Sicherheit über Grenzen hinweg

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Landrat und EuRegio-Vizepräsident Hermann Steinmaßl (4.v.r.) mit den Referenten Markus Göbel und Rudi Fendt (1. und 3.v.l., beide Bergwacht), Ignaz Brandmüller (2.v.l., Landratsamt Altötting), Salzburgs Landesrettungskommandant Anton Holzer (4.v.l.) und Hans Kleintjens (2.v.r., Brandweer Twente) sowie den Organisatoren Andrea Bernauer und Alexandra Wolf (5. und 6.v.l., beide Landratsamt Traunstein), Josef Gschwendner (r., Moderator) und Bernhard Rausch (3.v.r., Landepolizeidirektion Salzburg).

Traunstein - Unter dem Motto „Katastrophenschutz und Großschadensereignis“ tagte das 3. EuRegio-Sicherheitssymposium mit rund 100 Teilnehmern in Traunstein.

Um die 100 Führungskräfte der Einsatzorganisationen aus den beiden Landkreisen Berchtesgadener Land und Traunstein sowie dem Land Salzburg verfolgten mit großem Interesse das 3. EuRegio-Sicherheitssymposium, das kürzlich im Landratsamt Traunstein stattfand und mit drei Vortragsblöcken eine reichhaltige Fachveranstaltung war.

EuRegio-Vizepräsident und Traunsteins Landrat Hermann Steinmaßl unterstrich in seiner Begrüßung, dass das Gebiet der EuRegio Salzburg - Berchtesgadener Land – Traunstein in vielerlei Hinsicht von grenzüberschreitenden Sicherheitsfragen betroffen sei. Jüngstes Beispiel dafür war nicht zuletzt das Hochwasserereignis im vergangenen Juni, bei dem die Einsatzkräfte über mehrere Tage hinweg, und auch grenzüberschreitend, hervorragende Arbeit geleistet haben. Steinmaßl dankte den Einsatzorganisationen ausdrücklich für ihr vorbildliches Engagement.

Möglichst umfassend vorbereitet

Das EuRegio-Sicherheitssymposium, das alle zwei Jahre und nun schon zum dritten Mal stattfand, stand unter dem Motto „Katastrophenschutz und Großschadensereignis“. Dabei widmeten sich die Referenten in ihren Vorträgen den Bereichen „Übungen“, „Bergwachteinsätze“ und „Feuerwerkskatastrophe Enschede“. „Wir wollen es nicht herausfordern, aber wir wollen, dass unsere Führungskräfte auch auf möglichst viele Eventualitäten vorbereitet sind, die organisatorischen Herausforderungen kennen gelernt haben und besondere Gefahrenmomente besser abschätzen können. Dies kann dann etwa auch wieder in die eigenen Übungen mit einfließen und dort trainiert werden.“, umschrieben Bernhard Rausch von der Landespolizeidirektion Salzburg und Christian Aschauer vom Landratsamt Berchtesgadener Land, die beiden Sprecher der EuRegio-Facharbeitsgruppe Sicherheit, die Zielsetzungen des dritten EuRegio-Sicherheitssymposiums.

Im ersten Vortragsblock „Übungen“ erläuterte Ignaz Brandmüller vom Landratsamt Altötting die grenzüberschreitend angelegte und durchgeführte Katastrophenschutzübung Burghausen/Braunau vom Frühjahr diesen Jahres, die verschiedene Störfälle mit Gas- und Feststofffreisetzungen in Chemieunternehmen zum Gegenstand hatte. Insbesondere berichtete er von den gewonnenen Erfahrungen in Zusammenhang mit der allgemeinen und speziellen Warnung der Bevölkerung sowie dem Gäste- und Besucherprogramm, das immer wieder zum Stressfaktor gerade in den örtlichen Einsatzstellen werden kann. Salzburgs Landesrettungskommandant Anton Holzer berichtete aus der Großübung EU-TARANIS 2013, die im Sommer in Salzburg statt fand und bei der Einsatzkräfte aus Salzburg sowie sechs europäischen Mitgliedsstaaten, darunter auch das Bayerische Rote Kreuz, eingebunden waren. Ziel der Übung war die Erprobung der Zusammenarbeit zwischen internationalen und nationalen Kräften, sowie der Umgang mit internationaler Hilfe im Rahmen des EU Civil Protection Mechanism. Geübt wurde im Szenario einer Hochwasser-Flutwelle der Salzach, die durch Felsstürze am Pass Lueg aufgestaut und nach einem Dammbruch dann weite Teile des Landes Salzburg überflutet hat. In diese Gesamtlage waren dann 26 Teilszenarien eingebettet. Holzer freute sich über den vollen Erfolg der Übung und die gewonnenen Erkenntnisse gerade auch im Zusammenhang mit Live-Übertragungen aus dem Einsatz von Drohnen, Hubschraubern und WebCams.

Bergwacht mit teils riskanten Einsätzen

Die Vorträge von Rudi Fendt, Bereitschaftsleiter der Bergwacht Ramsau, und Markus Göbel, Einsatzleiter der Bergwacht Bad Reichenhall, griffen die Bergwachteinsätze am Watzmann und am Schrecksattel (Reiteralpe) auf. Am Watzmann kam im Oktober 2012 eine fünfköpfige Studentengruppe im Zuge der Watzmannüberschreitung in Bergnot. Dank einer zufälligen Handyverbindung konnte die Gruppe in einem extrem riskanten nächtlichen Rettungseinsatz und dank der noch existierenden Notunterkunft am Watzmanngrat von der Bergwacht gerettet werden. Physische und psychische Fitness der Einsatzteams sowie die Kenntnis der eigenen Grenzen sind dabei grundlegende Voraussetzungen, um solche Einsätze überhaupt durch führen zu können, so Fendt. Und oft entscheiden dann auch glückliche Umstände über den Erfolg einer Bergungsaktion, wie etwa die noch am Watzmanngrat bestehende Notunterkunft, über deren Fortbestand schon mehrfach diskutiert wurde.

Am Schrecksattel kam es im Januar 2006 zu einem Lawinenunglück, das drei Menschenleben forderte. Aufgrund sehr starker Schneefälle und des fast zeitgleichen Einsturzes der Einhalle in Bad Reichenhall kam es zu einem mehrtägigen Rettungs- und Bergeeinsatz – einer der längsten der Bergwacht in Bayern überhaupt –, der die Einsatzkräfte extrem forderte. Aus den Erfahrungen aus diesem Einsatz wurden bei der Bergwacht Bad Reichenhall die ABS-Rucksäcke aufgestockt und ein Schichtbetrieb für die Rettungskräfte ab einer Einsatzdauer über 6 bis 8 Stunden eingeführt. Ebenso werden seitdem bei gegebenen oder sich abzeichnenden Großschadenslagen die Nachbarbergwachten unverzüglich alarmiert und frühzeitig Fachkräfte der anderen Einsatzorganisationen eingebunden. Nicht zuletzt sei die Schonung der Ressourcen elementar wichtig, denn es kann immer noch schlimmer kommen, so Göbel.

Gäste kamen sogar aus den Niederlanden

Als besonderer Gast berichtete zuletzt Hans Kleintjens von der Brandweer im holländischen Twente über die große Feuerwerkskatastrophe in Enschede, die an einem Samstagnachmittag im Mai 2000 23 Menschenleben und fast 1.000 Verletzte forderte. Wären dank des schönen Wetters so viele Menschen auf der Straße gewesen, so wäre die Zahl der Todesopfer wohl in die Hunderte gegangen. Minutiös und beeindruckend beleuchtete Kleintjens die Entwicklung der Katastrophe und die anfänglich von einer fehlerhaften Kommunikation begleiteten Rettungseinsätze. Auf ein Schadensereignis dieser Größenordnung, immerhin wurde durch die Explosionen und Brände fast ein ganzer Stadtteil zerstört, war man in keinster Weise vorbereitet. So dauerte es z.B. immerhin eineinhalb Stunden, bis ausreichend Wasser verfügbar war, um eine wirksame Löscharbeit betreiben zu können, die dann bis Montag morgen dauerte. Im Stadtteil herrschte Chaos, die Brände breiten sich mit Temperaturen über 1.500 Grad mehr als zwei Stunden lang fast ungehindert aus und der Verkehr war komplett zusammen gebrochen. Erst gegen Abend konnten die von überall her eintreffenden Rettungskräfte mühsam organisiert und eingesetzt werden. Besonders beeindruckend für Kleintjens war die Erfahrung mit den deutschen Nachbarn (insbesondere Feuerwehr und Technisches Hilfswerk), die ohne Aufforderung über die Grenze hinweg Hilfe leisteten. Die Katastrophe, deren Ursachen bis heute nicht restlos aufgeklärt sind, führte zu vielen Gesetzes- und Strukturänderungen im holländischen Rettungswesen, aber auch in der Raum- und Gewerbeordnung, denn die Feuerwerksfabrik lag im Wohngebiet und war vielleicht nicht ausreichend überwacht.

Moderator Josef Gschwendner vom Zweckverband für Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung Traunstein und FAG-Sprecher Bernhard Rausch schlossen das dritte EuRegio-Sicherheitssymposium mit der Erkenntnis, dass die interdisziplinäre und grenzüberschreitende Zusammenarbeit der Einsatzorganisationen auch in Zeiten der digitalen Kommunikation unersetzlich ist und bleibt. Gute Übungen, auch gemeinsam, und eine funktionierende Kommunikation sind dafür die wichtigsten Grundlagen. Ihr abschließender Dank galt den Maltesern im Landkreis Traunstein, die bei der ganztägigen Veranstaltung vorzüglich für das leibliche Wohl der Zuhörerschaft sorgte, sowie Andrea Bernauer vom Landratsamt Traustein für die hervorragende Organisation vor Ort.

Pressemeldung EuRegio

Quelle: chiemgau24.de

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