Grünlandgipfel des Bund Naturschutz in Traunstein

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Der Landesvorsitzende des Bund Naturschutz in Bayern, Hubert Weiger forderte eine veränderte Agrarpolitik, „damit unsere Landschaft, unser Trinkwasser und unsere Artenvielfalt erhalten werden kann.“

Traunstein - Der Bund Naturschutz (BN) veranstaltete am Mittwoch den zweiten „Grünlandgipfel“, zu dem gut 50 Teilnehmer aus den Naturschutz- und Umweltverbänden gekommen waren.

Mit dabei auch eine Reihe von Landwirten, die gerade in der Diskussion mit verschiedenen Molkereivertretern ihrem Ärger Luft machten, insgesamt aber ein positives Fazit der Veranstaltung zogen. Die Naturschutz Organisation verband die Veranstaltung unter Anderem mit der Forderung den Grünlandrückgang zu stoppen und im Rahmen der EU Agrarpolitik Grünland besser zu stellen als den Ackerbau. Artenreiche Standorte müssten bewahrt werden.

Machte sich für einen staatlichen Ausgleich stark und betonte: „Der Markt alleine wird es nicht richten“. Die Landtagsabgeordnete Maria Noichl von der SPD.

Die BN-Kreisvorsitzende Beate Rutkowski wies auf die „reiche Naturausstattung der Region“ hin und nannte exemplarisch Wiesen am Waginger See, die Extensivwiesen in Ruhpolding und die Chiemsee-Verlandungsmoore, die einen besonders verantwortungsvollen Umgang mit der Natur nötig machen würden. Kommende Generationen von Landwirten müsse es auch künftig „Freude machen, gesunde und regionale Lebensmittel zu erzeugen“ so Rutkowski.

BN-Sprecher Hans Urbauer kritisierte die Förderpolitik für den Maisanbau, der höchste Fördersätze erhalte. „Kein Mensch weiß warum“ so Urbauer der kritisierte dass die Pflege von Grünland gesellschaftlich zu wenig anerkannt werde. „Da ist die Lobby viel zu schwach“ sagte der Kienberger Bürgermeister, der selbst eine Biolandwirtschaft betreibt.

Der Landesvorsitzender des Bund Naturschutz, Hubert Weiger, kritisierte die „systematische Unterbewertung von Wiesen und Weiden in der Vergangenheit und wies darauf hin, dass das Dauergrünland im Landkreis Traunstein in den Jahren 2005 bis 2008 um rund sechs Prozent abgenommen habe. Im Landkreis Berchtesgadener Land seien es fast zehn Prozent. Diese Negativentwicklung sei deutschand- und europaweit festzustellen. Er mahnte eine bessere Informationspolitik für die Bevölkerung an. Seiner Überzeugung nach würden Teile der Bevölkerung beim Thema „Grünlandflächen“ vorwiegend an „Golfplatzflächen“ denken. „Bio“ und „Fair“ müssten laut Weigert zusammengeführt werden, die Kennzeichnung der Lebensmittel für den Verbraucher transparenter werden. Er verband die Forderung an die bayerische Agrarpolitik, sich von Massenproduktionen auf Basis von gentechnisch verändertem Importfutter zu verabschieden.

Richtig zur Sache ging es bei der Podiumsdiskussion beim „Grünlandgipfel“. Von Links Moderator Hans Urbauer vom Bund Naturschutz, Richard Müller von der Chiemgauer Weidemilch, Jakob Niedermaier von der Milchverwertung Süd und Georg Müller von der Privatmolkerei Bechtel in der sich die Podiumsteilnehmer teilweise in scharfer Form gegen „politische Sonntagsreden“ wandten und eigene wirtschaftliche Modelle zum Erhalt von Wiesen und Weiden vorstellten.

Nach Statements von Behördenvertretern appellierte Weiger den Schutz der Grünflächen „mit dem Einkaufskorb“ zu unterstützen und nannte hier neben einigen anderen Beispielen unter anderem das Projekt „Faire Milch“ der Milcherverwertung Süd. In der Diskussion mit den Molkereivertretern warfen diese der Landes- beziehungsweise Bundespolitik vor „schöne Sonntagsreden“ zu halten, und Versprechungen abzugeben, die nicht haltbar seien. „Blühende Wiesen“ dürften darüber hinaus nicht nur in der Werbung Realität sein. Man würde sonst ein Glaubwürdigkeitsproblem erhalten.

Den Abschluss bildete dann noch eine kurze Podiumsdiskussion, die aufgrund des Terminplans einiger Podiumsteilnehmer letztlich aber überwiegend zu einer runde mit kurzen Statements der vier Landtagsabgeordneten zusammen gestutzt wurde. Die vier Landtagsabgeordneten Maria Noichl (SPD), Leopold Harz (Freie Wähler), Christian Magerl (Grüne) und Otto Bußjäger, Büroleiter des FDP-Abgeordneten Tobias Thalhammer machten in krankheitsbedingter Abwesenheit vom CSU-Abgeordneten Klaus Steiner klar, wo ihre zentralen politischen Forderungen liegen: Man brauche eine Diskussion über die Wertigkeit der Natur. „Wir brauchen eine Wandlung im Bewußtsein der Bevölkerung.“ Der Staat alleine sei mit dem Thema überfordert meinte Magerl. Landwirt Herz forderte politisch „ein Zeichen für Grünland zu setzen“ und betonte eine kritische Haltung zur Förderung nachwachsender Rohstoffe: „Da stoßen wir an Grenzen.“ Noichl betonte, dass die Grünlandwirtschaft als „Low-cost-Wirtschaft“ die Futtermittelindustrie und die „Maschinenverkäufer“ als Gegner habe. Das entscheidende Kriterium sei für die gelernte Hauswirtschaftsmeisterin „anständige Milchpreise zu zahlen.“ Bußjäger war für Vertrauen in die regionale Landwirtschaft an, in der man Ökologie und Ökonomie zusammenführen müsse. Auch er mahnte ein Umdenken in der Bevölkerung an: „Das 'Statussymbol Auto' ist wichtiger, als das was bei den Menschen im Kühlschrank ist.“

Die Teilnehmer der Veranstaltung zogen eine positive Bilanz. „Das war eine wichtige Veranstaltung weil hier die 'ganze Palette' da war. Es geht nur im Miteinander“ meinte Landwirt Franz Obermeyer aus Tengling.

Wittenzellner

Quelle: chiemgau24.de

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