Baukultur im Einklang mit der Natur

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Gemeindevertreter aus dem südlichen Landkreis Traunstein sprachen beim jüngsten „Gemeindetag – alpine Baukultur und Klimaschutz“ im Grabenstätter Rathaus mit Experten über das bisher Erreichte sowie Ziele und Strategien für die Zukunft.

Grabenstätt - Klimaeffizient bauen, Wirtschaftswachstum erhalten und doch den kulturellen Charme der Region bewahren - darum ging es auf dem Gemeindetag.

Der südliche Landkreis Traunstein, bestehend aus den Mitgliedsgemeinden des Ökomodells Achental – Bergen, Grabenstätt, Grassau, Marquartstein, Reit im Winkl, Schleching, Staudach-Egerndach, Übersee und Unterwössen – sowie Siegsdorf, Inzell und Ruhpolding, wurde als Pilotregion für die Projekte „Alpine Baukultur“ (AlpBC) und „Stadtbaukasten“ zur Teilnahme eingeladen. Ziel ist es, die alpine Baukultur unter Einbezug der Energieplanung und des Klimaschutzes zu stärken und die Natur mit allen Ressourcen für künftige Generationen zu erhalten.

Robert Wojcik vom Regionalmanagement des Ökomodells Achental und der gastgebende Bürgermeister Georg Schützinger konnten neben dem Siegsdorfer Rathaus-Chef Thomas Kamm Bauamtsleiter beziehungsweise deren Vertreter aus fünf Ökomodell-Gemeinden zum Arbeitstreffen begrüßen, darunter Hans Thullner (Unterwössen), Manfred Haslinger (Grassau), Benedikt Schausbreitner (Ruhpolding), Sabine Eisenberger (Reit im Winkl) und Christine Zaiser (Schleching) sowie Hinnerk Ries und Steffen Bender vom Climate Service Center (CSC).

Für das Projekt AlpBC nahmen Miriam Mlecek (LUH) sowie Adriana Baer und Katja Hein von der Handwerkskammer für München und Oberbayern (HWK) teil. Zunächst informierte Diplom-Ingenieurin Miriam Mlecek (LUH/studio landraum) über das Projekt AlpBC, das die Arbeit von AlpHouse fortführe und neue Themen integriere. Mlecek zufolge gehe es um ein neues Qualitätsverständnis bei Neubau und Sanierung von Gebäuden im Alpenraum, die Erhaltung und Entwicklung von dessen kulturellem Erbe, die Optimierung von Energieeffizienz und Gesamt-Ökobilanz von Gebäuden und Siedlungen sowie die Erarbeitung individueller Lösungen im Rahmen räumlicher Themenfelder von Ortskernentwicklung über Wohnen, touristisches Bauen bis zur Neunutzung von Gewerbegebieten.

Gemeinsame Strategien erarbeiten

Mit dem Expertenkreis wolle man nun auf regionaler Ebene gemeinsame Strategien und ein Beratungsformat erarbeiten, Vorschläge zur Mitnutzung des Alphouse-Zentrum-Programms für öffentliche Gebäude (Baukultur, Ökologie und Energie) diskutieren, vorbildliche Projekte im Alpenraum besuchen, eine regionale Bestandsaufnahme machen, das Machbare ermitteln sowie lokale Wissensträger stetig in den Prozess mit einbinden.

Man müsse sich darüber im Klaren sein, welche Beratungen überhaupt durchgeführt werden und welche gemeinsame Ausrichtung in den Gemeinden möglich wäre, so Siegsdorfs Bürgermeister Kamm. Exemplarisch sprach er das Sanierungsgebiet Ferienhaus-Dorf in Siegsdorf an. Für Unterwössens Bauamtsleiter Thullner war es wichtig zu erfahren, wie man bei Neubauten das Energieziel 2050 oder 2020 des Gesetzgebers erreichen könne. Informationen, Weiterbildung, Vorschriften und Kontrolle seien hier zentrale Aspekte.

Schlechings Geschäftsleiterin Zaiser regte an, beispielsweise Verträge mit Handwerkern als Anreize zu bieten. Bildung sei in den Bereichen Energetische Planung und Sanierungsausführung äußert wichtig. „Gemeinden können aber kein Fachwissen leisten und verwalten lediglich“, betonte Zaiser und verwies auf das „zentrale Thema“ Flächenmanagement. Es gelte den „Leerstand“ in Orten zu erfassen, zu bewerten, anzubieten und an den demografischen Wandel anzupassen. „Zuzug erhält das Wachstum“, stellte Kamm klar und forderte, dem weit verbreiteten „Ortskernsterben“ entgegenzuwirken. Dies könne etwa durch eine Schwerpunktsetzung im Bereich „Gesundheit“ gelingen, indem man Kliniken, Physiotherapeuten und Praxen ansiedle. Mit der zunehmenden Alterung der Gesellschaft werde dies immer bedeutender.

Einige Teilnehmer regten an, die Architekten unbedingt in die Beratung mit einzubeziehen. Zudem gelte es, die Akzeptanz der Beratung bei Bauherren, Handwerkern und Architekten ohne rechtliche Bindung zu erreichen. Vorgeschlagen wurden ein „Runder Tisch“ zur Sicherstellung der Beratung sowie die Einführung eines „Beratungsscheins“. Man müsse herausfinden, wie eine flächendeckende Förderung erreicht werden könne. Eine Finanzierung durch „Leader“ sei denkbar. Auch eine enge Anbindung an das Alphouse Zentrum müsse geschaffen werden. Die Energieberatung, die das Ökomodell Achental regional anbietet, könnten die Gemeinden kostenlos in Anspruch nehmen. Damit spare man später Kosten bei der Bauberatung.

Ein "Stadtbaukasten" für das Klima

Hinnerk Ries vom CSC stellte das flexible Beratungsangebot „Stadtbaukasten“ vor, das bei der Lösung einzelner klimawandelbezogener und bereits identifizierter Herausforderungen oder zur Analyse vermuteter Bedrohung, bis hin zur Ausarbeitung und Umsetzung kompletter Anpassungs- und Klimaschutz-Strategien angewandt wird.

Zu den einzelnen Betätigungsfeldern zählen unter anderem Wasser, Klimaschutz, urbanes Grün, Stadtplanung, Lebensqualität, Finanzierung und Beteiligung. Beim Arbeitstreffen angesprochen wurden auch die Klima-Themen „regionaler und überregionaler Hochwasserschutz“, „Hochwasserpass“ und „Renaturierung“.

Im Sinne einer ganzheitlichen Betrachtung wäre eine enge Verbindung mit dem Themenfeld „Flächenmanagement“ von Vorteil, hieß es. Zudem werde das CSC an der Hochwasserkonferenz im November teilnehmen. Klar sei auch, dass die Forstwirtschaft zu Veränderungen im Naturraum führe, da der Forst auf Wirtschaftlichkeit und nicht auf Überleben ausgerichtet sei. Teilweise müssten Setzlinge nachgepflanzt werden. Leider bleibe die Nachhaltigkeit zu häufig auf der Strecke.

Das Projekt „AlpBC“ wird nun die besprochenen Themen vertiefen und Beratungsmodelle entwickeln. Der zu erarbeitenden strategische Ansatz soll abgestimmt werden mit einer Vision für die Energieregion 2050. Die schrittweise Umsetzung werde in ständiger Rücksprache mit den Gemeindevertretern und Experten erfolgen. Das nächste Treffen wurde für 23. Januar anvisiert. Das CSC wird sich dem Regions-Szenario zu Hochwasser sowie Holz und Forst als Pilotaufgabe annehmen. Mit Blick auf den Baustoff Holz tut dies AlpBC im Rahmen der Themen Flächenmanagement, Energieparks, Handwerk sowie Baukultur.

mmü

Quelle: chiemgau24.de

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