Bald Energie aus Wasserdampf?

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Chieming/Traunstein - EHG-Geschäftsführer Thomas will im Gewerbegebiet Weiderting im Nordosten Traunsteins Energie gewinnen - aus Wasserdampf.

Schon 2006 hatte sich ein Konsortium, geführt von der Chieminger Unternehmensgruppe EHG, das Erkundungsrecht für ein Feld, das noch dem Landkreis Traunstein gehört, gesichert, berichtet Engmann der Chiemgau-Zeitung. Doch während zum Beispiel in Ländern wie Island das heiße Wasser nur so aus dem Boden quillt, liegen Vorkommen hierzulande in 1000 bis 5000 Meter Tiefe. Etwa 20 Millionen müssen Engmann zufolge investiert werden, um festzustellen, ob der Bau eines Kraftwerks sinnvoll ist. Die erste zweidimensionale Untersuchung der Böden in Weiderting lasse indes hoffen. "Als Unternehmer würde ich sagen, die Wahrscheinlichkeit, dass wir dort ein Kraftwerk bauen, ist hundert Prozent. Als Wissenschaftler müsste ich sagen 90 Prozent," sagt Engmann. Sicher könne er sich erst nach den ersten Bohrungen sein.

Für die bisher erstellte 2-D-Seismik wurden Ergebnisse früherer Bohrungen nach Erdgas oder Erdöl verwertet. Dieses Jahr soll eine 3-D-Seismik folgen: Mit Echolot-Signalen wird der Boden abgetastet, um herauszufinden, wo ein Bohrpunkt gesetzt werden kann. Erste Bohrungen sind für 2012 geplant. Im besten Fall werden dabei Wasservorkommen gefunden, die bis zu 150 Grad heiß sind. Der Druck, "Schüttung" genannt, treibe das Wasser selbstständig durch die Rohre an die Oberfläche, erklärt Engmann.

Doch auch weniger heißes Wasser könne heute zur Energiegewinnung genutzt werden. Unter der Zugabe von Medien wie Ammoniak werde der Siedepunkt des Wassers verringert: "In der Vergangenheit hat sich so ein Projekt oft nicht gelohnt, weil das Risiko zu groß war und die Vorarbeiten dafür zu teuer. Mittlerweile ist die Technik soweit fortgeschritten, dass sich auch aus kühlerem Wasser Energie gewinnen lässt und auch der hohe Preis für herkömmlichen Strom macht ein Geothermie-Kraftwerk rentabel."

Geothermie-Kraftwerk soll 2014 fertig sein

Nach Engmanns Berechnungen könnte mit dem Wasserdampf Energie für die Hälfte der Stadt Traunstein erzeugt werden: "Das ist die perfekte regenerative Energie." Der Kraftwerksbau soll 2014 beginnen und schon im selben Jahr in Betrieb genommen werden. Zusätzliche Abwärme könne als Nahwärme für Heizungen von großen öffentlichen Gebäuden, wie zum Beispiel dem Traunsteiner Krankenhaus, genutzt werden. "Ich halte dieses Projekt für hochsinnvoll, gerade nachdem was sich gerade in Japan abspielt. Die Atomkraft zeigt aktuell wieder, dass sie nicht beherrschbar ist. Der Mensch beherrscht vieles nicht, aber er erzeugt nicht überall so katastrophale Nebenwirkungen."

Momentan sucht die EHG, die das Projekt mehrheitlich übernommen hat, Investoren. Engmann: "Der Staat fördert die regenerative Energieversorgung. Aber der Staat schließt die erste Lücke nicht - die hochriskante erste Phase, die erst nach der ersten Bohrung abgeschlossen ist." Zur weiteren Realisierung des Geothermie-Projekts komme für Engmann eine Private Equity-Finanzierung durch einige starke Privatinvestoren oder ein Fonds mehrerer Kleininvestoren in Frage. Den Jahresumsatz des späteren Werks schätzt der Geschäftsführer, bei derzeitigen Konditionen, auf zehn bis 15 Millionen Euro. Für einen großen Energieversorger sei das ein "Kleinstprojekt". Für ihn als regional tätigen Dienstleister in der Recyling-Branche sei es genau passend, denn die Anlage sei überschaubar und es werde wenig Personal benötigt. Mit dem Kraftwerk, so Engmann, wende die EHG ein altbewährtes Konzept aus dem Bereich Entsorgung nun auch in der Versorgung an: "Wir sind in der Ressourcenschonung unterwegs, wir schließen heute Kreisläufe."

naw/Chiemgau Zeitung

Quelle: chiemgau24.de

Rubriklistenbild: © pa

Zurück zur Übersicht: Region Traunstein

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser