Hirschauer Bucht: Treibholz soll bleiben

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Der Bund Naturschtuz fordert, dass das tonnenweise vom Hochwasser angeschwemmte Treibholz in der Hirschauer Bucht bleiben müsse.

Grabenstätt - Der Bund Naturschutz Bayern will weiterhin den Eingriff des Menschen in die Hirschauer Bucht verhindern. Auch das Hochwasser-Treibholz soll liegen bleiben.

Es ist eine gute alte Tradition, dass der Bund Naturschutz Bayern alljährlich im Frühjahr und Herbst einige seiner ehrenamtlich geführten Kreisverbände besucht und letzte Woche war der Landesvorstand um den Ersten Vorsitzenden Prof. Dr. Hubert Weiger in den Landkreisen Berchtesgadener Land und Traunstein zu Gast. Bevor man am Chiemsee Station machte, tauschte man sich am Dienstag, 15. April, am Königssee an der Mittelstation der Jenner-Bahn sowie am Mittwoch in Laufen an der Salzach mit den regionalen Naturschützern über drängende Probleme aus.

Kritik an der "Jenner-Aufrüstung"

Kritisch unter die Lupe genommen wurden dabei die bereits erfolgten Maßnahmen zur „Aufrüstung“ des Skigebietes am Jenner und weitere Planungen zur Umgestaltung zum „Erlebnisberg“.

Was den letzten frei fließenden Voralpenfluss, die Salzach, anbelange, dürfe es keine weiteren Querbauwerke und keine Kraftwerke geben, so die Naturschützer. Zudem forderten sie auch für den flussabwärts liegenden Abschnitt im Tittmoninger Becken eine Machbarkeitsstudie zur Naturflussvariante. Auch die Eutrophierungs-Problematik am Waginger See kam zur Sprache. Hier gelte es eine optimale Synthese von Naturschutz, Landwirtschaft und Tourismus zu finden und die Gegend als Modellregion für ökologische Entwicklung zu stärken, so Weiger, der dem Bund Naturschutz Bayern seit 2002 vorsteht.

Schutz der Hirschauer Bucht

In der Hirschauer Bucht bei Grabenstätt machten sich die Naturschützer abschließend ein Bild von der Kernzone des Naturschutzgebietes rund um das Delta der Tiroler Ache. Weiger bezeichnete die Schutzzone um das größte Binnendelta Mitteleuropas beim Pressegespräch im Gasthof „zur Hirschauer Bucht“ als „Glanzstück des bayerischen Naturschutzes“ und stellte klar, dass man dieses auch in Zukunft verteidigen werde. Am Betretungsverbot dürfe nicht gerüttelt werden und Eingriffe wie die Müllentsorgungsaktion des Wasserwirtschaftamtes Ende vergangenen Jahres müssten die absolute Ausnahme bleiben. Die Verlandung sei ein seit der letzten Eiszeit vor 12.000 Jahren voranschreitender „natürlicher Prozess“, den man „nicht durch eine Kunstwelt ersetzen darf“, war man sich einig.

Schutz für die Hirschauer Bucht

Während der Chiemsee noch etwa 7000 Jahre vor sich habe, werde es die Hirschauer Bucht schon in 50 Jahren nicht mehr geben, so die BN-Kreisvorsitzende Beate Rutkowski. So wie der Mensch private Rückzugsbereiche brauche, „benötigt auch die Natur Ruhezonen, in denen sie zu keiner Zeit gestört werden darf“, stellte Weiger klar. Deshalb müsse auch das beim Rekord-Hochwasser im Juni tonnenweise angeschwemmte Treibholz in der Hirschauer Bucht verbleiben. Naturschutz und Tourismus könne man nur erfolgreich zusammenführen, wenn letzterer bereit sei, gewisse Grenzen zu akzeptieren. Um dem Wunsch der Menschen nachzukommen, die Natur hautnah zu erfahren, „brauchen wir zusätzliche Gelder und mehr geschultes Personal“, so Weiger. Rutkowski, brach hier eine Lanze für die Arbeit der beiden Gebietsbetreuer im Landkreis Traunstein – Hannes Krauss, Gebietsbetreuer Chiemsee und Stefan Kattari, Gebietsbetreuer Achental –, deren Stellen „extrem gefährdet sind“, weil sich die EU aus der Ko-Finanzierung zurückgezogen habe. Einigen Forderungen der Interessensgemeinschaft „Hirschauer Bucht“, die sich deren Rettung auf die Fahnen geschrieben hat, stehe man durchaus positiv gegenüber, auch wenn zum Teil unterschiedliche Interessen dahinter stünden, betonte Rutkowski und verwies auf die Zurückverlegung des Achen-Deiches nördlich der Autobahn, die Wiedereröffnung eines dortigen alten Seitenarms und die Wiederbelebung des Auwalds.

Wenn man den immensen Schwebstoffeintrag in den Chiemsee reduzieren wolle, gelinge dies nicht mit Kiesfallen im Unterlauf der Tiroler Ache, da müsse man schon „an die Ursachen ran“, so Weiger. Rutkowski hatte zuvor die Flächenversiegelung, Eingriffe in den natürlichen Bergwald, Begradigung von Fließgewässern und die Trockenlegung von Mooren als Gründe für die Verlandung beidseits des Achendeltas aufgeführt. Auch die Hochwassergefahr steige dadurch erheblich. Beim Hochwasserschutz seien vorbeugende Maßnahmen in Einklang mit der Natur ratsamer, als später riesige Summen für Reparaturen auszugeben, riet Weiger.

mmü

Quelle: chiemgau24.de

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