„Kenne keinen einzigen Betrieb, der nur annähernd die versprochenen 75 Prozent bekommt“

Coronahilfen kommen nicht an - so sehr leiden unsere heimischen Gastwirte

v.l.: Klaus Lebek, Theresa Albrecht und Johannes W. Hofmann
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v.l.: Klaus Lebek, Theresa Albrecht und Johannes W. Hofmann

Hotels und Gaststätten sind geschlossen. Sie leiden besonders unter der Corona-Pandemie. Die Bundesregierung hat zwar Novemberhilfen versprochen, doch die sind bei vielen noch nicht angekommen. So ist die Lage in der Region.

Landkreis - Dass 2020 für seine Branche ohnehin ein rabenschwarzes Jahr ist, damit hat sich Klaus Lebek schon abgefunden. Der Waginger ist Vorsitzender des Branchenverbands Dehoga (Deutscher Hotel- und Gaststättenverband) im Landkreis Traunstein und betreibt selbst ein Hotel. Wie viele seiner Kollegen steht er wegen den Auswirkungen der Corona-Pandemie vor vielen Schwierigkeiten.


So sind z.B. bei sehr vielen Gastronomen im Landkreis Traunstein die vom Staat versprochenen November- und Dezemberhilfen noch gar nicht angekommen. Lebek selber hat bis jetzt für November auch erst 50 Prozent der Hilfen erhalten. Diese kamen erst im Dezember an. „Das Problem ist, dass man die Hilfen erst relativ spät beantragen kann, da von den Hilfen das Kurzarbeitergeld abgezogen wird. Man kann das Kurzarbeitergeld aber erst Ende des Monats abrechnen.“ Ein weiteres Problem sei, dass Betriebe, die erst im Laufe dieses Jahres eröffnet haben, leer ausgehen, weil sie keinen Vorjahresumsatz nachweisen können. Darauf beziehen sich nämlich die Hilfen. Auch in den anderen Landkreisen stellt sich die Situation für Gastwirte ähnlich problematisch dar.

„Die Betriebe brauchen das Geld dringend zum Überleben“


„Bei den meisten Betrieben ist erst Ende Dezember, Anfang Januar, eine Anzahlung auf die Novemberhilfe angekommen. Die Dezemberhilfen noch gar nicht. Und wir haben jetzt immerhin ja schon Januar. Generell laufen die Auszahlungen sehr schleppend“, sagt Theresa Albrecht, Dehoga Kreisvorsitzende im Landkreis Rosenheim und Betreiberin des Hotels zur Post in Rohrdorf. „Generell sind die Hürden für die Zahlungen sehr hoch. Nur ein Teil kommt bei den Betrieben an. Ich kenne keinen einzigen Betrieb, der nur annähernd die versprochenen 75 Prozent bekommt. Meist ist es ein kleiner Teil davon. Die Betriebe brauchen das Geld dringend zum Überleben. Der zweite Lockdown ist extrem hart für die Betriebe. Und es ist keine Perspektive in Sicht, die wir Betriebe dringend bräuchten.“

Auch Johannes W. Hofmann, Kreisvorsitzender des Dehoga Berchtesgadener Land weiß, dass die Betriebe in seinem Landkreis von der Krise schwer gebeutelt sind. „An die 240 Mitgliedsbetriebe im Landkreis sind zur Zeit fast zum Nichtstun verdammt, sieht man von den wenigen Betrieben ab, die die Voraussetzungen für einen Abholservice bieten können. Die staatlichen finanziellen Hilfen laufen sehr schleppend. In der Öffentlichkeit wird die Meinung vertreten, dass es unseren Betrieben durch die Hilfen von Bund und Land einigermaßen gut geht und der Fortbestand der Betriebe so gesichert ist. Dem ist bei weitem nicht so.“

„Damoklesschwert für die soziale Absicherung der älteren Selbstständigen“

Laut Hofmann liege bei den staatlichen Hilfen der Hund im Detail begraben. Er höre von vielen Betrieben, dass die Anträge auf finanzielle Unterstützung zwar schnell und korrekt erledigt wurden, gewisse Hilfen aber erst mit einem erheblichen Zeitverlust beantragt werden konnten. Somit erfolgen die Zahlungen, die Hofmann als Schadensersatz ansehe, sehr schleppend. „Das BGL ist durch den frühen Shutdown im Oktober 2020 besonders gestraft worden und durch den überhasteten Rauswurf von tausenden von Gästen negativ in den Schlagzeilen gewesen. Auch hier ist die zugesagte Hilfe nur sehr zäh bei den Betrieben angekommen und bei einer Vielzahl noch ausständig. Das finanzielle Betriebskapital ist bei einem Großteil der Betriebe verbraucht. Nicht wenige Gastwirte haben seit dem Sommer bereits auf Erspartes zurückgegriffen. Da viele Unternehmer für ihre Altersvorsorge privat aufkommen, ist diese Tatsache ein Damoklesschwert für die soziale Absicherung der älteren Selbstständigen. Die Altersversorgung wird angegriffen und verbraucht.

Hilfen können nur vom Steuerberater beantragt werden

Die Hilfen und auch das Überbrückungsgeld können nur über die Steuerberater beantragt werden. Auch das Kurzarbeitergeld wird meist in den Steuerkanzleien bearbeitet. Das stellt ein weiteres Problem dar. Neben den anfallenden Kosten für einen Steuerberater sind diese gerade zum Jahreswechsel sehr ausgelastet, was die Sache weiter verzögert. Bundesweit wurden bis Dienstag nach Angaben der Bundesregierung auf der Antrags-Plattform rund 150.000 Anträge auf Novemberhilfen registriert. Rund 403 Millionen Euro an Abschlagszahlungen seien bereits ausgezahlt worden.

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