Arena frei für die Bullen

Traunstein - Jede Monat kommen in der Chiemgauhalle Bullen und Kühe unter den Hammer. Bei der Versteigerung werden ausschließlich Zuchttiere aus der Region angeboten.

"1150 Euro zum Ersten, zum Zweiten und zum Dritten", schreit Otto König durch die Chiemgauhalle. Und wieder wechselt eine Kuh ihren Besitzer. Es geht Schlag auf Schlag. Das nächste Tier steht schon am Tor und wartet auf seinen Auftritt. Langsam führt der Landwirt sein Verkaufsobjekt an einem Strick durch die Halle. Die Interessenten sitzen auf der runden Tribüne und mustern die Kuh. Den Augen der Experten entgeht nichts. Die Landwirte achten genau auf jedes Detail.

Kopf, Körper und Beine des Tiers werden streng kontrolliert, die meisten Käufer haben eine Liste vor sich mit den Daten der Rinder und machen zusätzlich Notizen. Schließlich geht es bei der kostspieligen Anschaffung nicht um einen Becher Joghurt sondern um ein Zuchtrind aus der Region, bei dem es natürlich um beste Qualität geht, die ihren Preis fordert.

Veranstalter der "Auktion" ist der Rinderzuchtverband Traunstein. Der Verein besteht bereits seit 1896. Unter seinem Dach haben sich 1850 Betriebe vereint, die derzeit rund 45.000 Fleckviehkühe im Chiemgau und Rupertiwinkl kontrollieren. Der Verband achtet auf strenge Gesundheitskontrollen, die Euter der Kühe werden regelmäßig untersucht und auch die Zusammensetzung des Tierfutters wird ständig geprüft.

"Der Vorteil unserer Versteigerung ist die große Auswahl an Jungkühen und Zuchtbullen. Jeden Monat bieten wir rund 100 Zuchttiere an, da kann der Bauer in Ruhe auswählen und das für ihn geeignete Rind kaufen", sagt Otto König, der die Versteigerungen leitet. Nicht nur Landwirte nehmen an der Auktion teil, sondern auch Vertreter von Besamungsstationen werfen ein Auge auf die Qualität der Bullen, die sie für ihr Geschäft benötigen.

Bilder von der Versteigerung

Zuchtviehversteigerung in der Chiemgauhalle

Bevor die Tiere überhaupt zur Versteigerung zugelassen werden, muss der Landwirt sein Vieh auf den Tag bestens vorbereiten. " Der Bauer schneidet die Klauen der Kuh, schert den Euter und lernt der Kuh wieder das Laufen am Strick, denn die Tiere sind zum größten Teil nicht mehr angebunden im Stall", sagt König. Das alles geschieht rund sechs Wochen vor der Auktion.

Am Tag der Versteigerung werden die Tiere von einer Bewertungskommission in der Chiemgauhalle begutachtet und in verschiedene Klassen eingeteilt und im Stall aufgestellt. Dann wird eine Milchliste erstellt mit den Ergebnissen der Tiere. Die Interessenten kommen dann eine Stunde vor der Versteigerung in die Halle und beurteilen dann anhand der Milchliste welche Tiere für ihren Hof geeignet sind. Zusätzliche Informationen holen sich die Landwirte aus einem Katalog, in dem die Vorfahren der Kühe und Bullen aufgelistet sind. Ein wichtiges Qualitätsmerkmal.

"Die Tiere werden dann in die Halle einzeln geführt. Sobald der Zuschlag für die Kuh oder den Bullen erfolgt ist, gehen die Käufer in das Marktbüro und erhalten dort ihren Abtreibsschein für das Tier. Dann gehen sie in den Stall, holen die Kuh ab und verladen sie im Anhänger und fahren nach Hause." Viele Bauern brächten zur Versteigerung ihre Frau mit, damit es ja keine Klagen über das Tier gebe, sagt König.

Nach drei Stunden ist die Versteigerung an diesem Tag zu Ende. Einen Sensationspreis erzielt kein Tier. Die meisten Jungkühe und Bullen wechseln für rund 1300 Euro den Besitzer.

Stefan Forster        

   

       

    

Quelle: chiemgau24.de

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