Weitere Ehrung für 65-Jährigen

Langjähriger Grabenstätter Rathauschef Georg Schützinger nun Altbürgermeister

Altbürgermeister Schützinger mit Ehefrau und amtierendem Bürgermeister
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Die Ehrenbezeichnung „Altbürgermeister“ bekam der langjährige Grabenstätter Rathauschef Georg Schützinger (Mitte) im Beisein seiner Ehefrau Renate verliehen. Der neue Bürgermeister Gerhard Wirnshofer überreichte bei einem Festabend in der Schlossökonomie die entsprechende Urkunde und gratulierte seinem Amtsvorgänger herzlich. Der Gemeinderat hatte sich am 22. Juni einstimmig für die Verleihung der Ehrenbezeichnung ausgesprochen.

Grabenstätt - Vor rund drei Monaten war das Grabenstätter Bürgermeister-Urgestein Georg Schützinger zum Ehrenbürger seiner Gemeinde ernannt worden und nun ist ihm bei einer Feierstunde im Schlossökonomiesaal eine weitere Ehrung zuteilgeworden.

„In Anerkennung und Würdigung seiner Verdienste als langjähriger 1. Bürgermeister der Gemeinde Grabenstätt wird hiermit Herrn Georg Schützinger aufgrund des einstimmigen Beschlusses des Gemeinderates vom 22. Juni 2020 die Ehrenbezeichnung „Altbürgermeister“ verliehen“, verlas der neue Rathauschef Gerhard Wirnshofer den Wortlaut der Urkunde und gratulierte seinem Amtsvorgänger unter Applaus von ganzem Herzen. „Die Ernennung ist für mich eine große Ehre und ich freue mich riesig darüber“, betonte Schützinger und bedankte sich bei allen, mit denen er in all den Jahren zusammengearbeitet hatte.


Viele Gäste zugegen

Nach 36 Jahren auf dem Grabenstätter Rathausstuhl hatte das in der vergangenen Legislaturperiode dienstälteste Gemeindeoberhaupt der Region 18 (Landkreise AltöttingBerchtesgadener Land, Mühldorf am Inn, RosenheimTraunstein und kreisfreie Stadt Rosenheim) am 1. Mai die Amtsgeschäfte an seinen gewählten Nachfolger Wirnshofer übergeben. Neben Schützingers Familie wohnten dem Festabend, der sich einer Gemeinderatssitzung anschloss, auch aktive und ehemalige Räte, gemeindliche Bürgermedaillenträger, Gemeindebedienstete und Laudator Gustl Lex bei. Für die stimmungsvolle Musik sorgten Katharina Wiesholler (Harfe) und Marcus Gromes (Ziach).


Bürgermeister Wirnshofer: „Das alles Georg haben wir dir zu verdanken“

Bürgermeister Wirnshofer verwies eingangs auf besondere Baumaßnahmen und Fortschritte unter der Führung seines Amtsvorgängers. Exemplarisch nannte er für Grabenstätt das Gewerbegebiet an der Autobahn, die entstandenen Kreisverkehre, die Umgehungsstraße, die Schule, das Feuerwehrhaus, die Sportanlagen, die Turnhalle, Städtebauförderungsmaßnahmen und die Schaffung von Neubaugebieten. In Erlstätt seien ebenfalls Sportanlagen gebaut worden, Gewerbe habe sich ansiedeln können, ein neues Feuerwehrhaus sei errichtet und die Turnhalle saniert und erweitert worden. Auch der Bau des Gemeindekindergartens und dessen zweimalige Erweiterung fielen in Schützingers Amtszeit. „Das alles Georg haben wir dir zu verdanken“, würdigte Wirnshofer den Einsatz und die Lebensleistung seines Amtsvorgängers. Dieser habe auch die Vereine immer unterstützt und stets ein offenes Ohr für seine Bürger gehabt. Speziell mit Blick auf die in Erlstätt anstehenden Städtebauförderungsmaßnahmen, der Sanierung und zukünftigen Nutzung des alten Schulhauses sowie der Schaffung eines Dorfplatzes, schob Wirnshofer augenzwinkernd hinterher. „A bissal was muss mir vielleicht auch noch bleiben“.

Bevor dem langjährigen Grabenstätter Bürgermeister Georg Schützinger (von (1984 bis April 2020 36 Jahre im Amt) im Rahmen eines Festabends die Ehrenbezeichnung „Altbürgermeister“ verliehen wurde, erblickte er bei seiner Ankunft im Schlosshof ein langes Banner mit dem Aufdruck „Lieber Georg, DANKE für deinen großartigen Einsatz!“

Gustl Lex blickte in seiner unterhaltsamen Laudatio auf Schützingers bisherige 65 Lebensjahre und dessen 36-jährige Amtszeit als Rathauschef zurück. 1961 eingeschult habe dieser sich schnell als fleißiger und gescheiter Schüler erwiesen, nur „grad Singa, Sport und Englisch, da war er net gar so begabt“, verriet Lex mit einem Schmunzeln. Eine höhere Schule sei für den erstgeborenen Bauernsohn aus Eckering nicht zur Debatte gestanden, denn er wurde auf dem elterlichen Hof gebraucht. Nach dem neunten Hauptschuljahr begann Schützinger eine landwirtschaftliche Lehre und besuchte samstags ehrgeizig die Berufsaufbauschule, die er mit der Mittleren Reife abschloss. Die Landwirtschaftsschule verließ er als staatlich geprüfter Wirtschafter und machte dann den Landwirtschaftsmeister. Als junger Mann mit dabei war Schützinger 1973 bei der Wiederbelebung des Trachtenvereins. 1978 rückte er mit nur 23 Jahren an die Vereinsspitze – als jüngster Vorstand im Gauverband. 30 Jahre lenkte er die Geschicke des GTEV „Chiemgauer“ Grabenstätt und wurde 2009 zum Ehrenvorstand ernannt.

Politischer Werdegang Schützingers

Auch politisch war Schützinger schon in jungen Jahren sehr aktiv. 1981 übernahm er den JU-Ortsvorsitz. Zwei Jahre später wurde er in die JU-Kreisvorstandschaft gewählt und 1987 stellvertretender Kreisvorsitzender. Nach dem Eintritt in die CSU 1979 wird er drei Jahre später stellvertretender CSU-Ortsvorsitzender, ein Amt das er bis 2019 37 Jahre lang bekleidete. Mit 28 Stimmen Vorsprung gewann Schützinger 1984 die Bürgermeisterwahl überraschend gegen den Zweiten Bürgermeister Hans Höck und war damals einer der jüngsten Bürgermeister Bayerns. Im Wahlkampf habe er nichts dem Zufall überlassen, so Lex. Bei den folgenden fünf Kommunalwahlen wurde er stets von den Gemeindebürgern wiedergewählt. Ende 2018 gab der Vollblut-Kommunalpolitiker bekannt, dass er 2020 nach sechs Amtszeiten nicht mehr für das Amt des Bürgermeisters kandidieren werde, um in Zukunft mehr Zeit für seine Familie zu haben. Der CSU-Kreisverbandsvorstandschaft gehört Schützinger seit 1984 an. Seit 1990 sitzt er im Kreistag und wurde heuer von Listenplatz 31 mit 36300 Stimmen auf Platz acht gewählt.

Nicht zuletzt bei der hitzigen Debatte um den Chiemsee-Ringkanal in den 80er Jahren habe Schützinger davon profitiert „nicht zu polarisieren, sondern die Menschen in der Gemeinde zusammenzubringen“, strich Lex eine besondere Fähigkeit heraus und bewunderte dessen „Ruhe, Beherrschung und äußerliche Gelassenheit“ gerade in stürmischen Zeiten. Schützinger sei es auch zu verdanken, dass die Gemeinde trotz großer Investitionen seit 2006 schuldenfrei sei. Als Standesbeamter hat er von 1984 bis April dieses Jahres unglaubliche 1206 Trauungen vollzogen. Selbst heiratete er erst 2000 mit 45 Jahren seine Renate. Auch sozial und kirchlich ist er seit jeher engagiert und seit 42 Jahren Mitglied im Grabenstätter Pfarrgemeinderat.

mmü

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