Eindrucksvolle Naturwanderung erleben

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Die Teilnehmer der BayernTour Natur-Wanderung durch das Grabenstätter Moos bewunderten Schwertlilien, Orchideen und viele andere Blumenschätze. Hannes Krauss, Gebietsbetreuer Chiemsee, bewies, dass er ein Kenner der heimischen Flora und Fauna ist.

Grabenstätt - Im Rahmen der „BayernTour Natur 2013“ führte Hannes Krauss unlängst eine rund zehnköpfige Besuchergruppe durch das „Blumenparadies“ Grabenstätter Moos.

Die Erste Vorsitzende des Verkehrsvereins Bärbel Schuster freute sich darüber, dass auch viele Einheimische der Einladung gefolgt waren, denn „diese Wanderungen sind nicht nur für Touristen gedacht“. Bevor es bei nasskaltem Wetter losging, stand etwas „Landschaftsgeschichte“ auf dem Programm, denn die Exkursion lief unter dem Titel "Seegrund wird zum Blumenparadies – Die Irisblüte im Grabenstätter Moos".

„Da wo wir jetzt stehen befand sich in der letzten Eiszeit eine 400 Meter dicke Eisschicht“, erklärte Kraus, der einer von 35 bayerischen Gebietsbetreuern ist. Der Chiemsee-Gletscher, habe sich in der letzten Eiszeit zwischen Hochplatte und Hochgern ins Land hinausgeschoben, das Chiemsee-Becken ausgehobelt und die umliegende Moränenhügellandschaft geformt. Als sich die Eismassen vor 10.000 Jahren zurückzogen, sei die Wanne mit Schmelzwasser vollgelaufen. Durch natürliche Verlandungsprozesse und nach mehreren Regulierungsmaßnahmen des Menschen in den vergangenen 200 Jahren sei der Urchiemsee auf seine heutige Größe geschrumpft und habe unter anderem diese facettenreiche Landschaft des Grabenstätter Mooses hinterlassen.

Im Gegensatz zu den Filzen, handle es sich hier nicht um ein Hochmoor, sondern um ein Niedermoore, betonte Krauss. Die nur dort befindlichen Streuwiesen nenne man so, weil die Bauern früher die Mahd als Einstreu verwendeten. Die Sauergras-Wiesen werden einmal jährlich im Herbst gemäht, denn ansonsten würden sie verbuschen und seltene Pflanzen wie Schwertlilien, Knabenkräuter (Orchideen) und Trollblumen hätten keine Chance mehr, erklärte Krauss.

Das Grabenstätter Moos sei mit seinen kaum bewaldeten Flächen auch ein wichtiges Rückzugsgebiet für selten gewordene Wiesenbrüter wie den Großen Brachvogel, die Bekassine oder den Kiebitz. Um die wenigen Brutpaare zu schützen, dürften die Wege bis 30. Juni nicht verlassen werden. Die Teilnehmer der Wanderung passierten ein blaues Irisblüten-Meer und erspähten auch einige violett bis rosa blühende Orchideen, darunter das seltene Helm-Knabenkraut.

Derweil drehte ein Weißstorch am Himmel seine Runden. Auf Nachfrage ging Krauss auf das in Mitteleuropa grassierende Eschensterben ein. Ein Pilz sei schuld, dass „die Triebe vertrocknen und absterben“, betonte der Gebietsbetreuer und deutete auf erkrankte junge Eschen am Wegrand. Nach den Ulmen sei damit eine weitere heimische Laubbaumart bedroht. Leider könne man nichts dagegen tun. Was das seit Jahren invasiv auftretende Indische Springkraut anbelange, habe er hingegen die Hoffnung, dass sich das ökologische Gleichgewicht wieder von alleine herstelle. Bekämpfungsmaßnahmen hätten sich als weitgehend nutzlos erwiesen.

Das Delta der Tiroler Ache, also die Kernzone des Naturschutzgebietes, bezeichnete Krauss auf dem Damm der Tiroler Ache als „besterhaltenes Binnendelta Mitteleuropas“, das jährlich etwa zehn Kilometer in den Chiemsee hineinwachse. Nach neuesten wissenschaftlichen Berechnungen sei die Hirschauer Bucht schon in 70 bis 100 Jahren komplett verlandet, das Bayerische Meer habe allerdings noch etwa 7000 Jahre vor sich. Man bräuchte schon eine Art „überdimensionalen Kaffeefilter“, um den stetigen Sedimenteintrag effektiv zu verhindern. Das sei aber technisch nicht umsetzbar. Der Kies werde erfolgreich an Kiesfallen gestoppt. Die Natur-Wanderung endete am Chiemsee-Aussichtsturm in der Hirschschauer Bucht. mmü

Das weitere Grabenstätter Wanderprogramm 2013:

Nach der Vogelstimmenwanderung „Frühkonzert der Rohrsänger“ (LBV) am 8. Juni um 4 Uhr mit Martin Walter (Treffpunkt ehemaliges Klärwerk Grabenstätt) folgen die BayernTour Natur-„Wanderung in der Hirschauer Bucht“ am 11. Juni von 16 bis 18 Uhr (Treffpunkt Wirtshaus „zur Hirschauer Bucht“), die naturkundliche Wanderung „Lebensraum Hirschauer Bucht“ (BayernTour Natur) am 3. August mit Chiemsee-Naturführerin Kornelia Walter und am 17. August eine Kräuterwanderung mit Fritz Irlacher (Ökomodell Achental) im Rahmen des Grabenstätter „Bauernmarktes zu Maria Himmelfahrt“. Eine von Frank Weiß geführte Wanderung zur „Hirschbrunft bei Grabenstätt“ (LBV) gibt es am 28. September. Die Märchenwanderung „Birnbaum und Hollerstauden“ mit Irmelind Klüglein ist am 28. September („Bauernmarkt zu Erntedank“). Den Abschluss bildet am 20. Oktober eine Wanderung zu den überwinternden gefiederten Gästen in der Hirschauer Bucht/Chiemsee (LBV) mit Dr. Dieter Maschmeyer.

mmü

Quelle: chiemgau24.de

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