Am Chiemsee-Ufer

Isinger Schüler lassen Wetterballon steigen - Aufnahmen aus 30.000 Meter Höhe

+
Seebruck von oben

Ising - Wie Schüler bis in die Stratosphäre vordringen? Mit einem Schulprojekt wie dem am Landschulheim Schloss Ising! Dort haben Zehntklässler einen Ballon 30.000 Meter in die Höhe steigen lassen:

Die Schüler des Landschulheim Schloss Ising haben ihr Projekt mit dem Wetterballon erfolgreich abgeschlossen. Diesen Stratosphärenballon hatten die Zehntklässler unter der Leitung ihres Physiklehrers Norbert Prebeck am Dienstagvormittag am Waldsportplatz des Isinger Gymnasiums aufsteigen lassen. 

Physiklehrer Norbert Prebeck erläutert den Schülern die Einzelheiten der Mess-Sonde, die Formel für die Geschwindigkeit und die geographische Lage des Startplatzes

Er erreichte eine Höhe von 30.000 Metern bis in die Stratosphäre, überflog Tabing, Knesing, Traunreut und landete nach über zweieinhalb Stunden in Palling östlich von Traunreut wieder auf der Erde – im Wipfel einer Tanne in einem Wäldchen. 

Interdisziplinäres Experiment

Für die Schüler Isings sollte dieses Projekt die Naturwissenschaften stärken. In Geographie lernen die Elftklässler beispielsweise den Aufbau der Atmosphäre, in Physik beschäftigen sich die Zehntklässler mit den Gesetzen von Newton und den Planeten des Sonnensystems – am besten gleich mit einem spannenden Experiment. 

Eindrücke aus 30.000 Metern Höhe

Schüler mit Feuereifer dabei

Mit Feuereifer machten sich die Schüler und Lehrer an die Arbeit: Sie bestellten Kameras, schnitten ein Styropor-Kästchen zurecht, kümmerten sich um die gesetzlichen Vorgaben für den Aufstieg, errechneten die benötigte Menge an Helium, kauften Kabelbinder, Klebeband und Messgeräte – jeder von ihnen war für bestimmte Tätigkeiten und Materialien verantwortlich. 

Trotzdem war die Nervosität groß, als die Schüler am Dienstag den Ballon mit Helium füllten, ihn mit Weckgummis, Kabelbinder und Tapes verschlossen und die Sonde mit den Messgeräten befestigten. Wird es gelingen? Werden die Akkus die enorme Kälte in der Stratosphäre überstehen? Werden die Messgeräte und Datenspeicher den Aufprall auf die Erde überstehen? 

Auf den Websites der Flugroutenvorhersage hatten Schüler und Lehrer die Tage zuvor immer wieder nachgesehen, wie weit und wohin der Ballon unter den jeweiligen Wetter- und Windbedingungen geflogen wäre: Nach Ried im Innkreis, nach Mühldorf, zum Mattsee in Österreich – je nach Windrichtung und –stärke. 

Und dann hob er ab

Und dann hob der Ballon ab unter dem Beifall aller Schüler – in Richtung Nordnordost und wurde immer kleiner und kleiner. Laut dieser Website sollte er später bei Mattighofen in Österreich landen. 

Und jetzt beginnt das Abenteuer für die Jung-Forscher: Der Ballon muss gefunden und geborgen werden. Die GPS-Daten zeigen auf ein Waldgebiet bei Palling. Erst mal Enttäuschung: Nur ein Viertel der vorgesehenen Strecke! Was ist passiert? Zwei Teams fahren nun dorthin, suchen und finden den roten Fallschirm und die Mess-Sonde. 

Aber der rote Fallschirm und das Styropor-Kästchen mit den Mess-Instrumenten haben sich fast 40 Meter über dem Boden mit den Schnüren so in einer Tannenspitze verheddert, dass die Nachwuchsforscher erst mal ratlos sind: Mit einem Fußball runterschießen? Den Baum fällen?

Baumkletterer birgt  Ballon

Die Lösung war dann der professionelle Baumkletterer Hans Staudinger, den Geographielehrer und passionierter Jäger Dominik Berzl schnell ausfindig gemacht hatte. Das Forscherteam sicherte die Speicherkarten und las folgende Daten aus: Der Ballon hatte bei minus 46° Celsius mit 30 107,9 Meter seine vorgesehene Höhe erreicht

Baumkletterer Hans Staudinger holt die Mess-Sonde von der Tanne

Durch den geringen Druck dehnte sich dort die Hülle des Ballons so weit aus, dass sie wie vorgesehen geplatzt war. Die Sonde war dann am Fallschirm herabgeschwebt. Wegen des sehr schwachen Windes hatte der Ballon allerdings nur eine geringe Strecke am Boden zurückgelegt

Anders als geplant

Aber es hat nicht alles so funktioniert, wie sich das das junge Forscherteam vorgestellt hatte: Zwar ist die Temperatur in der Mess-Sonde in der eisigen Stratosphäre dank der Wärmepads nie unter den Gefrierpunkt gesunken, andererseits waren die Messgeräte dann nach der Landung bei frühsommerlicher Außentemperatur in der Styroporbox über 60° Celsius heiß geworden, weshalb einer der beiden Datenlogger ausgefallen ist. 

Natürlich wissen wir schon vor dem Flug, dass es weiter oben in der Atmosphäre viel kälter ist“, sagt Physiklehrer Norbert Prebeck, „aber es ist eine andere Sache, das selbst zu überprüfen.“ 

Jeder leistet seinen Teil

Für ihn ist es wichtig zu erfahren, dass sich bei solch einem Projekt viele Lehrer und Schüler und auch andere Personen mit ihren jeweiligen Fähigkeiten einbringen können: Ohne Baumkletterer keine Bergung des Ballons, ohne Videogruppe und Drohnen-Pilot kein Film, ohne handwerklich begabte Schüler kein Bau der Sonde. 

Es entsteht so ein Werk, das größer ist als die Summe seiner Teile.“ Einige Elftklässler produzierten nun einen Film und stellten ihn auf YouTube. Am Samstag können die Besucher des Isinger Gymnasiums mehr über den Wetterballon bei einem Vortrag und auf einer Info-Tafel erfahren.

 „Wir haben gelernt, wie man große Projekte zusammen als Gruppe durchführt“, zieht die Zehntklässlerin Polina Terenteva ihr Fazit. „Und für den Teamgeist in unserer Klasse war das Projekt auch gut.“

Walter Heil 


Quelle: chiemgau24.de

Zurück zur Übersicht: Chieming

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser