Gegen Lkw-Verkehr und Ortsumfahrung

Jetzt machen auch MdL Sengl und die Bürgerinitiative Druck

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Am Montag die Grundstückseigentümer der geplanten Trasse, am Mittwoch nun Landtagsabgeordnete Sengl und die Bürgerinitiative "Ein Chieming": Allesamt fordern sie eine Sperrung für den Schwerlastverkehr durch Chieming - als Alternative der Ortsumfahrung. 
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Chieming - Erst am Montag protestierten Landwirte gegen die geplante Ortsumfahrung, jetzt reihen sich auch die Bürgerinitiative "Ein Chieming" und die Landtagsabgeordnete Sengl ein.

Seit Sonntag ist man wieder aktiv: Die Bürgerinitiative "Ein Chieming" sammelt in den kommenden Wochen Unterschriften, Listen liegen in einigen Geschäften im Ort aus, unter anderen in den Chieminger Filialen der Bäckerei Stumhofer. Das konkrete Ziel ist ein Durchfahrtsverbot für überörtliche Lastwägen mit mehr als zwölf Tonnen Gewicht: "Wir wollen die Straße erträglicher und sicherer machen", heißt es von Seiten der Bürgerinitiative im Gespräch mit chiemgau24.de. 

"Uns ist auch klar, dass auch die Gemeinde es schon versucht hat, das Lkw-Durchfahrtsverbot durchzusetzen. Aber wir wollen jetzt auch mit einer möglichst großen Beteiligung der Bürger Druck ausüben, dass es doch klappt", so die Bürgerinitiative. In Matzing, Grabenstätt und auch schon auf der Autobahn sollen Lastwagenfahrer auf das Durchfahrtsverbot hingewiesen werden. Auch das zweite Ziel von "Ein Chieming" ist klar: die geplante Ortsumfahrung zu verhindern

Sengl: "Die Traunsteiner Umfahrung sollte auch Chieming entlasten"

Die Grünen-Landtagsabgeordnete Gisela Sengl.

Einig dürfte sich die Bürgerinitiative dabei mit der Grünen-Landtagsabgeordneten Gisela Sengl sein - auch die Sondermoningerin wendet sich jetzt an die Öffentlichkeit: "Der Schwerlastverkehr muss raus aus dem Ort! Mit ein Grund für den Bau der Nordostumfahrung Traunstein war explizit die Entlastung von Chieming und Sondermoning, doch davon ist leider noch nichts zu spüren. Diese Kapazitäten müssen besser genutzt werden, und dafür braucht es ein kluges Verkehrsumleitungssystem, und keine neuen teuren Umgehungsstraßen!"

Sengl sieht auch zwischen den Landwirten und den "Grünen" gemeinsame Interessen. Die bäuerlichen Grundeigentümer der geplanten Ortsumgehung wandten sich am Montag an Bürgermeister Benno Graf und machten klar: "Wir lehnen es ab, unser Grundeigentum für die Ortsumfahrung zur Verfügung zu stellen." Die Landtagsabgeordnete reiht sich hier nun ein: "Was wir Grüne schon lange fordern, greifen jetzt die Bauern auf. Es kann nicht sein, dass immer mehr landwirtschaftlich wertvolle Fläche kaputt gemacht wird! Das fordert auch unser Grünen-Volksbegehren 'Betonflut eindämmen'."

Der Gemeinderat sprach sich für die Variante 2 aus: Ein Kreisverkehr soll die bestehende Staatsstraße mit der Umgehung verknüpfen. Im Januar wurden alle Varianten vorgestellt.

Der Gemeinderat scheiterte zuletzt im März 2017 mit einer Initiative für ein Schwerlast-Durchfahrtsverbot in den Sommermonaten. "Die Straße gehört nun mal nicht uns, sondern dem Staat. Wenn man x-mal etwas erfolglos probiert hat, braucht man eben andere Lösungen", so Bürgermeister Graf erst am Montag. Er unterstützt die geplante Ortsumfahrung.

Trasse, Kosten, Auswirkungen: Fakten zur Ortsumfahrung

Mit einer Mehrheit von 12:5 Stimmen sprach sich der Gemeinderat im Februar für die "Variante 2" der Ortsumfahrung aus. Sie führt südöstlich an Chieming vorbei, zwischen Pfaffing und Aufham hindurch und dann entlang des Feldweges hinüber zur Staatsstraße. Bei der Abzweigung Eglsee soll ein Kreisverkehr die Straßen verbinden. Die Trasse befindet sich bereits im Flächennutzungsplan, was ein Zeitvorteil bei der Umsetzung wäre.

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Die Gesamtkosten für die Ortsumfahrung wurden vom Planungsbüro auf 13,9 Millionen Euro geschätzt. Knapp vier Minuten Zeitersparnis im Gegensatz zur Fahrt durch den Ort würde die Umgehung außerdem bringen. Die Planer und die Mehrheit des Gemeinderates stimmten für diese Trassenführung, weil sie hinsichtlich Lärm-, Tier- und Umweltschutz am besten abschneidet. Das Krebsbachtal zwischen Pfaffing und Aufham würde durch eine 118 Meter lange Brücke überwunden.

Durch die hohe Verkehrsbelatung der Staatsstraße durch Chiemings Zentrum sind aktuell 200 Menschen von zu hohen Lärmwerten betroffen. Rechnet man künftig mit noch mehr Verkehr, würde auch die Zahl der Lärmgeplagten steigen. Bei einer Ortsumfahrung würden die Lärm-Grenzwerte für keinen Anwohner mehr überschritten, Schallschutzmaßnahmen wären nicht notwendig.

xe

Quelle: chiemgau24.de

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