Euro-6-Abgasnorm

Wieso EU-Norm die Feuerwehrler verärgert

  • schließen
  • Weitere
    schließen
  • schließen

Landkreis - Eine neue EU-Abgasnorm sorgt für Unmut in den heimischen Feuerwehrwachen. Wir beleuchten die vier Hauptkritikpunkte aus Sicht der Feuerwehrkräfte:

Worum geht es?

Mit der neuen Euro-6-Abgasnorm soll der Schadstoffausstoß von Nutzfahrzeugen erheblich reduziert werden. Dazu gehören aber auch Rettungsfahrzeuge - wie eben von der Feuerwehr! Hierzu muss laut der Vorgabe ein 300 Kilogramm schweres und einen Kubikmeter großes Reinigungssystem eingebaut werden.

Diese Regelung gilt bereits seit dem 1. Januar - Bayern aber konnte noch eine Verlängerung bis 2016 bewirken. Für alle, bereits jetzt im Einsatz befindlichen Fahrzeuge gilt sowieso noch Bestandsschutz.

Wie sind die Reaktionen?

Wie uns Kreisbrandinspektor Günter Wambach von der Kreisfeuerwehr Traunstein mitteilte, werde das Thema "heiß diskutiert" in den Wachen. Mehrere User schickten uns auch schon einen tausendfach geteilten Artikel vom rechtslastigen Blog "Ruf der Heimat". Dort wird prophezeit, dass die EU die Freiwilligen Feuerwehren zerstören wolle - die Abgasnorm gilt als willkommener Aufhänger.

Wir prüfen dagegen hier die Fakten.   

Die Kritikpunkte an der neuen EU-Norm

1. Das Leergewicht von neuen Feuerwehrfahrzeugen erhöht sich

Das ist unbestreitbar der Fall und bedeutet, dass zu den Einsätzen weniger Ausrüstung mit an Bord genommen werden darf, um das Maximalgewicht von 16 Tonnen nicht zu überschreiten. "Der Stauraum wird geringer, denn das Reinigungssystem nimmt Platz weg", bestätigt auch der Kreisbrandinspektor Wambach auf unsere Anfrage. Dies kritisierte auch Jürgen Weiß vom Landesfeuerwehrverband Bayern gegenüber der Zeitung Welt: "Die Abgasnorm ist für uns eher schädlich als nützlich." 

2. Einige Wachen seien zu klein für die neuen Fahrzeuge

Bieten kleinere Wachen ausreichend Platz für die Anschaffungen eines neuen Fahrzeugs? Dieses Problem kann Wambach, der für die Wachen rund um den Waginger See und entlang der Salzach im Landkreis Traunstein zuständig ist, nicht erkennen: "Die Abmessung der Fahrzeuge wird nach außen hin ja nicht größer. Nur der Stauraum im Innern verringert sich durch die neue Abgasanlage".  

3. Neuanschaffungen werden teurer

Der Einbau der Geräte dürfte laut Schätzungen etwa 10.000 Euro zusätzliche Kosten verursachen und damit den Gesamtpreis für die Neufahrzeuge nach oben drücken.

4. Der Einbau in Feuerwehrfahrzeugen ist paradox

Ein Hauptkritikpunkt ist auch, dass das Reinigungssystem erst anspringt, wenn der Motor warm gelaufen ist. "Die meisten Strecken, die wir aber zum Einsatzort fahren, liegen zwischen fünf bis zehn Kilometern", so Wambach. "Das ist also nur etwas für den Lkw-Fernverkehr!". So paradox es auch klingt: Es kann vorkommen, dass die Feuerwehrler kilometerweite Extrafahrten machen müssen, um eine Verstopfung des Abgassystem zu vermeiden.

Quelle: chiemgau24.de

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

Zurück zur Übersicht: Region Traunstein

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser