Beim Wodka Freund zu Tode geprügelt

Rosenheim/Traunstein - "Keine Ahnung" und "Ich weiß nicht" - das waren die häufigsten Antworten eines Deutschrussen (42) aus Rosenheim auf Fragen des Traunsteiner Schwurgerichts.

Er soll im September 2008 seinen besten Freund, einen arbeitslosen Landsmann (42), in dessen Wohnung in Rosenheim während eines Streits massiv geschlagen und per Würgegriff getötet haben. Das Opfer starb durch Einatmen von Blut und durch Ersticken - so die offizielle Todesursache.Seit Montag steht der 42-Jährige (wie gemeldet) wegen Totschlags vor dem Gericht mit Vorsitzendem Richter Karl Niedermeier. Laut Anklage trafen sich die Freunde, um Wodka und Bier zu trinken. Bereits im Tagesverlauf sollen die Männer einen Streit gehabt haben. Am Abend sollen sie in der Wohnung des späteren Opfers weiter Alkohol konsumiert haben. Dabei fand der 43-Jährige, der eine 21-jährige Tochter hat, den Tod. Die Anklage geht von Tötungsabsicht aus, von heftigen Schlägen ins Gesicht sowie einem länger andauernden "Schwitzkastenwürgegriff". Rechtsmediziner stellten beim Opfer Gesichtsverletzungen, eine Blähung der Lungen und Blutungen in den Atemwegen fest, die zum Erstickungstod führten. Die vordere linke Stirnhöhlenwand war im Augenbrauenbereich eingebrochen, der Nasen-Rachen-Raum wies Blutergüsse auf, der Würgegriff führte zum Bruch des linken Kehlkopfhorns.

Der in Sibirien geborene deutschstämmige Angeklagte mit mittlerer Reife und Kraftfahrerlehre kam 1992 nach Deutschland. Er arbeitete in verschiedenen Berufen, zuletzt bis zur Inhaftierung im September bei einer Hausmeisterei. Daneben bezog er Hartz IV. Er war beim Opfer gemeldet, wohnte aber bei seiner Freundin. Dazu Niedermeier: "Das ist betrügerisch. Wir dürfen Ihren Alkoholkonsum bezahlen." Zweimal war der Angeklagte wegen seiner Alkoholprobleme in Entziehungseinrichtungen.

Zu den Vorwürfen beteuerte der 42-Jährige - trotz belastender DNA-Spuren - seine völlige Unschuld. Der Vorsitzende Richter: "Möglicherweise verkennn Sie den Ernst der Situation. Totschlag hat einen Strafrahmen von fünf bis 15 Jahren." Der Angeklagte zeigte sich nicht beeindruckt, dafür teils trotzig, teils sichtlich genervt von den Fragen. Oft reagierte er mit Gegenfragen, zumeist mit "keine Ahnung". Nach seiner Schilderung wurde nicht gestritten. Man habe getrunken, am Abend habe er sich auf einer Eckcoach schlafen gelegt. Später habe jemand geklingelt und nach dem 43-Jährigen gefragt. Er habe gesagt, sein Freund schlafe. Mit dem Besucher sei er ins Wohnzimmer. Der Besucher habe gesagt: "Der ist ja tot. Hauen wir ab." Dann sei man zu der Tankstelle. "Wir haben gesoffen." Irgendwann sei er zur Freundin und mittags aufgewacht.

Toter lag unter dem Teppich

Der nächtliche Gast war ein Deutschrusse (38). Gegen 2 Uhr klingelte er mehrmals, bis ihm vom Angeklagten die Tür geöffnet wurde. Dieser erklärte ihm, der 43-Jährige sei nicht da. Er sei unterwegs, um Wodka zu holen. Der 38-Jährige war nicht abzuweisen. In der Wohnung sah er etwas unter einem Teppich, darunter entdeckte er seinen toten Bekannten - mit blauen Flecken im Gesicht und ziemlich "zugerichtet". Weil er früher Probleme mit der Polizei hatte, wollte er in nichts reingezogen werden. Deshalb wischte er die Türklinke ab, um keine Spuren zu hinterlassen. Nach seinen Worten sagte er zum Angeklagten: "Man müsste die Polizei rufen. Man kann ihn doch nicht so liegen lassen." Stattdessen gingen die Männer zur Tankstelle, um Alkohol zu trinken. Der Zeuge: "Ich hatte noch nichts getrunken und stand unter Stress." Das Urteil soll am Donnerstag fallen.

kd/Oberbayerisches Volksblatt 

Quelle: chiemgau24.de

Rubriklistenbild: © dpa

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