Geothermie: 4000 Meter in drei Monaten

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Traunstein - 4000 Meter Tiefe in drei Monaten mit bis zu 90 Zentimeter dicken Stahlrohren - das ist die Bilanz der ersten Tiefbohrung aus Kirchweidach. Die ersten Schüler waren zu Besuch.

Tief unter der Erdoberfläche trifft man auf heißes Thermalwasser, welches sich hervorragend zur umweltfreundlichen Gewinnung von Energie eignet. Hier in Kirchweidach entsteht aus diesem Grund eines der größten Geothermie Strom- und Heizkraftwerke Deutschlands, welches voraussichtlich schon 2013 der Bevölkerung in der Region emissionsfrei elektrische Energie und Fernwärme liefern wird. Ähnlich gingen im Übrigen einst die Römer vor, denn auch sie nutzten schon Erdwärme in ihren Thermen. Der Diplomingenieur und Geologe Johannes Ruhland erklärte den Teilnehmern des Geologie-Kurses der Q11 des Chiemgau-Gymnasiums Traunstein (Kursleiterin: OStRin Bruni Kraus) die Geothermie so ausführlich und anschaulich, dass sie sich am Ende ihrer Exkursion beinahe selbst wie Geothermie-Experten fühlten.

In einer Tiefe von ca. 4000 Metern beträgt die Temperatur des Thermalwassers ca. 130°C. Dieses Wasser wird über vertikale Rohrleitungen an die Erdoberfläche gepumpt. Im künftigen Geothermie Strom- und Heizkraftwerk wird nun zur Energiegewinnung diesem Wasser mittels Wärmetauschern nur die Wärme entzogen. Dabei kühlt es sich bis auf 50°C ab. Das gesamte abgekühlte Wasser wird anschließend wieder über eine parallele Rohrleitung in die Tiefe zurückgeführt, wo es sich erneut erhitzen kann. Auf diese Weise entsteht ein geschlossener Kreislauf, bei dem weder Wasser an sich verloren geht, noch seine Qualität beeinträchtigt wird. Das aus der Tiefe ankommende Bohrgut wird gesammelt und anschließend zu Bodenverbesserungsmittel aufbereitet oder als Zuschlagstoff zur Zementherstellung verwendet. Des Weiteren hält sich die Belastung durch Lärm durch die Tiefbohrungen, die rund um die Uhr stattfinden, sehr in Grenzen. In Kirchweidach wird derzeit mit der leisesten Bohranlage gearbeitet, die es derzeit gibt. Nicht zuletzt haben die baulichen Maßnahmen überschaubare Ausmaße, so benötigt das künftige Kraftwerk lediglich eine Fläche von 1,5 Hektar. Derzeit wird die zweite Bohrung vorgenommen, bei der man sich an unserem Besichtigungstag bei ca. 3000 Meter Tiefe befand.

Nach Ruhlands Einschätzung könnte ein Kernkraftwerk durch etwa 100 Geothermiekraftwerke ersetzt werden. Zieht man außerdem in Betracht, dass gerade in unserer Heimatregion hydrothermale Geothermie im Prinzip endlos vorhanden ist und dass Geothermiekraftwerke bis zu 200 Jahre lang ununterbrochen genutzt werden können, so erscheint uns diese Form der Energiebeschaffung sehr zukunftsweisend: Eine nachhaltige, klimaschonende und effektive Energiegewinnung, von welcher auch noch unsere Urenkel Nutzen tragen können.

Pressemitteilung Chiemgau-Gymnasium Traunstein

Quelle: chiemgau24.de

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