Planspiel "Polis" am Gymnasium Ising

„Hier vergammelt das Essen, dort hungern die Leute“

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„Wir müssen handeln!“ Der Chef der Weltbank, Simon Klotz (rechts) spricht beim Planspiel „Polis“ mit den Vertretern Südamerikas.

Ising - Die Schüler des Gymnasiums Ising und Bad Reichenhall lernten in dem Planspiel "Polis" die Realität der internationalen Politik kennen – und auch sonst noch vieles.

„Frau Reißl, ich kann Südamerika im Länderlexikon nicht finden“, sagt der Isinger Zehntklässler Jeremiah Geiger entnervt zu seiner Isinger Wirtschaftslehrerin Christina Reißl. „Du musst unter Ländern nachschauen, zum Beispiel Argentinien oder Brasilien.“ „Ja, aber unter Südafrika habe ich auch Informationen gefunden“, kontert der der Schüler. 

Jeremiah ist einer der 37 Schüler aus Ising und Bad Reichenhall, die im Jugendgästehaus Teisendorf am weltumfassenden Planspiel Polis teilnehmen und in die Rolle des Wirtschaftsministers der Region Südamerika schlüpfen. Das Planspiel „Polis“ steht für Politik und internationale Sicherheit und war an der Universität Erlangen entwickelt worden, um den Studenten die Weltpolitik näher zu bringen. Seit 1989 nutzt es die Bundeswehr für ihre Öffentlichkeitsarbeit. 

Staatsminister, NGO's und Co.

In diesen drei Tagen übernehmen die Zehntklässler verschiedene Rollen: Als Staatsminister, Regierungschef und Wirtschaftsminister vertreten die Schüler große Flächenstaaten wie Russland und Regionen wie Europa, dazu leiten sie die Weltbank und die Vereinten Nationen und arbeiten als internationale Journalisten und Vertreter der NGO’s, also der Nichtregierungsorganisationen. 

In der ersten Runde stellen sich die Politiker mit ihren Staat und der vorgegeben Ausgangslage vor, zum Beispiel erläutert die Wirtschaftsministerin Indiens, Melanie Mair vom Isinger Gymnasium, warum ihr Land „eine aufstrebende Wirtschaftsmacht“ ist. Aber gleich danach ploppen neue, beunruhigende Nachrichten auf: In Indien gibt es Terroranschläge in der Stadt Mumbai, oder in China „Linfen, die dreckigste Stadt der Welt“ und vor Indonesien beispielsweise eine große Gefahr durch die Piraterie. Die Staatengruppen und Staaten müssen nun auf diese Herausforderungen reagieren, Kampagnen starten, Gelder investieren, bilaterale Verträge abschließen.

Diskussionen und Versammlungen an der Tagesordnung

Bei der UN-Vollversammlung hält jeder Staatschef eine Rede und muss sich gegen kritische Fragen wappnen. Der Isinger Schüler Vincent Fischer stellt als Regierungschef Afrikas den Antrag auf eine UN-Resolution zur Entsendung von Schutztruppen und Entwicklungshelfern in seine Region. Die Politiker diskutieren lange darüber und nehmen den Antrag als Weltgemeinschaft mit zwei Gegenstimmen und drei Enthaltungen an

„Japan – die Rede war einen Tick zu schnell, aber du hast gut ins Publikum geschaut und mit den Händen deutlich unterstrichen, was du gesagt hast.“ Nach der Rede lobt und verbessert Jugendoffizier Kristin Brinkmann, die das Planspiel zusammen mit Jugendoffizier Christian Schicht leitet, die Reden der Zehntklässler. „Nicht die Hände in die Tasche!“ und „“Du neigst dazu, viel zu schnell zu reden!“ 

Weltpolitik in klein

Planspiel-Journalistin Benita Steger aus Ising legt nun ihre Finger in die Wunden der nicht gelungenen Regierungsprogramme. In Syrien blieb beispielsweise immer noch ein Industriezentrum der den Händen der IS, was für Europa höhere Energiepreise erzeugt. In China prangert Benita die Einschränkung der Meinungsfreiheit und die Produktionsrückgänge der Landwirtschaft durch die extreme Umweltverschmutzung an. Und Weltbank-Chef Simon Klotz mahnt die Staatsvertreter: "In einigen Regionen vergammelt das Essen, in anderen hungern die Leute!“ Insgesamt haben die Schüler der beiden Gymnasien bei diesem dreitägigen Planspiel sehr viel gelernt – und nicht nur der Isinger Jeremiah Geiger, dass Südamerika kein einzelner Staat ist.

Pressemeldung Gymnasium LSH Schloss Ising, Walter Heil 

Quelle: chiemgau24.de

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