"Fachkräftemangel gibt es nicht"

Traunstein - "Einen Fachkräftemangel gibt es nicht." Dies befand der Vorsitzende der Geschäftsführung der Regionaldirektion Bayern, Ralf Holtzwart, bei seinem Besuch in der Arbeitsagentur Traunstein.

"Was wir haben, sind Engpässe in manchen Bereichen. Es dauert länger, Stellen zu besetzen, das ist richtig."

In Bayern sei das Problem vor allem bei Ingenieuren im Maschinen- und Fahrzeugbau, in den Elektroberufen, bei Ärzten und nicht akademischen Gesundheitsberufen zu erkennen. Insofern gehe er durchaus davon aus, dass "wir in drei bis sechs Jahren nicht um das Thema Zuwanderung herum kommen werden".

Allerdings werde die Diskussion darum nicht richtig geführt. Es gehe nicht darum, "Heerscharen gering qualifizierter Leute aus dem Ausland zu holen, wir brauchen hoch qualifizierte Fachkräfte." Unterm Strich verliere Deutschland mehr Arbeitskräfte als Zuwanderer. Viele gut qualifizierte Fachkräfte zögen nämlich beispielsweise nach Großbritannien und Irland ab, zahlreiche Ärzte in die Schweiz.

Schon allein aus demografischen Gründen werde man auf Dauer nicht um eine Zuwanderung herum kommen. "Die Bevölkerung in Deutschland wird in den nächsten 30 Jahren um acht Millionen schrumpfen." Es werde also auch weniger Menschen im arbeitsfähigen Alter zwischen 15 und 65 Jahren geben. Bayern befinde sich dabei in einer Ausnahmesituation: Hier werde die Bevölkerung zunächst noch wachsen. Für 2030 werde etwa das Niveau von 2005 prognostiziert, danach werde aber auch hier die demografische Entwicklung Probleme bereiten. Es gehe also darum, in den Betrieben eine "Willkommenskultur" zu fördern.

Vor einer Zuwanderung gelte es aber, das Potenzial im eigenen Land zu nutzen. Und da seien auch die Arbeitgeber gefragt. Es gehe etwa um Änderungen der Entlohnungsstrukturen, beispielsweise im Pflegebereich. Aber auch die Frage nach dem Ausbildungsverhalten einzelner Branchen werde derzeit untersucht. "Es kann ja nicht angehen, jahrelang nicht auszubilden und dann den Fachkräftemangel zu beklagen."

Auch wenn man sicher nicht aus jedem Hartz-IVEmpfänger eine Fachkraft machen könne, gehe es zunächst um die Aus- und Weiterbildung von älteren Arbeitslosen, Frauen und Jugendlichen, sagte Holtzwart weiter. "Da wird sich die Wirtschaft öffnen müssen."

Nicht zu vergessen seien gut ausgebildete Arbeitnehmer, die weit unter ihrer Qualifikation beschäftigt seien. Wichtig sei es zu beobachten, wie sich Produktivität und Binnennachfrage entwickeln. "Die Produktion billiger Güter ist nicht das, was für Bayern zielführend ist. Das können andere billiger. Da müssen wir unseren Wissensvorsprung nutzen, daraus einen technischen Vorsprung und Produkte entwickeln, die sich gut verkaufen lassen."

coco/Chiemgau-Zeitung

Quelle: chiemgau24.de

Rubriklistenbild: © dpa

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