"Hoteldorf Zell - So nicht" nennt seine Ziele

Ruhpolding - Das Projekt "Hoteldorf Zell" sorgt seit Wochen für reichlich Gesprächsstoff und hat zur Gründung einer Bürgerinitiative geführt, die das Projekt unter dem Namen "Hoteldorf Zell - So nicht" kritisch beobachtet.

Vor knapp zwei Wochen wurde den Ruhpoldinger Bürgern im Rahmen der frühzeitigen Öffentlichkeitsbeteiligung die 35. Änderung des Flächennutzungsplans sowie die damit verbundene Aufstellung des Bebauungsplans für das Projekt "Hoteldorf Zell" präsentiert, die bei den versammelten Bürgern allgemein auf positive Resonanz gestoßen war.

Dr. Michael Schubeck und Michael Jacobs, Vorsitzender und Vize der Bürgerinitiative, erläuterten nun in einem Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung, warum sie sich nach dem derzeitigen Stand so vehement gegen das Projekt wehre. Eingangs betonten beide: "Wir empfinden uns nicht als Gegenbewegung." Damit widersprachen sie dem Vorwurf, sich als Gegenbewegung neuen touristischen Projekten in den Weg stellen zu wollen. Genau diese Formulierung hatte zuletzt Landrat Hermann Steinmaßl im Rahmen seiner Ansprache zum Chiemgauer Tourismustag aufgegriffen und harsche Kritik an der Ruhpoldinger Bürgerinitiative geübt.

Die Bürgerinitiative werde öffentlich zum Gegner abgestempelt, obwohl sie in ihrer Grundhaltung ein erfolgversprechendes Hotelprojekt auf dem Gelände des Zellbauernhofes durchaus befürworten würde, sagte Jacobs weiter. Nur: Die Bürger seien viel zu spät von der Gemeinde eingebunden worden. Außerdem könne der Bürger aus dem von der Traunsteiner Planungsgruppe Strasser und Partner vorgestellten Flächennutzungsplan keine konkrete Vorstellung gewinnen, wie das Gelände nach einer möglichen Projektrealisierung tatsächlich aussieht.

Weiterhin kritisierten Schubeck und Jacobs, dass die Planungen des Bauvorhabens sehr stark auf den Vorstellungen der Betreibergesellschaft beruhten, ohne dass die Investorenfrage geklärt sei. Man dürfe nicht vergessen, dass sich das von Michael Franke, dem Geschäftsführer des TUI-Ressorts "Dorfhotel", vorgelegte statistische Zahlenmaterial auf frühere Werte beziehe und sich daraus keine Garantien, sondern lediglich Schätzungen für die Zukunft ableiten ließen.

Zum Argument, das "Dorfhotel" bedeute an Plus an Kaufkraft, von dem auch einheimische Geschäfte profitierten, entgegneten die BI-Vorsitzenden, schon jetzt erledige ein Großteil der einheimischen Bevölkerung seine Einkäufe, ausgenommen übliche Supermarkteinkäufe, nicht im Ort. "Warum soll der Urlauber anders reagieren als der Ruhpoldinger selbst?", so Schubeck weiter.

Ihr Fazit: "Wir stellen uns nicht gegen die Gemeinde, sondern wollen sie vor Schäden bewahren, die dadurch entstehen können, dass ein Planungsverfahren durchgeboxt wird, weil man eine vermeintlich nie wiederkehrende Chance nicht verpassen will."

Abschließend machten Schubeck und Jacobs auf die laufende Unterschriftenaktion aufmerksam, wonach bereits über 300 Unterschriften gegen das "Hoteldorf Zell" gesammelt worden seien. Bei 530 Unterschriften, dies entspricht etwa zehn Prozent der wahlberechtigten Gemeindebürger, drohe ein möglicher Bürgerentscheid.

bjs/Chiemgau-Zeitung

Quelle: chiemgau24.de

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