Ausstellungseröffnung: Namen statt Nummern

Traunstein - Die Ausstellung "Namen statt Nummern & Geistliche im KZ Dachau“ wird am Freitag um 17.00 Uhr in der „Alten Wache“ im Rathaus Traunstein eröffnet.

"Und da habe ich mir gedacht: ja, wenn ich wegen dem Herrgott ins KZ komme, dann hat der Herrgott auch die Verantwortung für alles, was auf mich zukommen wird. So blieb ich felsenfest und unerschüttert." Nicht nur für den jungen Kaplan Hermann Scheipers bedeutete der tiefe Glaube an seinen Gott eine Quelle der Kraft, die ihm half, die Jahre der Verfolgung, des Terrors und der Bedrohung zu überstehen. Die meisten Teilnehmer, die sich mit den Biographien von verfolgten Geistlichen befassten, waren besonders berührt von der freudigen, liebe- und kraftvollen Ausstrahlung ihrer Projektpartner. "Ich wollte ihn als einen Menschen ohne Hass darstellen, der tief im Glauben verankert ist, so habe ich ihn erlebt“, berichtet Iwanka Kucan, eine ukrainisch-stämmige, in Polen aufgewachsene und heute in München lebende Altenpflegerin, die den katholischen Priester Leon Stępniak in der Nähe von Posen zum Interview traf.

Die neue Ausstellung des Gedächtnisbuch-Projekts "Geistliche im KZ Dachau" stellt elf Geistliche aus Polen, Deutschland, den Niederlanden, Griechenland und der Tschechoslowakei vor. Darunter sind evangelische Pfarrer, katholische Priester, ein griechisch-orthodoxer Priester sowie ein späterer Rabbiner, der zur Zeit seiner Haft noch Student war. Die Ausstellung entstand als Ergänzung zur Internationalen Wanderausstellung "Namen statt Nummern“ und wurde während des Ökumenischen Kirchentages 2010 erstmals in der Todesangst-Christi-Kapelle in der KZ-Gedenkstätte Dachau gezeigt. Nun wird sie vom 08. bis 18. November in der Evang.-Luth. Auferstehungskirche (Crailsheimstr. 10) in Traunstein zu sehen sein.

Ab 05. November 2010 (jeweils 16-18 Uhr) werden auch 22 Biographien von ehemaligen Häftlingen des Konzentrationslagers Dachau in der Internationalen Wanderausstellung „NAMEN STATT NUMMERN“ in der Alten Wache im Rathaus Traunstein zu sehen sein. Die Ausstellung war bisher in 50 europäischen Orten zu sehen und kann bisher mehr als 60.000 Besucher zählen. Besonders freut die Initiatoren im Dachauer Trägerkreis, dass sich an vielen Orten Menschen melden, die die Ausstellung als Einladung zur Mitarbeit am Projekt verstehen: Überlebende des KZ Dachau, Angehörige von ehemaligen Häftlingen des Dachauer Konzentrationslagers melden sich bei den Ausstellern und bieten an, Ihre Erinnerungen einzubringen. Nicht selten führt das dazu, dass an den Ausstellungsorten eigene Werkstattgruppen gebildet werden, in denen junge Leute beginnen die Geschichte eines ehemaligen Häftlings aus ihrer Region zu ergründen.

Die ausgestellten Beiträge geben einen Einblick in die Internationalität der Häftlingsgesellschaft und in die Vielfalt der politischen, sozialen, religiösen Lebenshintergründe. Repräsentativ ist die Ausstellung dennoch nicht, einzelne Häftlingsgruppen und zahlreiche Nationalitäten fehlen. Aber sie zeigt individuelle Gesichter, die sich hinter den Nummern, die die SS den Häftlingen gab, verbergen. Sie zeigt auch, wie viele unterschiedliche Menschen – Schüler, Studenten, Inhaber verschiedener Berufe –sich durch eine Recherche an diesem Erinnerungsprojekt beteiligen. Und wie manchmal diese Arbeit zu einem Schritt in Richtung Versöhnung werden kann: „Vielen Dank an euch, alle Jugendlichen, die ihr eine so schöne und nützliche Arbeit geleistet habt, damit nach der Lektüre von allen [Biographien] die Franzosen und die Deutschen niemals mehr Lust haben sich feindlich gegenüber zu stehen. Das ist die Botschaft die euch die ehemaligen Deportierten übermitteln.“ (Renée Lacoude) Die Ausstellung sowie die Begleitbroschüren beider Ausstellungsteile sind erhältlich.

Das Ausstellungsprojekt des Dachauer Gedächtnisbuchs wurde von der EU (Europa für Bürgerinnen und Bürger – „Aktive Europäische Erinnerung“) gefördert. Es soll einen Anstoß geben, die Geschichte der Dachauer Häftlinge aus einem europäischen Blickwinkel zu verstehen: Schließlich waren es Menschen aus ganz Europa, die von den Nationalsozialisten verfolgt wurden, und deren schreckliche Erinnerungen an die Konzentrationslager das europäische Selbstverständnis bis in die heutige Zeit prägen.

Pressemitteilung ebw-traunstein

Quelle: chiemgau24.de

Rubriklistenbild: © dpa

Zurück zur Übersicht: Region Traunstein

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser