgesellschaft mbH sind Rosemarie Rose und Ina Kühne. Mit Dr. Wolfgang Hamma betreibt Rosemarie Rose wiederum die H&R Objekteinrichtungen. Beide Unternehmen sitzen in Berlin.

ck/ro24

Quelle: chiemgau24.de

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