Rettungstau-Fortbildung am Kranzlstein

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Bad Reichenhall - Schwierige Rettungstau-Einsätze haben am Dienstag die Besatzungsmitglieder des Traunsteiner Rettungshubschraubers „Christoph 14“ und die Luftretter der Bergwacht-Region Chiemgau trainiert.

Die Übung fand am Kranzlstein oberhalb des Thumsees statt. Dank der halbjährlichen Übungen sind die eingespielten Teams aus Piloten, Notärzten, Luftrettungsassistenten und Bergrettern fit für den Ernstfall, der ihnen oft großes Improvisationsvermögen und rasche Entscheidungen abverlangt.

Einsatzkräfte trainieren Rettungstau-Bergung

Mit frühsommerlichen Temperaturen hat diese Woche gerade die Wandersaison begonnen, doch was geschieht, wenn in den Bergen ein Notfall passiert? Geht ein Notruf in der Leitstelle Traunstein ein, dann alarmiert der Disponent in der Regel zunächst den Einsatzleiter der örtlich zuständigen Bergwacht, der dann je nach Lagebild weitere Bergretter und einen Hubschrauber nachfordert. Für die Berchtesgadener und Chiemgauer Alpen ist primär der Traunsteiner Rettungshubschrauber „Christoph 14“ zuständig.

„Kein Bergeinsatz ist wie der andere; wir müssen uns je nach Gelände, Wetter und Zustand des Patienten anpassen“, erklärt Stationsleiter Robert Portenkirchner, Luftrettungsassistent beim Bayerischen Roten Kreuz (BRK). Seit über 30 Jahren ist das BRK im Auftrag des Zweckverbandes für Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung der Betreiber der Rettungshubschrauberstation in Traunstein. Das an den Stationen Traunstein und Kempten verwendete Rettungstau-System für Einsätze im unwegsamen Gelände wurde im Jahr 2009 insgesamt 69 mal benötigt.

Schwerpunkt des zweitägigen Trainings am Hochfelln und am Kranzlstein oberhalb des Thumsees war die Arbeit mit dem Rettungstau an der Doppel-Lasthaken-Anlage des Zivilschutzhubschraubers vom Typ „EC135T2i“: Per Tau wurden die Einsatzkräfte in einer Bergwaldlichtung und auf einem schmalen Grat abgesetzt, wobei sie ihre Kollegen im Kaper-Verfahren sichern und den Abtransport der fiktiven Patienten üben sollten.

Beim Kaper-Verfahren wird der Bergwacht-Luftretter per Tau zum Patienten geflogen, der hilflos in seiner Selbstsicherung im Steig hängt. Der Retter sichert den Verunfallten ans Rettungstau; danach wird die Selbstsicherung durch Abheben entlastet und mit einer Kaperschere durchtrennt. „Eine Kaper-Bergung ist für die Hubschrauberbesatzung besonders schwierig, da die Maschine für kurze Zeit über die Selbstsicherung des Verunfallten an den Berg gefesselt ist und damit nicht beliebig manövrieren kann“, erklärt Bergwacht-Regionalausbilder Manfred Hasenknopf, der das Einsatztraining zusammen mit seinem Kollegen Hans Lohwieser vorbereitet hat und betreut.

Einsatzstellen mit einer engen Hinderniskulisse, wie bewaldete Steilhänge und Absetzstellen in Schluchten und Klettersteiganlagen fordern den Rettungshubschrauber-Piloten der Bundespolizei regelmäßig fliegerische Meisterleistungen ab. „Da ich während des Einsatzes den Bereich unterhalb der Maschine nicht selbst einsehen kann, vermindert die einwandfreie Verständigung über Funk die Unfallgefahr immens: Der Luftrettungsassistent steht als mein verlängertes Auge gesichert auf der linken Kufe des Hubschraubers und blickt direkt zum Tauende hinab. Er informiert mich über Hindernisse und teilt mir mit, wann Retter und Patient am Tau eingehängt werden“, berichtet Rettungshubschrauber-Pilot Thomas Klahre, der abwechselnd mit seinen Kollegen im Cockpit der „EC135T2i“ sitzt und die Übungsteilnehmer am Tau zu den Absetzpunkten am Berg bringt.

Dieses so genannte Einsprechen über Funk beginnt bereits auf der Anflugphase, wobei der Rettungsassistent den Piloten über die Höhe des Tauendes über dem Grund, mögliche Pendelbewegungen des Taus und gefährliche Hindernisse im Luftraum informiert. Im Nahbereich der Einsatzstelle werden die Abläufe dann schwieriger: Ständig übermittelt der Rettungsassistent genaueste Angaben über die Position des Taus sowie die Situation an der Einsatzstelle an den Piloten und überwacht, ob Hauptrotor und Heck frei von Hindernissen sind.

Mit genauen Anweisungen des Rettungsassistenten positioniert der Pilot das Tau dann direkt über dem Unfallort. Im Schwebeflug bleibt die Maschine über der Einsatzstelle, bis der Notarzt oder der Bergwacht-Luftretter und der Verletzte gesichert sind. Jeder Arbeitsschritt des schwierigen Manövers geschieht dabei unter strikter Einhaltung vorgegebener Abläufe und wird mit klaren Kommandos über Funk bestätigt.

Nachdem der Notarzt oder der Bergwacht-Luftretter an der Einsatzstelle mitteilt „Tau eingehängt“, bestätigt der Pilot die Meldung mit „Ich steige“ und beginnt erst dann das Tau zu straffen, indem er den Hubschrauber langsam nach oben wegzieht. Auf dem Weg zum Zwischenlandeplatz am Thumsee kann der Pilot seine Sinkgeschwindigkeit und den Abstand des Tauendes zum Boden daran abschätzen, wie schnell der Notarzt oder Bergwacht-Luftretter nach unten zählen: „Zehn Meter, acht Meter, …“.

Pressemeldung BRK

Quelle: chiemgau24.de

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