Gedankenspiele über Energiewende in der Schlossökonomie in Grabenstätt

"Zwei Windräder würden ausreichen"

Grabenstätt - Die Energiewende im Chiemgau ist nach Überzeugung von Markus Ruckdeschel von der Energieagentur Nordbayern ohne eine Nutzung der Windkraft nicht zu schaffen.

Im Rahmen einer Infoveranstaltung des Bildungswerks für Kommunalpolitik Bayern in der Schlossökonomie in Grabenstätt hat der Referent die Chancen aufgezeigt: Um Grabenstätt mit Strom zu versorgen, wären gerade einmal zwei Windräder vonnöten.

"Die Öffentlichkeit fordert von uns, dass wir uns der Energiewende mit all ihren Möglichkeiten und Schwierigkeiten annehmen", erklärte Andreas Danzer, Kreisvorsitzender der Freien Wähler und Gemeinderat in Grabenstätt, zu Beginn der öffentlichen Veranstaltung. Im Brennpunkt stand das Thema: "Energiewende - eine historische Chance für den ländlichen Raum".

Referent Ruckdeschel warf die provokante Frage in den Raum, ob die von der Politik in Angriff genommene Energiewende zu teuer sei oder einfach nur besser gemanagt gehöre. Und gut 95 Prozent der Gäste entschieden sich spontan für die zweite Antwortmöglichkeit.

Die Atomkraft hat ausgedient

2011 habe noch eine unglaubliche Euphorie geherrscht, alle hätten nach der verheerenden Nuklear-Katastrophe von Fukushima gesagt, "die Atomkraft hat ausgedient, die Energiewende muss sein", betonte Ruckdeschel und lobte, wie schnell sie in Deutschland angepackt worden sei.

Mittlerweile gebe es jedoch Anzeichen eines Stimmungswechsels, kritische Töne würden lauter. Dies sei nicht wirklich nachzuvollziehen, denn die Umsetzung der Energiewende koste zwar Geld und setze die Bereitschaft zum Sparen voraus, doch die Vorteile wie "Klimaschutz", "Unabhängigkeit von Importen und fossilen Preisexplosionen", "Verbleib der Wertschöpfung vor Ort" sowie "umweltschonende und bezahlbare Energieversorgung" würden überwiegen. Vor allem auf kommunaler Ebene habe man mit Blick auf die Energiewende "alle Optionen in der Hand", so Ruckdeschel. Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) bezeichnete er als "eines der wichtigsten Strukturprogramme".

Im Landkreis Traunstein sei der Strom 2011 zu 66 Prozent von fossilen Energieträgern gekommen, zu 16 Prozent aus Biomasse, zu zehn Prozent aus der Sonnen- und zu acht Prozent aus der Wasserkraft. Windkraft spiele im Chiemgau noch keine große Rolle, doch ohne sie sei die Energiewende nicht zu schaffen. Denn "das Biomassepotenzial ist endlich und der Ausbau der Wasserkraft nicht unbegrenzt möglich", betonte Ruckdeschel, der ein Verfechter eines "richtigen Energiemixes vor Ort" ist. Schon ein einziges Windrad der Leistungsklasse zwei Megawatt könne an einem durchschnittlichen Standort 2,5 bis 3,5 Kilowattstunden pro Jahr erzeugen und decke damit den Strombedarf von 700 bis 1000 Haushalten ab. "Dann würden ja zwei solcher Windräder in Verbund mit Fotovoltaik für Grabenstätt ausreichen", stellte Gemeinderat Danzer verblüfft fest.

Die Strompreise seien in den letzten zwölf Jahren unabhängig von der EEG-Umlage gestiegen, so der Referent weiter. Der Grund liege vor allem daran, dass alle zusammen immer noch zu stark an fossilen Energieträgern hingen. Sie seien "endlich und werden zum Luxusgut", sagte Ruckdeschel und verwies darauf, dass der Preis für das Barrel Rohöl (Brent) seit 2001 von unter 25 auf weit über 100 US-Dollar gestiegen sei.

Die ganze Welt schaue, wie Deutschland in den Ausstieg aus der Atomenergie gehe. "Wenn wir es schaffen, sind wir die Könige, ansonsten die Deppen", prophezeite der aus Franken angereiste Referent. Ihm sei es wichtig, dass die Bürger die Energiewende "nicht nur tolerieren, sondern auch aktiv mitgestalten", denn nur dann könne sie flächendeckend gelingen. Deren Umsetzung beginne mit dem Energiesparen. Im eigenen Privathaushalt verbrauche die Heizung mit 78 Prozent mit Abstand die meiste Energie. mmü

Quelle: chiemgau24.de

Rubriklistenbild: © pa

Zurück zur Übersicht: Region Traunstein

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser