Gasspeicher reicht RWE im Moment

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Bei den seismischen Messungen vor zwei Jahren wurde auch der Grund des Chiemsees durchleuchtet.

Gollenshausen/Chiemgau - 2008 und 2009 sorgten seismische Messungen von RWE Dea im Chiemgau und darüber hinaus für Verunsicherung und Proteste. Jetzt wurden Ergebnisse der Aktion bekannt.

Mit schwerem Gerät wollte das Unternehmen damals im Erdinnern zusätzliche Kapazitäten für Erdgasspeicher aufspüren.

Derzeit hat RWE Dea keinen Bedarf an zusätzlichen Speicherkapazitäten. Die Marktlage habe sich inzwischen verändert und es gebe genug Erdgas, sagte Holger Schmidt, der Leiter der Erdgasbetriebe in Bayern, beim "Chiemseewirt" in Gollenshausen.

Die Botschaft nahmen viele der Zuhörer mit Enttäuschung auf, darunter auch die Bürgermeister Bernhard Hainz (Gstadt), Hans Schartner (Eggstätt), Hans Loy (Prutting) und Rimstings Zweiter Bürgermeister Andi Fenzl. Sie hatten gehofft, aus den gewonnenen Daten Erkenntnisse über neue Speicherkapazitäten zu erfahren. "Die Daten sind jetzt zwar nach zwei Jahren ausgewertet aber wir haben sie nicht auf neue Speichermöglichkeiten interpretiert", erklärte Schmidt.

Er räumte unumwunden ein, dass zu Beginn der Untersuchungen andere Voraussetzungen vorgelegen hätten. Inzwischen sei der Markt "gekippt" und es gebe genügend Erdgas, besonders auch aus den USA. Es sei jetzt sogar nicht mehr notwendig, die vorhandenen Erdgasspeicher, wie sonst üblich, im Winterhalbjahr besser zu nutzen. So rechne sich im Moment der Ausbau neuer Speicher nicht.

Allerdings, so Schmid, könne es in fünf Jahren schon wieder ganz anders aussehen und neue Speichermöglichkeiten gebraucht werden. Die seismischen Untersuchungen vor zwei Jahren seien daher keineswegs umsonst gewesen. Die Ergebnisse aus den gesammelten Daten könnten helfen, die bestehenden Erdgasspeicher bei Söll in der Gemeinde Gstadt und Inzenham bei Rosenheim (Gemeinde Schechen) besser zu nutzen.

Geologin Maren König hatte die Untersuchungen auf einer Fläche von 400 Quadratkilometern vor zwei Jahren im Chiemgau und Rosenheimer Bereich fachmännisch begleitet. In einem Vortrag stellte sie die Geologie des Chiemgaus auf der Basis der dreidimensionalen Messergebnisse vor. Auf Nachfrage erklärte sie, dass sie sich aufgrund der gewonnenen Daten eine bessere Ausnutzung des Erdgasspeichers in Söll durchaus vorstellen könne. Es wäre demnach möglich, eine zusätzliche "Etage" des Speichers zu schaffen und rund zehn Prozent mehr Erdgas als bisher unterzubringen. Dafür wären Schmidt zufolge nur zwei Bohrungen notwendig und die vorhandenen Gebäude würden ausreichen.

Geothermie-Firma hat Daten erworben

Auf wiederholte Fragen aus dem Publikum, ob bei den Untersuchungen Möglichkeiten zur Gewinnung von heißem Wasser für eine geothermische Nutzung festgestellt worden sei, sagte König, dass dies leider nicht der Fall gewesen sei. Eine Firma mit Lizenz für Geothermie habe allerdings einige Daten erworben.

Eine heiße Debatte gab es um die Turbinen im Speicher Inzenham-West, deren Austausch in den nächsten Jahren ansteht. Die RWE hatte vor zwei Jahren zugesagt, dass dann elektrische statt der bisherigen Gasturbinen eingebaut werden sollen. RWE betreibt in Inzenham eine Gasverdichterstation, im Gegensatz zu Breitbrunn, wo diese von der Firma Ruhrgas betrieben wird.

Schmidt erläuterte, dass eine elektrische Variante fünf Mal teurer komme. Außerdem würden neue Gasturbinen) die Emissionen um 85 Prozent verringern.

In einer lebhaften Diskussion wurde dies von mehreren Rednern angezweifelt und die elektrische Version für die Umwelt in jedem Fall als günstiger bezeichnet.

Pruttings Bürgermeister Loy war sich sicher, dass nach dem angekündigten Atomausstieg die Nachfrage nach Erdgas wesentlich steigen werde.

Rimstings Gemeinderat Hans Nussbaum mutmaßte, RWE halte bewusst die Angaben über neue Speicherkapazitäten zurück, was die Unternehmensvertreter entschieden dementierten. Auch Florian Mayer von der damals gebildeten Bürgerinitiative Greimharting zeigte sich enttäuscht, dass keine Aussagen über neue Speicherkapazitäten gemacht werden.

Hans Thümmler (Chiemgau-Zeitung)

Quelle: chiemgau24.de

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