Wir brauchen einen neuen "Deal"

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Auch in diesem Jahr waren Generaloberin Sr. Theodolinde Mehltretter von der Kongregation der Barmherzigen Schwestern vom heiligen Vinzenz von Paul (Mitte) und Geschäftsführer Franz Demmelmair (Zweiter von links) Gastgeber für den Jahresempfang der regionalen Wirtschaft bei der Adenholzener Alpenquellen GmbH. Die Festrede hielt Professor Randolf Rodenstock (Zweiter von rechts), Grußworte sprachen der Traunsteiner Landrat Hermann Steinmaßl (rechts) und Franz Ober, Vorsitzender des veranstaltenden Gewerbeverbands Traunstein und Umgebung.

Landkreis - Zwischen Gesellschaft, Politik und Wirtschaft muss ein neuer "Deal" abgeschlossen werden. Dies forderte Professor Rodenstock beim Jahresempfang der regionalen Wirtschaft in Bad Adelholzen.

In seinem Festvortrag vor Unternehmern und Politikern der Region ging der Präsident der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbm) auf die sozialen, ökologischen und finanziellen Herausforderungen unserer Zeit ein.

Trotz der schwelenden Finanzkrise in der Euro-Zone ist die regionale Wirtschaft im Landkreis Traunstein derzeit stark aufgestellt. Dies erklärte Franz Ober, Vorsitzender des Gewerbeverbands Traunstein und Umgebung, bei der Eröffnung des Jahrestreffens im Verwaltungsgebäude der Bad Adelholzener Alpenquellen. Das zeige sich am Erfolg international tätiger Unternehmen aus der Region, aber auch am Beispiel der Biathlon-Weltmeisterschaft, die vor kurzem in Ruhpolding zu Ende ging. Diese weltweit bedeutende Sportveranstaltung unter Mitwirkung heimischer Unternehmen habe eine perfekte Werbewirksamkeit für die Region erbracht. In dem Zusammenhang verwies Ober auf die Chancen für die wirtschaftlichen und politischen Gruppierungen, bei diesem Treffen Netzwerke zu festigen und neue Kontakte zu knüpfen.

"Das bayerische Wirtschaftsmodell ist ein Erfolgsmodell", legte sich Professor Rodenstock zu Beginn seines Vortrags fest, der im Mittelpunkt des Empfangs stand. "Für zwei Drittel des Umsatzes in Bayern sorgen 'High-Tech'-Produkte. Jeder zweite Euro, den bayerische Unternehmen erwirtschaften, verdienen sie im Ausland." Maßgeblich dafür seien auch die Rahmenbedingungen: Die Arbeitslosenquote in Bayern sei mit vier Prozent "sensationell" niedrig, das Bruttoinlandsprodukt (BIP) Bayerns lag 2011 bei drei Prozent. Rodenstock, auch Honorarprofessor an der Uni München, führt diese Entwicklung darauf zurück, dass die Industrie in den letzten zehn bis 15 Jahren wieder erfolgreich angekurbelt wurde und mittlerweile für 85 Prozent der Exporte sorgt.

Nach Einschätzung Rodenstocks profitiert der Standort Bayern von wichtigen wirtschaftspolitischen Weichenstellungen in der Vergangenheit - wie den Hartz-Reformen der rot-günen Regierung, "die den Arbeitsmarkt in Deutschland flexibilisiert haben". Aber auch die amtierende Regierung habe mit ihren Kurzarbeitsregelungen zur Stabilisierung beigetragen.

Die bayerische Wirtschaft werde in diesem Jahr eine konjunkturelle Abschwächung erleben, aber keine Rezession, ist sich der geschäftsführende Gesellschafter der Optischen Werke Rodenstock München sicher. Es werde aber viel davon abhängen, ob Europa seine Schuldenkrise in den Griff bekommt.

Aber wie die Schuldenkrise lösen? Rodenstock: "Ich kenne niemanden, der dafür ein Patentrezept hat." Die Wirkungszusammenhänge seien vielschichtig und schwer durchschaubar. Aber: "Es geht hier um Probleme einzelner Staaten in der Euro-Zone - und nicht um eine Krise der EU." Nur wenn alle Mitgliedsstaaten vernünftig haushalten, werde Europa dauerhaft bestehen. In seinen Augen stehen die Europäische Union und der Euro für eine Erfolgsgeschichte - für Deutschland und erst recht für Bayern. "Jährlich exportieren bayerische Unternehmen Waren im Wert von rund 50 Milliarden Euro in die Länder der Eurozone", so Rodenstock. "Hätten wir den Euro nicht, wäre die DM um 30 Prozent höher zu bewerten - das würde uns Schwierigkeiten bereiten."

Dennoch: "Die Ausgangslage ist gut für Bayern, die Chancen für unsere Unternehmen sind groß - aber ebenso die Herausforderungen der Zukunft." Entscheidend werde sein, wie der Wirtschaftsstandort Bayern damit umgeht. Drei wesentliche Themen bilden nach Ansicht des Unternehmers ein Spannungsdreieck, und es gelte, dies aufzulösen, um nachhaltiges Wachstum möglich zu machen: Klimaschutz, demografische Entwicklung und die Konsolidierung der öffentlichen Haushalte. "Dazu brauchen wir einen neuen 'Deal zwischen Gesellschaft, Politik und Wirtschaft, der auf einem neuen Verständnis von Gerechtigkeit basiert", forderte Rodenstock. Dabei gehe es nicht wie bisher um Verteilungs- und Bedürfnisgerechtigkeit. Die seien für die Organisation eines Staatsgebildes ungeeignet, weil sie rückwärts gerichtet seien. Vielmehr müsse eine neue Basis her, bestehend aus Beteiligungsgerechtigkeit, Chancengerechtigkeit, Generationengerechtigkeit und globaler Gerechtigkeit, so Rodenstock. Dieser neue "Deal" könne aber nicht einseitig vom Staat abgeschlossen werden: "Hier müssen alle Beteiligten - Gesellschaft, Politik und Wirtschaft - ihre Rollen einnehmen", machte Rodenstock abschließend deutlich.

ul

Quelle: chiemgau24.de

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