Geduldsprobe: Rettung der Hirschauer Bucht

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Die Hirschauer Bucht im Winterkleid. Jenes Schwemmholz, das seit dem Jahrhunderthochwasser Anfang Juni 2013 noch nicht im Schlamm und Morast versunken ist, liegt derzeit unter einer dicken Schneedecke verborgen. Für die von der IG geplante Info-Veranstaltung auf der zugefrorenen Hirschauer Bucht bräuchte es noch ein paar sehr kalte Nächte. Fotos vom 9. Februar 2015. 

Grabenstätt - Die Antwort des Umweltministeriums auf die Petition stellt die Interessensgemeinschaft nicht zufrieden. „Worten müssen nun Taten folgen“ meint die Gemeinschaft:

„In den letzten 60 Jahren sind in zahlreichen Studien immer wieder die Aufweitung des Achendeltas und andere Maßnahmen zur Rettung der Hirschauer Bucht gefordert worden, aber gemacht worden ist nichts – den Worten müssen nun endlich auch Taten folgen“, forderten die Sprecher der Interessensgemeinschaft (IG) Hirschauer Bucht, Rosa-Maria Multerer und Norbert Lohwieser, beim Info-Abend im Gasthof „zur Post“ auch mit Blick auf das Antwortschreiben des Bayerischen Umweltministeriums auf die IG-Petition, die man Mitte Oktober im Rahmen der Chiemseekonferenz in Greimharting an Umweltministerin Ulrike Scharf (CSU) übergeben hatte. Vor Ort war damals auch Bürgermeister Georg Schützinger, der immer wieder darauf hinweist, dass die Entwässerung aus dem Grabenstätter Moos auch in Zukunft einwandfrei funktionieren müsse und die Gemeinde beim Thema „Rettung der Hirschauer Bucht“ mit der IG an einem Strang ziehe. Die Petition der IG beinhaltet fünf Anträge, nämlich die Deichrückverlegung an der Tiroler Achen nördlich der Autobahn, die vorsichtige Wiederöffnung des in die Hirschauer Bucht führenden Achenarms, die unverzügliche Entfernung des Treibholzes bei künftigen Hochwässern, die Entfernung des Uferbewuchses vor der Gaststätte in der Hirschauer Bucht und die Errichtung eines Naturkundepavillions mit von diesem ausgehenden Stegen ins Achendelta. Im gerade einmal vierseitigen Antwortschreiben von Ministerialrat Erich Eichenseer vom 25. November entdeckten die anwesenden IG-Mitglieder „nicht gerade sehr viel Vielversprechendes“. Immerhin wird darin, wie bereits im Antwortschreiben von Scharfs Amtsvorgänger Marcel Huber vom 13. August 2013, die Rückverlegung der Hochwasserschutzdeiche an der Tiroler Ache für sinnvoll erachtet, da damit eine langfristige Verbesserung des Hochwasserschutzes für die nördlich der Autobahn gelegenen Ortsteile von Übersee und zumindest eine Verzögerung der Verlandung im Deltabereich erreicht werden könne. Darüber hinaus wird im Schreiben auch darauf hingewiesen, dass „die Ideen nur durch einen intensiven Dialog mit den Beteiligten vor Ort weiterverfolgt werden könnten“. Konkrete Unterstützung seitens des Ministeriums wurde allerdings nicht in Aussicht gestellt.

„Wir brauchen zeitnah einen zweiten Runden Tisch, zu dem erneut alle Beteiligten eingeladen werden und miteinander reden“, betonte IG-Sprecher Lohwieser und lobte den ersten Runden Tisch, zu dem Landrat Siegfried Walch am 13. November eingeladen hatte. IG-Sprecherin Multerer verwies auf den akuten Handlungsbedarf und erinnerte an die unter anderem im Auftrag der EU erstellte „Flussraumagenda Alpenraum Tiroler Achen“ vom Dezember 2005, wonach in nunmehr 70 Jahren, wenn keinerlei Gegenmaßnahmen ergriffen werden, „im gesamten Gebiet von Mitte Chieming bis Ende Lachsgang überwiegend nur mehr Wassertiefen von zehn bis 25 Zentimetern vorzufinden“ wären und die Hirschauer Bucht sackartig vom übrigen See abgeschnürt sein würde. Dieses Zukunftsszenario müsse doch „nicht nur alle Grabenstätter sondern auch alle Chieminger und auch Überseer wachrütteln und die Verantwortlichen in die Pflicht nehmen, endlich gegenzusteuern“, mahnte Multerer an. Die genannte Studie komme auch zu dem Ergebnis, dass bereits 2005 „ein Handlungsbedarf bezüglich der Deichhöhen“ bestand und dass „als alternative Lösung zur Erhöhung und Verstärkung der heutigen Deiche“ es mit „Deichrückverlegung und Gerinneaufweitung“ möglich wäre, „die Wasserspiegel massiv zu senken und so die Hochwassersicherheit langfristig sicherzustellen“ sowie „den Geschiebeeintrag ins Delta zu vermindern“. Mit aktuellen Bildern von der Tiroler Ache belegte Ulrich Wertenson aus Chieming eindrucksvoll, dass dem Fluss durch die Kanalisierung und die Ausweisung von Bauflächen am Ufer südlich der Autobahn auf bayrischer Seite weitgehend jedwede Möglichkeit genommen wurde, bei Hochwasserereignissen in Retentionsflächen zu fließen. Auch deshalb, so Wertenson, sei es wichtig, dem Fluss wenigstens im Deltabereich den entsprechenden Raum zu geben. Was die fortschreitende Verlandung in der Hirschauer Bucht anbelange, gelte es nicht nur an den Symptomen rumzudoktern, sondern den Ursachen auf den Grund zu gehen, mahnte der Grabenstätter Architekt Jochen Urbat an. Schon ohne Hochwasser würden jährlich an die 300.000 Kubikmeter Kies und Sand in den See gelangen, so Urbat. In Zeiten, in denen Kies und Sand Mangelware seien, könnte man diese natürlichen Materialen effektiver nutzen. Zudem stellte er das bereits an österreichischen Flüssen praktizierte Zyklonsystem vor, mit dem die Feststoffe des Flusses abgelagert werden könnten.

Was die geforderte Deichrückverlegung anbelange, werde man die konkrete Ausgestaltung selbstverständlich den Fachbehörden überlassen, versicherten die IG-Sprecher Lohwieser und Multerer. Wichtig sei, dass „die Belange aller Beteiligten, insbesondere derer, die in diesem Gebiet Rechte haben, zu berücksichtigen sind“, betonte Multerer. Die beim Info-Abend anwesenden Überseer Willi Siglreitmeier und Sepp Kreuz brachten unter anderem die Bedenken der Weideberechtigten als auch der „Unterlandler“ zum Ausdruck. Diese sollten bei der ergebnisoffenen Suche nach einer bestmöglichen Lösung mitberücksichtigt werden, war man sich einig. Einer erfolgreichen Zusammenarbeit stehe eigentlich nichts im Wege, da es nach Ansicht der IG sowohl östlich als auch westlich der Tiroler Ache ein großes Interesse am Hochwasserschutz, Naturschutz und der Eindämmung der Verlandung gebe.

IG-Sprecher Lohwieser berichtete noch kurz von einem Treffen mit MdL Klaus Steiner (CSU), bei dem vor allem die Tatsache zur Sprache gekommen sei, dass die Grabenstätter von Unterhochstätt einmal abgesehen, keinen Zugang mehr zum See hätten. Aufgrund der Kernzonenausweisung in der Hirschauer Bucht, gebe es hier ein absolutes Betretungsverbot. Zudem könnten die Bürger diese nicht einmal mehr richtig sehen, da ein entsprechender Grünstreifen nördlich des Wirtshauses zur Hirschauer Bucht quasi als Sichtschutz fungiere, so Lohwieser. Einen freien Blick habe man nur noch vom dortigen Aussichtsturm. Multerer erinnerte in diesem Zusammenhang daran, dass die Gemeinde 1986 quasi als Gegenleistung für die Ausweisung der Kernzone „eine Bestandsgarantie für die Liegewiese unmittelbar am See“ bekommen habe, was mittlerweile völlig in Vergessenheit geraten sei. „Das sollten wir uns nicht gefallen lassen“, appellierte sie. Die IG werde auch weiterhin mit offenen Karten spielen. Auch deshalb könnten die von der Gemeinde befürworteten und an die Umweltministerin und den Landrat gestellten Anträge samt Begründung auf der aktualisierten Internetseite www.hirschauer-bucht.com von allen interessierten Bürgern eingesehen werden. Um die Leute noch mehr für das Thema „Rettung der Hirschauer Bucht“ zu sensibilisieren, will die IG, am ersten Sonntag an dem die Hirschauer Bucht betretbar zugefroren ist, auf dem Eis eine Veranstaltung mit Info-Stand machen. Zur Veröffentlichung suche man noch alte Fotos, Dias, Filme und Geschichten von der Hirschauer Bucht, insbesondere aus jenen Zeiten, als es dort vor wenigen Jahrzehnten noch den schönsten Badestrand am Chiemsee gab.

mmü

Quelle: chiemgau24.de

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