"Der Aufwand hat sich gelohnt"

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Ruhpolding - Vor drei Jahren wurde die neue Ortskern-Entlastungsstraße mit dem 360 Meter langen Schlossbergtunnel für den Verkehr freigegeben. Jetzt gibt es erste Verkehrszahlen:

Peter Maltan vom Straßenbauamt Traunstein zog in der jüngsten Gemeinderatssitzung eine erste durchweg positive Bilanz. Anhand der Erhebungen von Verkehrszählungen zeigte er, wie stark der Verkehr in der Ortsmitte zurückgegangen ist.

1985 wurden noch insgesamt 7990 Fahrzeuge innerhalb von 24 Stunden auf der Ortsdurchfahrt gezählt, 1989 waren es schon 12.140 Fahrzeuge, davon 680 Lastkraftwagen. Im Jahr 1990 stieg die Zahl - auch bedingt durch die Grenzöffnung nach der Wiedervereinigung - sogar auf 12.475 Fahrzeuge. In den folgenden Jahren ging die hohe Belastung der Staatsstraße nur geringfügig zurück. In 2005 lag sie bei 11.506 Fahrzeugen.

Bei der ersten Zählung nach der Freigabe der Entlastungsstraße 2010 wurden in der Ortsdurchfahrt 4437 Fahrzeuge gezählt, davon 37 Lastwagen. Gleichzeitig lag die Zahl der Fahrzeuge auf der Entlastungsstraße bei 6946. Das bedeutet eine durchschnittliche Entlastung der Ortsmitte um rund 40 Prozent.

Nach der Prognose eines 2006 erstellten Gutachtens vom Ingenieurbüro Burkhardt und Lang wird die Verkehrsbelastung in Ruhpolding im Jahr 2020 auf der Entlastungsstraße bei 9600 Fahrzeugen liegen, davon sechs Prozent Schwerverkehr. In der Ortsdurchfahrt prognostizierte das Büro 5400 Fahrzeuge mit der Ortskernentlastungsstraße, und 13200 Fahrzeuge ohne die Umgehung.

Maltan resümierte, man könne den Verantwortlichen zu dieser "Erfolgsgeschichte, wie sich der Verkehr im Ort entwickelt hat" nur gratulieren. Auch von anderen Gemeinden werde das "Jahr-hundertbauwerk" in Ruhpolding oft als positives Beispiel angeführt.

Bürgermeister Claus Pichler bestätigte, dass sich der übermäßige finanzielle und personelle Kraftaufwand der Gemeinde wirklich gelohnt habe. Besonders die Reduzierung des Schwerverkehrs im Ort sei eine echte Entlastung. Die noch gezählten 37 Lastwagen seien wohl für die Belieferung der Geschäfte notwendig.

Sepp Konhäuser erinnerte an die jahrzehntelangen Bemühungen der Gemeinde, bis "alle Steine aus dem Weg geräumt" und die Entlastungsstraße endlich gebaut werden konnte. Bei den Einheimischen habe auch ein Lernprozess eingesetzt, so Konhäuser. Seine Meinung, dass sich der Verkehr im Ort noch weiter reduzieren sollte, unterstützten mehrere Ge-meinderäte.

Michael Mayer wies darauf hin, dass sich die Befürchtungen der Geschäftsleute, dass weniger Kunden kämen, nicht bewahrheitet hätten. Ein gewisser Verkehr in der Ortsmitte sei positiv.

Dass auch die Feriengäste sehr zufrieden mit der weniger befahrenen Ortsdurchfahrt seien, stellte Kurdirektor Martin Haßlberger fest. Vorher habe es bei jeder Gästeehrung Klagen gegeben, dass man wegen des unablässigen Verkehrs kaum die Straße überqueren könne.

Wolfgang Heigermoser ergriff die Gelegenheit, bei dem Besuch eines Vertreters des Straßenbauamts auf einen zweiten notwendigen Kreisverkehr hinzuweisen. Die Ampelanlage sei zwar inzwischen optimiert worden, aber noch immer staue sich der Verkehr in Stoßzeiten stark zurück. Bauoberrat Maltan antwortete, dass ein zweiter Kreisverkehr in nur 90 Metern Abstand vom ersten mit zahlreichen "Risiken und Mängeln behaftet" sei. Fußgänger zum Beispiel seien mit der Ampellösung besser zu leiten. Eine weit überdurchschnittliche Verkehrsbelastung, wie sie wieder bei der anstehenden Biathlon-Weltmeisterschaft zu bewältigen ist, könne weder durch eine Ampel noch durch einen zweiten Kreisverkehr befriedigend gelöst werden. Natürlich spielten auch die hohen Kosten eine Rolle, so Maltan.

"Gut Ding will Weile haben", meinte Heigermoser. Vielleicht könnte der zweite Kreisverkehr irgendwann doch realisiert werden. Vor dem Bau des ersten habe es die gleichen Argumente dagegen gegeben.

gi/Chiemgau-Zeitung

Quelle: chiemgau24.de

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