Euro-Krise und kein Ende?

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Traunstein - Irrungen und Wirrungen der aktuellen Euro-Finanzpolitik - das war das Thema beim „Bericht aus Berlin“ der SPD-Bundestagsabgeordneten Bärbel Kofler.

Als Gastreferenten konnte der Vorsitzende der SPD Traunstein, Christian Kegel, auch den Leiter Private Banking für Oberbayern der Hypo Vereinsbank, Herrn Heiner Mayer, begrüßen. Kofler erläuterte, dass sich die aktuelle Eurokrise ohne die Krise von 2008, die durch die Pleite der Investmentbank Lehman Brothers hervorgerufen worden war, nicht so gravierend entwickelt hätte. Insbesondere kritisierte sie manch fehlenden Bezug von Finanzprodukten zur Realwirtschaft. Dem stimmte Mayer zu, der mangelnde Transparenz beklagte und in der Existenz von Derivaten, sowie von Leerverkäufen eine große Gefahr für eine gesunde Finanzwirtschaft sah. Derivate müssten an Anleihen gekoppelt werden, es dürfe nicht alleine damit gehandelt werden, so Mayer.

Wichtig sei natürlich eine politische Unterstützung durch alle europäischen Staaten und eine bessere Absprache untereinander. Anhand von Statistiken legte er aber auch dar, dass die Wettbewerbsfähigkeit vieler Länder darunter gelitten habe, dass die Menschen über ihre Verhältnisse gelebt hätten. Das Zinsniveau sei nach seinen Worten mit der Euroeinführung gesunken, die dadurch gewonnenen Spielräume aber nicht immer effektiv genutzt worden. Mayer mahnte in diesem Zusammenhang entsprechende Haushaltsdisziplin an. Die Bundestagsabgeordnete Bärbel Kofler warb ausdrücklich um Vertrauen für den Euro, der bei weitem nicht so schlecht sei, wie er derzeit gemacht werde. Dafür genüge allein schon ein Blick auf den Wechselkurs. Europa müsse daher nicht nur unter finanziellen sondern vor allem unter politischen Gesichtspunkten betrachtet werden. Hier beklagte sie die offenkundig fehlende Handlungsfähigkeit. Viele Firmen dagegen hätten aus der Lehman-Krise gelernt und ihre Liquiditätsreserven deutlich erhöht. Ausdrücklich forderte sie die Einführung einer Finanztransaktionssteuer und eine deutlich verbesserte Abstimmung der Finanz- und Wirtschaftspolitik in Europa.

Im Anschluss entwickelte sich eine lebhafte Diskussion mit vielen Beiträgen, die die gegenwärtige Situation sowie die Sorgen der Menschen widerspiegelte. Die Diskussionsredner kritisierten besonders die Spekulanten, die auch noch Gewinn aus der Krise ziehen, und hinterfragten die Wirksamkeit von Rettungsschirmen und Stabilitätsmechanismen. Sorgen bereitete auch die weitere Entwicklung vor allem in Italien. Einig waren sich Kofler und Mayer darin, dass zwar in Italien die Schulden der Privathaushalte deutlich geringer seien als in Griechenland und im Alltag die Krise für die Menschen in Italien daher nicht so deutlich zum Ausdruck kommt. Sie warnten aber vor der hohen Staatsverschuldung Italiens, Wenn die europäische Zentralbank nicht eingreift, nähere sich Italien dem Bereich, in dem Portugal und Irland den Rettungsschirm brauchten. Mit dem Dank an die beiden Referenten für einen sehr informativen Politischen Frühschoppen schloss Christian Kegel die gut besuchte Veranstaltung.

Pressemeldung Ingrid Bödeker

Quelle: chiemgau24.de

Rubriklistenbild: © pa

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